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Berichterstattung : Odenwaldkreis fühlt sich übergangen

  • -Aktualisiert am

Diskussion im ländlichen Raum: Hans Reiner Böhm, Peter John, Johann-Dietrich Wörner, Jörg Riebartsch und Peter Lückemeier (von links) Bild: Michael Kretzer

„Verantwortung der Medien für den ländlichen Raum“, so lautete der Untertitel einer Podiumsdiskussion der Odenwald-Akademie. Doch verantwortlich für den ländlichen Raum sehen sich die Zeitungen nicht wirklich.

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          Eher ernüchternd für die zahlreichen Zuhörer ist in Erbach eine Podiumsdiskussion der Odenwald-Akademie verlaufen, von der sich die Veranstalter offenbar versprochen hatten, dass die Medien geloben, den Odenwaldkreis besser wahrzunehmen. Schon den Untertitel „Verantwortung der Medien für den ländlichen Raum“ wollten die Pressevertreter im Podium nicht gelten lassen. Es gebe eine solche Verantwortung nicht, stellte Peter Lückemeier, einer der beiden Ressortleiter der F.A.Z.-Rhein-Main-Zeitung, fest. Vielmehr überlege er sich, wie sich eine gute und interessante Zeitung machen lasse. Damit bestätigte Lückemeier das Eingangsreferat von Hans Reiner Böhm von der Technischen Universität Darmstadt.

          Landrat fordert mehr Berichterstattung

          Böhm hatte für Hessen keine rechtliche Vorgabe an die Presse dafür gefunden, dass sie Verantwortung für den ländlichen Raum trage. Energieversorger hingegen seien ausdrücklich verpflichtet, ihrer Aufgabe nachzukommen. Zwar gehöre der Odenwaldkreis zur Metropolregion Rhein-Main, liege aber an der Peripherie „im Schlagschatten“. Die Planungsregion definiere den nur als Erholungsgebiet.

          Vor allem Landrat Horst Schnur und die Landratskandidatin Erika Ober (beide SPD) forderten, dass die Zeitungen mehr über den Odenwaldkreis berichten müssten. Die Region fühle sich abgeschnitten, unterbewertet und sei gekränkt. Das wiederum ließ Lückemeier unbeeindruckt: Der Odenwaldkreis zähle nicht zum Kern des Rhein-Main-Gebietes. Die Räumung des Hüttendorfes am Flughafen und die Sperrung der Hauptwache für den Verkehr seien in der Region weitaus interessanter als Alltagsartikel aus dem Odenwald. Zudem werde der Odenwaldkreis durchaus wahrgenommen, beim Verkauf des Schlosses in Erbach oder der gescheiterten Fusion von Michelstadt und Erbach. Dies stieß auf wenig Gegenliebe im Publikum, gehe es doch hier um eher negative Meldungen.

          Für den Hessischen Rundfunk stellt sich die Aufgabe anders dar, wie Peter John, der Leiter des Darmstädter Studios, sagte. Der Odenwaldkreis werde täglich im Radio berücksichtigt. Es gebe aber einen strukturellen Unterschied zwischen der Aufgabe des gebührenfinanzierten Rundfunks und den Zeitungen. Auch Jörg Riebartsch, Chefredakteur des „Darmstädter Echos“, schränkte ein, dass der Odenwaldkreis nicht schlecht in seiner Zeitung abschneide, verwies aber darauf, dass alleine in Darmstadt 40.000 Menschen mehr lebten als im gesamten Odenwaldkreis und dass im gesamten Ballungsraum Rhein-Main bei insgesamt einer Million Einwohner der Odenwaldkreis schon zahlenmäßig schlecht wegkomme. Eine Zeitung müsse sich fragen, wo sie ihre Leser habe. Es gehe hier nicht zuletzt um das Verhältnis von Aufwand und Ertrag. Mehr Seiten über den Odenwald bedeuteten nicht auch mehr Leser. Zudem spiele es keine Rolle, ob das „Darmstädter Echo“ im Odenwald fast eine Monopolstellung habe oder nicht wie im Rüsselsheimer Gebiet.

          Odenwald braucht „markanteres Profil“

          Die anderen Podiumsteilnehmer griffen die Frage des Moderators Johann-Dietrich Wörner nach dem Image des Kreises gerne auf. Der frühere TU-Präsident und Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt fragte nach der Bringschuld des Kreises. Riebartsch mahnte an, dass der Odenwald seine Stärken selbst nach draußen tragen müsse. John beklagte, dass die Region sich allzu gerne auf ein vorgestanztes Image mit Folklore reduziere. Lückemeier empfahl, dass ein eher abgelegenes Gebiet sich ein markanteres Profil geben und auf sich aufmerksam machen müsse.

          Auch im Odenwald müsse man „an die eigene Brust klopfen“, gab Schnur zu und versprach gleichzeitig, er werde nicht nachlassen, für die Wahrnehmung seines Kreises zu kämpfen. Die Medienvertreter versprachen nichts.

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