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Hadern mit der Impfreihenfolge : „Behinderte haben keine Priorität“

„Die Behinderten können nicht für sich selbst sprechen“: Johan van't Hoofd (rechts), Vorsitzender des Wohnhilfswerks, Dr. Norbert Dickopf, Gründer der Wohnanlage in Oberursel. Bild: Wolfgang Eilmes

Ein Haus voller pflegebedürftiger Menschen ist noch lange kein Pflegeheim. Das wirkt sich auf die Impfreihenfolge aus.

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          Sybille Plass hat den Eindruck, da habe jemand etwas übersehen. Ihren Sohn zum Beispiel, inzwischen fast 40 Jahre alt. Wegen eines seltenen, angeborenen Chromosomenfehlers kann er nicht sprechen, ist geistig behindert und ständig auf Hilfe angewiesen. Außerdem braucht er wegen einer Epilepsie starke Medikamente, die schwer einzustellen sind. „Er darf auf keinen Fall Covid-19 bekommen“, sagt seine Mutter. Sie fürchtet, dass er die Erkrankung nicht überleben würde. „Ich verstehe nicht, warum er bei der Impfung nicht zur höchsten Priorisierungsgruppe gehört.“

          Bernhard Biener
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Ihr Sohn wohnt im Alfred-Delp-Haus in Oberursel, das inzwischen zu einem Verbund von stationären Wohnangeboten für Menschen mit Behinderungen geworden ist. Sie kennt die Bewohner, von denen viele nicht allein essen oder sich anziehen können und auch sonst versorgt werden müssen. Das Alfred-Delp-Haus mit etwa 60 Plätzen ist für Erwachsene gegründet worden. „Bei Behinderten denken manche vielleicht eher an Kinder“, vermutet Plass. „Aber eine Frau in der Wohngruppe unseres Sohnes ist 82 Jahre alt.“

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