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Bildung : Verbände rügen "Billiglösungen" bei Ganztagsschulen in Hessen

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Beim Ausbau der Ganztagsschulen fördert Hessens Kultusministerin Wolff (CDU) nach Auffassung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und des Ganztagsschulverbands „Billiglösungen“. Die Verbände fordern „echte“ Ganztagsschulen.

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          Beim Ausbau der Ganztagsschulen fördert Hessens Kultusministerin Karin Wolff (CDU) nach Auffassung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und des Ganztagsschulverbands „Billiglösungen“. Die Landesvorsitzenden beider Verbände forderten Wolff am Donnerstag auf, nicht nur Schulen mit pädagogischer Mittagsbetreuung einzurichten, sondern „endlich eine Politik des Ausbaus echter Ganztagsschulen“ mit genügend Personal einzuleiten. Nach Auffassung des Kultusministeriums gibt es für diese Ganztagsschulen aber kaum Bedarf.

          „Echte Ganztagsschulen“ machen nach der Definition der Verbände in der Regel an fünf Wochentagen bis etwa 16.00 oder 17.00 Uhr pädagogische Angebote. Davon gibt es laut Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und Ganztagsschulverband (GTS) in Hessen - außerhalb der Sonderschulen - 15; darunter 6 Grundschulen. Schulen mit pädagogischer Mittagsbetreuung böten außer dem Essen oft nur Hausaufgabenbetreuung. „Nur eine höhere Zahl der echten Ganztagsschulen bietet die Chance, neue pädagogische Konzepte zu entwickeln und damit auch die Bildungschancen aller Kinder und Jugendlichen zu verbessern“, sagte GEW-Chef Jochen Nagel in Frankfurt.

          Nur wenige Anträge auf Umwandlung zur Ganztagsschule

          Unter den mehr als 200 Anträgen auf Einrichtung eines Ganztagsangebots für das Schuljahr 2004/2005 waren nur vier Schulen, die in eine volle Ganztagsschule umgewandelt werden wollten, entgegnete Ministeriums-Sprecher Ralf Hörnig. „Für Fragen der Erziehung und Betreuung ihrer Kinder haben die Eltern eine besondere Verantwortung. Deshalb werden wir ihnen nicht die verpflichtende Ganztagsschule überstülpen.“

          Nagel kritisierte, „die Zahl der echten Ganztagsschulen hat sich in Hessen seit zehn Jahren nicht verändert“. Die Zahl der Stellen an diesen 15 Schulen sinke zudem ständig. Die Landesregierung fördere im neuen Schuljahr zwar 61 neue Ganztagsschulen, davon seien aber 15 Sonderschulen, und die anderen 46 Schulen böten nur eine Mittagsbetreuung. Die Zahl der Ganztagsschulen, die wenigstens an drei Tagen bis in den späten Nachmittag geöffnet seien, steige ebenfalls nicht.

          Ganztagsschulverband rügt Stellenkürzungen

          „Die Stellenkürzungen bei den klassischen Ganztagsschulen betragen allein in diesem Jahr 11,2 Prozent“, kritisierte der GTS- Landesvorsitzende Guido Seelmann-Eggebert. „Von ursprünglich 30 Prozent Lehrerzuschlag sind gerade einmal im Durchschnitt 17 Prozent geblieben.“ In den 80er Jahren seien für Ganztagsschulen mindestens 30 Prozent mehr Lehrerstellen vorgesehen gewesen als für andere Schulen.

          „Wir haben die Ganztagsangebote in nur drei Jahren verdoppelt“, betonte Hörnig. Mit den 61 zusätzlichen Förderungen verfügten im Schuljahr 2004/2005 landesweit 290 Schulen über ein Ganztagsangebot. „Was die Teilnahmequote an Ganztagsangeboten angeht, steht Hessen schon jetzt an zweiter Stelle der alten Länder.“

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