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Kitaplatz-Mangel in Hanau : Betreuer und neue Plätze dringend gebraucht

Kindergartenkinder: Sie spielten im Mai 2017 im Garten einer Hanauer Kita Bild: Reuters

Hanau wächst und ist mit Kindern reich gesegnet. Daher braucht die Stadt neben Wohnraum auch Kindertagesstätten. Die zu bauen, reicht aber nicht, denn es fehlt das Personal.

          3 Min.

          Das Wachstum der Stadt Hanau, die demnächst mit einer Einwohnerzahl von 100.000 rechnet und damit zur Großstadt wird, erfordert einen massiven Ausbau der Betreuungsangebote für Kinder aller Altersstufen. Die Stadt sieht sowohl eine steigende Geburtenrate als auch den Zuzug von Familien in die neuen und noch neu entstehenden Wohngebiete. So leben derzeit pro Jahrgang rund 200 Kinder mehr in Hanau als vor fünf Jahren, heißt es aus dem Rathaus.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Dieser Trend wird sich in nächster Zeit voraussichtlich fortsetzen, wenn Wohngebiete wie der Pioneer-Park im Stadtteil Wolfgang und das Bautz-Areal in Großauheim bezogen sein werden. Auf beiden Arealen zusammen sollen einmal 8500 Menschen wohnen. Dem soll der „Entwicklungsplan Kindertagesbetreuung 2020/21 – 2025“ gerecht werden, den Bürgermeister und Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel (SPD) jetzt in einer ersten Fassung vorgelegt hat.

          Zuschlag von bis zu 500 Euro

          Der Entwurf sieht Investitionen von rund 35 Millionen Euro in den Aus- und Neubau von Kindertagesstätten bis zum Jahr 2025 vor. Das Bauprogramm ist allerdings nicht die einzige Herausforderung für die Stadt. Schwierig wird es für den Eigenbetrieb Kindertagesbetreuung weiterhin sein, ausreichend Personal für die Kinderbetreuung einstellen zu können. Im Sommer begann die Stadt daher eine Einstellungsoffensive für die 28 städtischen Einrichtungen, um möglichen neuen Betreuern einen Arbeitsplatz in Hanau schmackhaft zu machen. So rückten Erzieher in höhere Entgeltgruppen auf, was für langjährige Kräfte einen Zuschlag von bis zu 500 Euro brutto im Monat ausmachen konnte. Auch Berufsanfänger konnten sich über Gehaltserhöhungen freuen. Berücksichtigt wurden zudem die Mitarbeiter freier Träger, die von der Stadt über die Betriebskostenförderung unterstützt werden. Begleitet wurde die Aktion von einer Werbekampagne.

          Doch weiterhin sind nach den Worten von Weiss-Thiel fehlende Fachkräfte der große Engpass, der die Schaffung weiterer Kita-Plätze erschwere. Bis zum Jahr 2025 müssten der städtischen Bedarfsanalyse vom Sommer zufolge rund 100 zusätzliche Erzieher eingestellt werden.

          Sprunghafter Anstieg des Bevölkerungswachstums

          Selbst als im Jahr 2014 die Vermeidung von möglichen Überkapazitäten in den Einrichtungen ein Thema gewesen sei, habe die Stadt ihre Kapazitäten weiter ausgebaut. Allein in der „U3-Betreuung“ seien die Platzkapazitäten verdoppelt worden. Doch der sprunghafte Anstieg des Bevölkerungswachstums der Jahre 2015 und 2016 habe dazu geführt, dass die zuvor hundertprozentige Versorgung der drei- bis sechsjährigen Kinder rasant abgerutscht sei, wie es Weiss-Thiel ausdrückt. Mit einem Versorgungsgrad von 93 Prozent sei im Jahr 2015 ein Tiefststand erreicht worden.

          Mit Umstrukturierungen, der Eröffnung neuer Gruppen und die Nutzung weiterer Räume zur Kinderbetreuung habe die Stadt den Abwärtstrend stoppen können. Doch allen Anstrengungen zum Trotz seien die Ergebnisse noch nicht zufriedenstellend. Nach der Prognose bis zum Jahr 2025 werden im gesamten Stadtgebiet 751 zusätzliche Kita-Plätze für Kinder zwischen drei und sechs Jahren benötigt, um das angestrebte Versorgungsziel von 99 Prozent zu erreichen. Dazu kommen weitere 465 Plätze in der „U3-Betreuung“, um dort die erforderliche Quote von 35 Prozent zu erfüllen. Auch bei der Schulkinderbetreuung sei mit einem wachsendem Bedarf zu rechnen. Allerdings sei hier noch nicht klar, wie die gesetzlichen Vorgaben für diese Altersgruppe gestaltet würden.

          Wie die Stadt künftig in der Praxis vorgehen will, beschreibt Weiss-Thiel am Beispiel des Stadtteils Wolfgang. In enger Zusammenarbeit des Fachbereichs Stadtentwicklung und des Eigenbetriebs Kindertagesbetreuung seien der Platzbedarf und die Zeitschiene abgestimmt worden. Dieser kooperative Ansatz habe dazu geführt, dass im neu erschlossenen Pioneer-Quartier in Wolfgang der Spatenstich der geplanten Kindertagesstätte im Oktober 2020 erfolgt sei, schon bevor der Großteil der Wohnungen und Häuser gebaut sei. Ziel sei es, eine bedarfsgerechte Betreuungssituation zu schaffen, die mit dem Wachstum des Gebiets Schritt halten könne.

          Schwerer vorhersehbar sei dagegen die Bevölkerungsentwicklung in älteren Wohnquartieren, die durch einen häufig stattfindenden Generationenwechsel geprägt seien. Auch seien hier Flächen für neue Einrichtungen schwerer zu finden. Insgesamt sei jedenfalls nicht zu übersehen, dass an vielen Orten in Hanau weitere Betreuungseinrichtungen erforderlich seien, um den Familien und den Kindern der Stadt ausreichend Plätze anbieten zu können. Deshalb wolle die Stadt eine quantitativ und zeitlich ambitionierte Ausbauplanung in den nächsten Jahren konsequent fortführen.

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