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Neue Therme in Bad Vilbel : Gläserne Dächer und Fassaden

Viel Glas, viel Wasser: Die neue Therme besticht durch viele Kurven und wenige Kanten – ganz im Stil des Investors Wund. Bild: Thermengruppe Josef Wund

Bad Vilbel bekommt bald eine neue Therme. Jetzt liegt der Entwurf für das neue Bad vor – und 2020 soll dann endlich mit dem Bau des Glaspalasts in der Kurstadt begonnen werden.

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          Gläserne Fassaden, Dächer, die sich in der warmen Jahreszeit öffnen lassen und Freibad-Atmosphäre vermitteln, Pflanzeninseln am Rand der Becken, die zum Entspannen einladen und das Mikroklima positiv beeinflussen sollen, ein Wellnesstrakt mit Thermalwasserbecken und Wasserrutschen: All das erwartet die Gäste der Bäderlandschaft in der künftigen Bad Vilbeler Therme, deren Entwurf jetzt von der baden-württembergischen Thermengruppe Josef Wund vorgestellt wurde.

          Wolfram Ahlers

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Anfang des nächsten Jahres wird der Bauantrag eingereicht, kündigte Geschäftsführer Edelfried Balle an. Er rechnet damit, im Spätsommer loslegen zu können. Die Eröffnung ist für das zweite Halbjahr 2022 geplant. Investitionen von rund 200 Millionen Euro sind für das Großprojekt eingeplant, das auf einem gut 15 Hektar großen Areal am westlichen Stadtrand zwischen Schulzentrum, Berufsförderungswerk und Bundesstraße 3 entsteht.

          Verzögerung nach Flugzeugabsturz

          Erste Planungen für dieses Vorhaben reichen fast ein Jahrzehnt zurück. Der Termin für den Baubeginn verschob sich aber mehrmals nach hinten, unter anderem, weil die beim Kreisbauamt eingereichten Unterlagen etwa wegen Unstimmigkeiten im Brandschutzkonzept nachgebessert werden mussten. Schließlich geriet das Projekt ins Stocken durch den Tod von Bäderkönig Josef Wund, der bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam.

          Zwar bekannte sich die Wund-Gruppe dazu, an dem Bad Vilbeler Vorhaben festhalten zu wollen. Es dauerte aber mehr als anderthalb Jahre bis die Erbschaftsangelegenheit geregelt war, in Folge einer Justizreform in Baden Württemberg, die die Gerichte dort offenkundig vor Schwierigkeiten stellte. So lag der auf die Wund-Stiftung ausgestellte Erbschein erst vor wenigen Monaten vor. Weil diese wegen Gemeinnützigkeit nicht als Investor und Betreiber für ein solchen Vorhaben auftreten kann, übernimmt das eine eigens dafür gegründete Projektgesellschaft.

          Zuletzt hatten sich auch die städtischen Gremien noch einmal mit der Therme befasst und den Bebauungsplan geändert. Die Kommune kann nun weiteren Grund und Boden als Bauland zur Verfügung stellen. Das ermöglicht, den Gebäudekomplex jetzt ebenerdig statt zweigeschossig zu errichten, womit er sich auch besser ins Stadtbild einpasst. Die Bauten in die Breite zu verlagern ist auch deshalb möglich, weil der Investor auf das ursprünglich geplante 150-Betten-Hotel verzichtet. Dem Vernehmen nach, weil inzwischen andernorts in Bad Vilbel neue Hotels entstehen, unter anderem ein großes Haus am Rand des Kurparks.

          Auch ein separater Bau für die Heizzentrale entfällt, diese wird nun in die Parkhäuser integriert. Verbunden mit der Neuaufteilung der Flächen ist die Verlegung des in das Gesamtensemble integrierten kommunalen Hallenbades in Richtung Schulzentrum, was kürzere Wege zum und vom Schwimmunterricht ermöglichen soll. Das Kommunalbad, das als Ersatz für die in die Jahre gekommene und inzwischen abgebrochene Schwimmhalle am Kurhaus konzipiert ist, errichtet die Wund-Gruppe im Auftrag der Stadt. Gleiches gilt für die beiden Parkhäuser samt Zufahrt. Beides zusammen soll rund 25 Millionen Euro kosten. Vereinbart wurde außerdem, dass die Wund-Gruppe das Kommunalbad zu moderaten Eintrittspreisen führt und Verluste trägt.

          Viele Kurven, keine Kanten

          Nach dem Vorbild anderer Thermen, welche die Wund-Gruppe in Deutschland betreibt, entsteht in Bad Vilbel ein Gebäudekomplex ohne Kanten, dafür mit einer Reihe von Kurven, was an eine Flusslandschaft erinnern soll. Die einzelnen Trakte sind zwischen neun und 38 Meter – das betrifft den Wasserrutschen-Turm – hoch. Neben mobilen Dächern sind auch bewegliche Fassaden vorgesehen. Wenn diese heruntergefahren sind, kann auf den Betrieb der Lüftungsanlage verzichtet werden, was Energie spart.

          Was die Versorgung mit Strom und Wärme angeht, soll die Anlage nach Angaben des Betreibers weitgehend autark sein. Als Energielieferanten dienen Blockheizkraftwerk und Solaranlagen, die als umweltfreundlich gelten. Das trifft auch für die Desinfizierungsanlagen zu, die statt mit Chlor mit Ozon betrieben werden sollen. Als Beitrag zum Klimaschutz wird ein großer Teil der versiegelten Fläche, vor allem die Dächer der Parkhäuser, mit Gras und Büschen begrünt.

          Die Verkehrsanbindung geschieht über die Bundesstraße 3 und die Homburger Straße. Weil Letztere eine der Hauptverkehrsadern der Stadt ist, wurden Bedenken geäußert, dass sie überlastet werden könnte. Immerhin kalkuliert der Betreiber mit rund 1,3 Millionen Gästen im Jahr. Stadtrat Klaus Minkel (CDU), federführend für die Stadt bei diesem Projekt, verweist indes darauf, dass der Verkehr zum Bad antizyklisch zum Berufsverkehr verlaufe. Zudem sei eine direkte Anbindung des Areals an die Bundesstraße geplant. Stadt und Betreiber rechnen außerdem damit, dass viele Besucher mit der Bahn anreisen. Geplant ist auch, die Therme in das städtische Busnetz zu integrieren.

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