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Neue Therme für Bad Vilbel : Sport und Freizeitspaß unter einem Dach

Gläsern: So soll die rund 15 Hektar große Thermenlandschaft in Bad Vilbel aussehen. Bild: Thermengruppe Josef Wund

Der Bauantrag für die neue Therme in Bad Vilbel liegt vor. 2023 könnte das 200-Millionen-Projekt fertig sein. Wenn nichts dazwischen kommt, starten in der zweiten Jahreshälfte die Bauarbeiten. Erste Pläne gab es vor zehn Jahren.

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          Mehr als hundert Aktenordner hat es gebraucht, um alles abzuheften und für die Einsichtnahme aufzubereiten. Die umfängliche Dokumentation ist in diesem Fall aber nicht verwunderlich, handelt es sich doch um die Unterlagen für eines der größten Projekte seit längerem nicht nur in der Wetterau. Auf gut 15 Hektar will die baden-württembergische Thermengruppe Josef Wund in Bad Vilbel für rund 200 Millionen Euro eine Bäderlandschaft errichten, die unter einem Dach Wellness, Sport und Wasservergnügen vereint: mit Sportbad, Familienbad, Rutschen-Turm, Thermalbecken, Saunalandschaft und Räumen für Gesundheitsanwendungen.

          Wolfram Ahlers

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Nach umfangreichen und zum Teil langwierigen Planungen hat die Thermengruppe Wund jetzt den Bauantrag für die Bad Vilbeler Thermenwelt eingereicht. Kommt nichts mehr dazwischen, könnte es in der zweiten Jahreshälfte losgehen, wobei eine Bauzeit von etwa zwei Jahren kalkuliert ist.

          Erste Pläne wurden schon vor rund einem Jahrzehnt entworfen, und eigentlich sollte der Start schon vor ein paar Jahren sein. Der Termin für den Baubeginn ließ sich aber mehrmals nicht einhalten, unter anderem weil die beim Kreisbauamt eingereichten Unterlagen nachzubessern waren, etwa weil sich beim Brandschutzkonzept Unstimmigkeiten ergeben hatten. Als es dann so weit zu sein schien, kam das Projekt in Zusammenhang mit dem Tod von Josef Wund, der bei einem Flugzeugabsturz sein Leben verlor, ins Stocken. Die Wund-Gruppe versicherte zwar, an dem Bad Vilbeler Großprojekt festhalten zu wollen, es dauerte aber mehr als anderthalb Jahre, bis die Erbschaftsangelegenheiten geregelt waren, infolge einer Justizreform in Baden-Württemberg, welche die Gerichte dort vor Probleme stellte, wie es hieß. So lag der Erbschein erst viel später vor als erhofft.

          Ersatz für Schwimmhalle am Kurhaus

          Auch die Stadt war zuletzt noch einmal mit der Therme beschäftigt, die Gremien änderten den Bebauungsplan. Daraus ergab sich, dass die Kommune noch weiteres Bauland anbieten konnte. Somit ist es möglich, den Gebäudekomplex ebenerdig statt zweigeschossig zu errichten, was auch dem Stadtbild zugutekommen soll.

          Weil der Investor auf das ursprünglich geplante 150-Betten-Hotel verzichtet – in Bad Vilbel entstehen inzwischen anderenorts neue Hotels –, lassen sich die Bauten mehr in die Breite verlagern. Verbunden mit der Neuaufteilung der Flächen ist die Verlegung des in das Gesamtensemble integrierten kommunalen Hallenbads in Richtung Schulzentrum, was kürzere Wege zum Schulzentrum ermöglicht.

          Dieses Bad mit acht Bahnen, errichtet von der Wund-Gruppe im Auftrag der Stadt, ist als Ersatz konzipiert für die inzwischen abgebrochene Schwimmhalle am Kurhaus. Wobei vereinbart wurde, dass die Wund-Gruppe das Kommunalbad zu moderaten Eintrittspreisen führt und Verluste übernimmt. Auch kam man auf Wunsch der Stadt überein, dass das Kommunalbad als Erstes gebaut wird, damit die Bad Vilbeler nicht mehr länger auf andere Bäder ausweichen müssen.

          Versorgung mit Strom und Wärme

          Wie aus dem Entwurf hervorgeht, entsteht in Bad Vilbel ein Gebäudekomplex mit Trakten in unterschiedlicher Höhe und ohne Kanten, dafür mit einer Reihe von Kurven, die eine Art Flusslandschaft imitieren. Die Anlage tut sich architektonisch besonders hervor durch gläserne Fassaden und Dächer, die sich bei warmer Witterung öffnen lassen und Freibad-Atmosphäre vermitteln. Wobei die mobilen Dächer und Fassaden es heruntergefahren ermöglichen, auf den Betrieb der Lüftungsanlage zu verzichten. Was also auch dazu beiträgt, Energie zu sparen.

          Weitgehend autark sein soll die Anlage hinsichtlich der Versorgung mit Strom und Wärme. Blockheizkraftwerk und Solaranlagen, die als umweltfreundlich gelten, dienen als Energielieferanten. Desinfizierungsanlagen, die statt mit Chlor mit Ozon betrieben werden, sollen ebenfalls für umweltfreundliches Bauen und Betreiben stehen. Als Beitrag zum Klimaschutz wird ein großer Teil der versiegelten Fläche, insbesondere die Dächer der Parkhäuser, mit Gras und Büschen begrünt.

          Angebunden wird der Komplex über die B3 und die Homburger Straße, wobei eine direkte Anbindung des Areals an die Bundesstraße geplant ist. Stadt und Betreiber rechnen damit, dass viele der kalkuliert rund 1,3 Millionen Besucher im Jahr auf der Schiene anreisen. Tatsächlich ist es vom Bahnhof mit S-Bahn-Station kein langer Weg, und mit dem Ausbau der Bahnstrecke zwischen dem Frankfurter Westbahnhof und Bad Vilbel dürfte es künftig noch mehr Zugverbindungen in die Kurstadt geben. Vorgesehen ist zudem, die Therme in das städtische Busnetz zu integrieren.

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