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Touristen auf der Drosselgasse : Ei Gude, geht’s noch?

  • -Aktualisiert am

Nur 144 Meter lang, aber weltberühmt: die Drosselgasse Bild: Cornelia Sick

Wozu viele Worte verlieren, wenn ein einziges genügt? Für ausländische Besucher der Drosselgasse hält Rüdesheim eine besondere Sprachregelung bereit.

          Die Drosselgasse ist bekannt für rheinische Gemütlichkeit bei Riesling und Live-Musik. Wer die weltbekannte, aber nur 144 Meter lange Rüdesheimer Vergnügungsmeile entlangflaniert, der hört Sprachfetzen aus aller Herren Länder, denn knapp die Hälfte der jährlich gut eine Million Tagesbesucher sind aus dem Ausland. Dem daraus entstehenden Sprachwirrwarr will die gerade zu neuer Gemeinsamkeit findende Gemeinschaft der Geschäftsleute und Gastgeber in der Drosselgasse nun mit einer oberschlauen Idee abhelfen: „Just say: Gude! One word to survive the Drosslgass“, so die englische Botschaft an alle Besucher. Der Überlebenscode aus nur vier Buchstaben („Gude!“) für die Drosselgasse steht zwar ausgerechnet auf einem Bierfilz. Aber wenn der viereckige Glasuntersetzer schon nicht groß genug ist, um eine deutsche Steuererklärung unterzubringen, dann wenigstens für eine Zusammenfassung der deutschen Sprache.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Geht es nach den Wirten der Drosselgasse, dann wird dort weiterhin vornehmlich gesungen und getrunken. Dialoge aber könnten künftig irgendwie einsilbig ausfallen, hält sich der Gast an die laut Wikipedia „universelle Grußformel, die in mittelhessischer, südhessischer, rheinhessischer, Westerwälder und Hunsrücker Mundart genauso Verwendung findet wie im Moselfränkischen“. Ei Gude, wie? Da müssten ohnehin jedem Hessen die Ohren klingeln, den so hieß einer der Ohrwürmer der Rodgau Monotones, die sich um den Dialekt höchst verdient gemacht haben.

          Ein Gruß für alle Fälle

          Hören wir also einmal hinein in einen typischen Kurzdialog auf Neu-Rüdesheimerisch in einer gutbesuchten Weinschänke der Drosselgasse, der sich an die Vorgaben auf dem Bierfilz hält: „Gude“ (Hallo).

          „Gude?“ (Wie geht es?) „Gude!“ (Danke, großartig!) „Een Gude, bidde“ (Ein Glas Wein bitte) „’N Gude!“ (Prost!) „Guuuude! zahle!“ (Die Rechnung bitte!) „Gude“ (Tschüs).

          So weit, so gut. Wie schnell den ausländischen Gästen die jeweils entscheidende Betonung von „Gude“ zu vermitteln ist, darüber gibt es noch keine Erfahrungen. Vielleicht müssen auch Übungskurse angeboten werden, zumal der Google Translator auf dem Smartphone mit „Gude“ (noch?) überfordert ist. Vorsichtshalber liefern die Initiatoren auf dem Bierfilz die wichtigste Übersetzung der drängendsten Frage gleich noch mit: Are you crazy? (Seid ihr jetzt komplett verrückt geworden?): Gude, geht’s noch?

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