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Bestechung beim Hanauer TÜV : Die Kaffeekasse verhilft zur Prüfplakette

Nach Ansicht der Richter kommt bei dieser Brandlegung auch versuchter Mord aus Heimtücke in Betracht. (Symbolbild) Bild: dpa

Vor dem Landgericht Hanau hat der Prozess um die Bestechung beim Hanauer TÜV begonnen. Geldscheine von Kunden sollen stets für eine volle Kaffeekasse gesorgt haben. Als bestechlich möchte sich der Angeklagte aber nicht bezeichnen.

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          Immer wieder die Kaffeekasse. Kein Wort wird im Prozess vor dem Hanauer Landgericht um Bestechung beim Hanauer TÜV so oft ausgesprochen. Die Kaffeekasse in der Niederlassung der Prüforganisation war immer gut gefüllt, zumindest wenn man Andreas W. glauben will. Und er muss es wissen, schließlich war der 1971 geborene Kraftfahrzeug-Meister dort jahrelang Prüfer. 300 bis 400 Euro waren in der Kaffeekasse, wie er in dem am Donnerstag begonnenen Prozess auf Nachfrage von Staatsanwalt Mathias Pleuser aussagt. Aus der Aussage wird auch klar, warum die Kaffeekasse stets so gut gefüllt war: TÜV-Kunden, die Autos zur Prüfung brachten, hätten immer mal wieder Geldscheine dagelassen, auf den Schreibtisch der Prüfer geworfen oder an das Brett für den Fahrzeugschein geklemmt.

          Jan Schiefenhövel
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das alles berichtet W. als Angeklagter. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm und seinem damaligen Chef in der Hanauer TÜV-Prüfstation, Silvio S., vor, sie hätten sich von 2011 bis 2013 bestechen lassen und Prüfplaketten trotz Mängeln erteilt. In einigen Fällen sei sogar für Fahrzeuge, die nicht in der Prüfstation vorgefahren wurden, eine Bescheinigung ausgestellt worden. Dafür seien für acht bis zwölf Autos an einem Prüftag 50 Euro geflossen. Der Chefprüfer schweigt am ersten Prozesstag zu den Vorwürfen.

          Belegte Brötchen und Kuchen aus der Kaffeekasse

          Ebenfalls angeklagt sind drei Männer, die die Staatsanwaltschaft für Geldgeber der Bestechung hält. Zwei von ihnen, Vater und Sohn, betreiben zusammen eine Autowerkstatt in Offenbach, der dritte, ein Rentner, führt gewerblich Fahrzeuge zur Prüfung vor. Weitere Geldgeber sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft schon mit Strafbefehlen wegen Bestechung belangt worden.

          W. gibt zu, er habe „Mist gebaut“. Doch als bestechlich möchte er sich dann doch nicht bezeichnen. Nie habe er einen bestimmten Geldbetrag dafür gefordert, ein Fahrzeug durch die Prüfung zu bringen. Geld habe er gar nicht annehmen wollen und die Scheine der Kunden in die Kaffeekasse gelegt. Oder er habe von dem Geld belegte Brötchen und Kuchen für die TÜV-Belegschaft geholt.

          Auch „ein Schein in der Hosentasche geblieben“

          Aus der Kaffeekasse sei ohnehin nicht nur Kaffee bezahlt worden. Einmal in der Woche sei Schnitzeltag gewesen, das Essen habe man sich aus der Kasse gegönnt. Daran, dass er je Geld mit nach Hause genommen habe, könne er sich nicht erinnern, sagt der Angeklagte. Auf Nachfragen gibt er doch zu, es sei doch mal „ein Schein in der Hosentasche geblieben“.

          Der Staatsanwalt und der Vorsitzende Richter Mirko Schulte fragen hartnäckig nach der Höhe der Beträge. Der ehemalige Prüfer antwortet ausweichend und weicht von dem ab, was er bei der Befragung durch Polizisten und einen Staatsanwalt ausgesagt hatte. Im Gerichtssaal versucht er, so scheint es auch sonst, die ganze Sache herunterzuspielen. Statt über seine eigene Verantwortung spricht er viel über den Druck, dem er beim TÜV ausgesetzt gewesen sei.

          Seit einem Wechsel an der Spitze des Unternehmens sei es nur noch um den Umsatz gegangen. Die Stückzahlen seien wichtig gewesen, nicht die Genauigkeit der Prüfung. Das habe ihn angewidert, weil er von seinem Naturell her eigentlich sehr gründlich sei, sagt W. Unter dem großen Stress habe das Privatleben gelitten, sagt der Angeklagte unter Tränen: „Scheidung, Frau weg, Kinder weg.“ So stellt sich der frühere Prüfer als einer dar, der eigentlich das Beste wollte, aber „von oben“ herab daran gehindert wurde.

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