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Bauwagensiedlung in Darmstadt : Figurentheater und Musenknutsch

  • -Aktualisiert am

Trotz „Super-Engagement“ auf Spenden angewiesen

Kanzler erläutert, wie ein Bauwagenplatz überhaupt zu einem eigenen Theaterfestival kommt: Immer wieder seien Puppenspieler bei „Diogenes“ und anderen Plätzen zu Gast gewesen, um hier in Ruhe zu proben. Irgendwann habe sie begonnen, selbst Puppenspieler-Kurse zu besuchen. Vor drei Jahren beschloss sie dann, ein eigenes kleines Festival für Puppenspieler auszurichten. Ihre Freunde und Mitbewohner waren begeistert und tragen seitdem die „Figurentheatertage Darmstadt“ mit viel Enthusiasmus mit. Am letzten Augustwochenende wurde zum dritten Mal in der Bessunger Bauwagensiedlung „Diogenes“ Figurentheater auf höchstem Niveau gezeigt. Als Spielstätten dienten eine kleine Holzbühne mit Sonnensegel, ein umgebauter Trekkerschuppen und eine futuristisch anmutende Blechkugel. „Puppentheater und Bauwagen passen wunderbar zusammen. Früher haben ja vor allem die Wandertheater diese Kunstform gezeigt“, schwärmt Etta Streicher. Die junge Künstlerin war von Anfang an dabei – und auch diesmal wieder eigens mit ihrer kleinen Familie aus Berlin angereist, um hier aufzutreten.

Das Festival sage ihr zu, „weil hier unglaublich gute Leute auftreten“. Manche von ihnen seien international bekannt, wie beispielsweise die Darmstädterin Ilka Schönbein, und zögen gleich weitere Prominenz mit sich. Außerdem hätten viele Künstler das Puppenspiel wirklich professionell an den einschlägigen Kunsthochschulen in Stuttgart, Berlin, Prag oder Paris gelernt. Streicher verwies darauf, dass alle teilnehmenden Künstler hier eine kleine Gage bekämen – dank der Kulturförderung durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, die Stadt Darmstadt und andere Einrichtungen. Das sei woanders häufig nicht so. Trotz dieser Gelder und trotz des „Super-Engagements“ der ehrenamtlichen Organisatoren sei man auf Spenden angewiesen, denn die Eintrittsgelder sind niedrig gehalten (ab 140 Zentimeter Körpergröße zahlt man sechs Euro für den ganzen Tag), und man wisse ja nie, wie viele Zuschauer kämen.

Streicher spielte dann im Eröffnungsstück den „Hintern vom Elefanten“. Und schon dieses erste Stück hat es in sich. Denn gerade als das Publikum (etwa 80 Kinder und Erwachsene waren gekommen) gemütlich auf einer Wiese zwischen ein paar Bauwagen Platz genommen hatte, trampelte plötzlich ein kleiner Elefant mitten in die Menge.

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Sein Dompteur, der mit seinem alten Hut, Frack und Akkordeon eher an einen Landstreicher erinnerte, konnte ihn nicht mehr bändigen, sondern nur noch hilflos zuschauen. Und so blieb dem einen oder anderen Zuschauer nichts anderes übrig, als schnell zur Seite zu springen (oder in die Arme der Eltern). Zwar ging es bei dem musikalisch-poetischen Stück „Baby-Elephant“ des Theaters „Pas Par Tout“ eigentlich um zwei Überbleibsel eines erfolgsgekrönten Zirkus: einen kleinen, widerspenstigen Dickhäuter und seinen kauzigen alten Freund, den Dompteur.

Doch spätestens als der Elefant alles das tat, was Elefanten eben so tun – er kackte, pinkelte, trötete, schwankte schwergewichtig durch die Gegend, stieß manchmal etwas um und spritzte schließlich sogar noch die Zuschauer mit seinem Rüssel nass –, vergaß man das Spiel. Und begann sich zu fragen, ob da wirklich bloß zwei Menschen im Elefantenkostüm steckten.

Nach diesem furiosen Auftakt gab es drei Tage lang ein wirklich einmaliges Programm für Kinder, Familien und Erwachsene. Geboten wurden Märchen wie „Rumpelstilzchen“, „Aschenbrödel“, „Die wilden Schwäne“ und „Die Bremer Stadtmusikanten“. Allerdings in eigenen Versionen und neu inszeniert. Aber auch Schattenspiele, politisch-poetisches Kabarett, Pantomime und Stelzenlauf. Ob es auch im nächsten Jahr wieder ein solches Spektakel geben wird, ist noch offen. Denn der Aufwand, so etwas zu organisieren, ist beträchtlich.

Jetzt findet das Festival „Musenknutsch“ vom 1. bis 3. September auf dem Wagenplatz „Klabauta“ am Weidenweg 1 in Darmstadt-Kranichstein statt. Auch hier geht es wieder um Kultur für Groß und Klein sowie das alternative Leben an einem außergewöhnlichen Ort. Diesmal allerdings mit dem Schwerpunkt Musik und Tanz, darunter auch kurdische Musik und Tänze, Konzerte der Bands Ska Allüren und Ursuppe sowie ein Samba-Workshop.

Internet: www.musenknutsch-festival.de; www.figurentheatertage-darmstadt.de

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