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Bienenpopulation in Hessen : Wieder mehr Honigbienen

  • -Aktualisiert am

Einer von Tausenden: Immer mehr Leute interessieren sich für die Imkerei als Freizeitbeschäftigung. Bild: ZB

Die Zahl der Imker und ihrer Völker in Hessen steigt. Doch die wildlebenden Arten bereiten Naturschützern nach wie vor Sorgen. Wie steht es um die Zukunft der „fleißigen Bienchen“?

          Nach Jahren der Hiobsbotschaften geht es für die Honigbiene in Hessen langsam wieder aufwärts. Von „Dolce Vita“ könne bei den emsigen Sammlern zwar noch keine Rede sein, aber die Zahl der Bienenvölker steige deutlich, heißt es im hessischen Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft. Rund 62.000 Völker wurden im Frühjahr in Hessen gezählt, 2500 mehr als zu Beginn der vergangenen Saison. Bei Wildbienen und anderen Insektenarten gibt es hingegen keine Trendwende. Die Imkerei erfreue sich in Hessen wachsender Beliebtheit, sagt der Deutsche Imkerbund. Der hessische Landesverband zählte im vergangenen Jahr 10.200 Mitglieder und damit 5,9 Prozent mehr als 2017. Diese Entwicklung sei auch bundesweit festzustellen. Der Imkerbund nennt, neben Werbekampagnen und Nachwuchsaktionen, die Meldungen zum Bienensterben als Grund für die steigende Zahl von Imkern. Die schlechten Nachrichten bewegten die Menschen dazu, aktiv zu werden. Zudem sei das allgemeine Interesse an der Natur gestiegen.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Ohne Bienen und bestäubende Insekten stehen unsere Versorgung mit Lebensmitteln und damit unsere eigenen Lebensgrundlagen auf dem Spiel“, sagt die hessische Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Priska Hinz (Die Grünen). Erdbeeren, Gurken, Schokolade und Tomatensoße: Ohne die Bestäubungsleistung von Bienen und anderen Insekten gebe es davon nichts zu kaufen. Mehr als 80 Prozent der Kultur- und Wildpflanzen, so Hinz, seien auf Fremdbestäubung angewiesen. In einem durchschnittlichen Supermarkt stünden 70 Prozent des Gemüse- und Obstsortiments, das heute angeboten werde, ohne Insekten nicht mehr zur Verfügung. Die Gefahr sei real. Zwar gehe es den Honigbienen in Hessen durch die gute Arbeit der Imker besser: Noch 2008 habe es in Hessen nur 48.000 Bienenvölker gegeben, jetzt gehe die Tendenz deutlich nach oben. Weiterhin gefährdet oder vom Aussterben bedroht seien aber verwandte Arten wie Hummeln und Wildbienen. Mehr als die Hälfte der 560 Wildbienenarten in Deutschland drohe auszusterben.

          Wie sich die Zahl der Wildbienen und anderer Insekten in Hessen entwickelt hat, kann nach Auskunft des Umweltministeriums nicht genau beziffert werden. Insektenpopulationen unterlägen starken Schwankungen. Je nach Jahreswitterungsverlauf und anderer Faktoren könnten einzelne über Jahre quasi „verschwunden“ sein, um anschließend massenhaft wieder aufzutreten. Daher könnten nur langfristige Aussagen gemacht werden, und alle Experten seien sich dabei einig: Sowohl die Anzahl der Insektenarten als auch die Menge der Individuen nehme stark ab. Dieser Trend sei leider ungebrochen. „Wir müssen uns auf allen Ebenen für einen besseren Schutz von Bienen und Insekten einsetzen“, sagt Ministerin Hinz. Die schwarz-grüne Landesregierung habe vor zwei Jahren eine Kampagne „Bienenfreundliches Hessen“ initiiert, fördere den Ökolandbau, erarbeite einen Plan zur Reduzierung von Pestiziden und eine Strategie zum völligen Verzicht auf das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat.

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