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Beerdigungen im Wald : Wartelisten für Grabstätten unter Bäumen

Im Friedwald erinnert eine Plakette an einen Verstorbenen
          3 Min.

          „Unter allen Wipfeln ist Ruh’ / in allen Zweigen hörest Du keinen Laut / die Vöglein schlafen im Walde / warte nur, warte nur / balde, balde schläfst auch du“, so dichtete Johann Daniel Falk vor fast zwei Jahrhunderten – und lieferte gleichsam den Text für einen Trend dieser Tage: Immer mehr Menschen möchten einmal unter einem Baum begraben werden statt auf einem Friedhof. Sie wollen keinen Grabstein mit Blumen davor. Ihnen genügt eine mit Namenszug gekennzeichnete Ruhestätte: ein Platz, wie ihn die Friedwald GmbH aus Griesheim anbietet. Vor acht Jahren eröffnete der deutsche Pionierbetrieb auf diesem Gebiet seinen ersten Friedwald in Nordhessen und vor fünf Wochen in Herborn seinen bisher jüngsten. Von Rügen bis Heiligenberg unweit des Bodensees betreibt das Unternehmen von Geschäftsführerin Petra Bach mittlerweile 29 Friedwälder. Sieben davon liegen in Hessen, wiederum drei im Rhein-Main-Gebiet: in Gelnhausen, Michelstadt und Weilrod, wobei in der Odenwälder Kommune der erste Friedwald Süddeutschlands ist.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Etwa 14.700 Verstorbene sind bisher in den Friedwäldern beigesetzt worden, wie Bach berichtet; im Frühjahr waren es noch 13.500. „Das sind ein Prozent der Urnenbeisetzungen“, rechnet sie vor und relativiert gleichzeitig die immer wieder einmal aufflammende Kritik von Friedhofsgärtnern und Steinmetzen, die ihr Geschäft bedroht sehen. Den Bezug zur Urnenbestattung wählt sie nicht von Ungefähr: In einem Friedwald werden nur Urnen in die Erde gelegt. Aber keine Gefäße aus Metall oder Keramik, sondern nur biologisch abbaubare. Friedwald verwendet Urnen aus Pressholz. „Die sind für uns entwickelt worden“, sagt Bach. Dass diese Gefäße „von der Konkurrenz dankend übernommen werden“, nimmt sie hin. „So ist das, wenn man der erste am Markt ist.“

          Kooperation mit evangelischer Kirche

          Konkurrenz stellt vor allem die Ruheforst GmbH dar. Diese Gesellschaft sitzt zwar in Hilchenbach bei Siegen, betreibt ihr Geschäft aber von Erbach aus. Die Konzepte beider Anbieter sich unterscheiden voneinander, weisen aber auch Gemeinsamkeiten auf: Ein als Grabstätten-Areal ausgewiesene Waldstück gehört jeweils entweder einer Gemeinde oder einem privaten Waldbesitzer. Die Erbacher stellen außer ihrem Konzept auch das regionale Marketing, um die Einrichtung bekannt zu machen, und unterstützen die Landeigentümer dabei, einen Ruheforst zu beantragen und einzurichten.

          Biologisch abbaubar: Urne für Bestattung im Friedwald
          Biologisch abbaubar: Urne für Bestattung im Friedwald : Bild: Wolfgang Eilmes

          Friedwald geht nach den Worten von Bach weiter, indem die Firma die Terminplanung für Beisetzungen übernimmt, die Gräber-Areale verwaltet und nicht zuletzt Gebühren einnimmt. Zudem schule Friedwald Förster für Führungen mit Menschen, die mit einem Grab im Wald liebäugelten. Träger des Friedwalds muss von Rechts wegen eine Kommune oder eine Kirchengemeinde sein, wobei die Griesheimer Firma gemeinsam mit der evangelisch-lutherischen Kirche Bayerns in Franken ein Gräber-Areal betreibt; die Bistümer Limburg und Trier haben pastorale Richtlinien zur Mitwirkung an Wald-Bestattungen herausgegeben.

          Im Schnitt 150 Leute auf der Warteliste

          Interessenten für eine der regelmäßig angebotenen Führungen melden sich laut Bach fortlaufend. „Dabei wird der Wald im Allgemeinen und der Friedwald im Besonderen erklärt. Anschließend beraten sich die Leute mit ihren Angehörigen.“ Ein Drittel der Interessenten entscheide sich zu Lebzeiten, einen Baum als letzte Ruhestätte zu erwerben, und melde sich deshalb nochmals beim Unternehmen. Für die ins Auge gefassten Standorte führt die Firma jeweils Wartelisten mit durchschnittlich 150 Interessenten, wie die Chefin von 44 Beschäftigten sagt.

          Wer einen Baum bei Friedwald kauft, schließt einen Vertrag für exakt 99 Jahre – Ruheforst sieht auch kürzere Laufzeiten vor und bietet zwei Arten von Grabstätten an: ein sogenanntes Gemeinschaftsbiotop und ein Familienbiotop, in denen jeweils Platz für zwölf Gräber ist. Auch Friedwald bietet Familien- und Gemeinschaftsbäume, sieht aber jeweils zehn Urnenplätze vor. Gleiches gilt für den Freundschaftsbaum. Die Unterscheidung hat Sinn: Freunde, die viel Zeit ihres Lebens teilen und auch nach dem Tod einander nahe sein wollen, können Plätze an ein und demselben Baum kaufen, Familienangehörige ohnehin. Für die anderen gibt es Gemeinschaftsbäume. Relativ neu im Angebot von Friedwald sind Partnerbäume.

          Ein Freundschaftsbaum ab 3350 Euro

          So unterschiedlich wie die Angebote sind auch die Preise: Ein Platz an einem Gemeinschaftsbaum kostet 770 Euro, ein Familien- oder Freundschaftsbaum beginnt bei 3350 Euro, und Partnerbäume schlagen mit 2700 Euro zu Buche. Zudem finden sich in Friedwäldern sogenannte Sternschnuppenbäume, an denen Kinder im Alter bis zu drei Jahren beigesetzt werden können – und zwar unentgeltlich, wie Bach hervorhebt. Die Einnahmen gehen, wie sie sagt, zu jeweils einem Drittel an Friedwald, den Waldbesitzer und den Träger des Friedwalds. Bach kann damit gut leben. Wie sie freimütig sagt, erlöst die Firma einen zweistelligen Millionenbetrag im Jahr und ist profitabel.

          Irgendwann wird auch Petra Bach zum Umsatz ihres Unternehmen beitragen. Denn selbstredend möchte sie einmal unter Wipfeln Ruh’ finden – im Friedwald in Michelstadt, nicht weit weg von ihrer Heimat Darmstadt.

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