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Bayerische Landesgartenschau : Zuversicht zwischen Spessart und Odenwald

  • -Aktualisiert am

Mainknie: Miltenberg und die Nachbarorte sehen gute Voraussetzungen für eine Landesgartenschau Foto Architekturbüro Boehringer Bild: Architekturbüro Boehringer

Noch ist offen, wer die bayerische Landesgartenschau ausrichten darf. Auch zehn Kommunen aus dem Kreis Miltenberg bewerben sich um die Großveranstaltung.

          „Wer zwischen dem Dreieck Frankfurt–Würzburg–Heidelberg einmal langsam im Auto reist oder zu Fuß wandert, der hat an Wein, Städtchen und Wäldern ein Erlebnis, das ihn ins Mark Deutschlands führt: in jenes Deutschland, das der Deutsche nicht so gut kennt, wie es das verdient.“ So sah es Kurt Tucholsky 1927.

          Ungefähr ein halbes Jahrhundert später entdeckte immerhin der Bundeskanzler den besonderen Charme der Gegend. In jedem Advent besuchte Helmut Kohl die weihnachtlich geschmückte Altstadt Miltenbergs, um anschließend in das Fürstenhaus zu Leiningen in Amorbach einzukehren.

          Jetzt putzen die Kommunalpolitiker des Kreises Miltenberg ihre Heimat wieder für einen ungewöhnlichen Besuch heraus. Im März wird die Jury erwartet, die darüber entscheidet, wer die bayerische Landesgartenschau im Jahr 2016 ausrichten darf.

          „Wir werden eine gute Rolle spielen“

          Die Münchner Delegation reist allerdings nur an den Untermain, wenn die Unterlagen, die der Kreis Miltenberg am 16. Januar per Kurier in die Landeshauptstadt hat bringen lassen, in die engere Wahl genommen werden. „Wir werden eine gute Rolle spielen“, sagte Landrat Roland Schwing (CSU) am Donnerstag in einem Pressegespräch. Sein Haus hat zwar die Federführung des Projekts, doch es kommen noch zehn selbstbewusste Kommunen hinzu.

          Von einer „progressiven Bewerbung“ sprach deshalb der Landschaftsarchitekt Raimund Böhringer. Für die Summe von 80.000 Euro hat sein Büro das Konzept der Gartenschau entwickelt. Sie soll der „Wiederentdeckung der europäischen Flusslandschaft Main“ dienen und zeigen, wie die Anrainer-Kommunen Klimaschutz, Mobilität und Flächenmanagement miteinander verknüpfen.

          An den Hängen des Maintals bieten sich ihnen terrassierte Rotwein-Steillagen, prägnanter Buntsandstein sowie zahlreiche Schlösser und Burgen. Die einzelnen Elemente zu einem wirkungsvollen Gesamteindruck zu verdichten, ist die erste, grundlegende Aufgabe. Ein ganz neuer gestalterischer Ansatz ist hingegen der „Panorama-Park, der am Miltenberger Mainufer gegenüber der Altstadt als Mittelpunkt der Schau vorgesehen ist.

          Dort befindet er sich gleichsam in der Beuge des „Mainknies“. Dazu gehören Großheubach mit den „Seegärten“, der Fürstliche Schlosspark Löwenstein in Kleinheubach und das „Landschaftsfenster“ in Bürgstadt. Die beiden Ufer dieses rund sechs Kilometer langen Flussabschnitts bilden ein zusammenhängendes Ausstellungsgelände. Es wird durch punktuelle Beiträge der in der Nähe gelegenen Gemeinden Elsenfeld, Erlenbach, Klingenberg, Obernburg, Stadtprozelten und Wörth ergänzt.

          Schwing unterstrich, dass die Eigentümer der für die Schau benötigten privaten Flächen mit deren Einbindung einverstanden seien. Die Bewerbung lohne sich auch, wenn sie nicht zum angestrebten Erfolg führe. Denn schon die konzeptionellen Arbeiten hätten richtungweisende planerische Impulse freigesetzt, die in jedem Fall wirksam würden.

          Böhringer schätzte das nötige Investitionsvolumen auf rund 12,5 Millionen Euro. 3,6 Millionen davon übernehme gegebenenfalls die Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschauen. Die Kommunalpolitiker hoffen, dass sie etwa die Hälfte der verbleibenden neun Millionen Euro mit Zuschüssen aus herkömmlichen Programmen von Bund, Freistaat und Europäischer Union bestreiten können. Dass die Stadt Aschaffenburg von ihren Bewerbungsplänen inwzischen abgerückt sei, liege auch daran, dass sie die Optionen auf so große Zuschüsse nicht besessen habe, hieß es in Miltenberg.

          „Ich fürchte, wir gewinnen das“

          Neben dem Investitionsplan muss ein Durchführungshaushalt aufgestellt werden. Dessen Volumen schätzte Böhringer auf etwa acht Millionen Euro. Rund drei Viertel davon will man mit Werbung und Eintrittsgeldern einspielen.

          Die Miltenberger sind sich darüber im Klaren, dass die Stadt Alzenau im benachbarten Kreis Aschaffenburg sich um die Ausrichtung der kleinen Variante einer Landesgartenschau im Jahr 2015 beworben hat. Sie will auf dem Areal einer Papierfabrik, die das Stadtzentrum verlässt, zeigen, wie sich „Natur in der Stadt“ entwickeln kann. In Miltenberg war von einer „gesunden Konkurrenz“ die Rede. Der Würzburger Bewerbung für 2016 wurden nur geringe Chancen eingeräumt.

          Die kleinen und die großen Landesgartenschauen finden im jährlichen Wechsel statt. Über die Vergabe entscheidet die gleiche Jury. Ihr gehören Vertreter der Gartenschaugesellschaft, der Ministerien für Umwelt und Landwirtschaft sowie der einschlägigen Berufsverbände an. Die Beschlüsse werden für Ende März erwartet; und zwar mit großer Zuversicht. Der Großheubacher Bürgermeister Günther Oettinger (CSU) legte jedenfalls eine Mischung aus Ironie und Selbstbewusstsein an den Tag: „Ich fürchte, wir gewinnen das.“

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