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Aus für Bahntunnel-Vision : Kein Weg aus der Sackgasse im Mittelrheintal

  • -Aktualisiert am

Dauerärgernis: Dies Bahnschranke ist täglich stundenlang geschlossen – doch Abhilfe ist nicht in Sicht Bild: Cornelia Sick

Jene, die nach einer Entlastungsstrecke weitab von Rheingau und Mittelrheintal rufen, um die täglich 400 Güterzüge aus dem Rheintal herauszuholen, erliegen der Illusion eines Befreiungsschlags. Dieser wird nicht kommen.

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          Wer die neue deutsche Unfähigkeit studieren will, wichtige Verkehrsinfrastrukturprojekte erfolgreich und zügig zu stemmen, muss nicht bis nach Berlin fahren und das Desaster um den künftigen Hauptstadtflughafen in den Blick nehmen. Auch in Hessen gibt es Tragödien.

          Die Beseitigung der schon heute ein Drittel jeden Tages geschlossenen Bahnschranken bei Rüdesheim gehört dazu. Mit wechselnder Intensität wird über dieses Vorhaben diskutiert, dessen Notwendigkeit schon vor mehr als 100 Jahren erkannt worden war. Hessische Verkehrsminister haben das Vorhaben in schöner Regelmäßigkeit als bedeutsam bezeichnet, ganz gleich welcher politischen Partei sie angehörten.

          Was im Bundesverkehrswegeplan verankert ist

          Ein Bundesverkehrsminister hat sogar einmal eine Finanzierungsvereinbarung unterzeichnet. Das war vor 20 Jahren, und wer seinerzeit die größte Hürde für das Jahrhundertprojekt genommen glaubte, der kannte das schöne deutsche Wort „Nutzen-Kosten-Verhältnis“ nicht. Denn in Deutschland kann nur gebaut werden, was im Bundesverkehrswegeplan verankert ist und was wegen dessen chronischer Unterfinanzierung überdies als vordringlich gilt.

          Ein hoher Nutzen-Kosten-Faktor ist unerlässlich. Doch der wird nach einem bundesweit einheitlichen Verfahren erhoben, das örtliche Gegebenheiten und spezifische Besonderheiten völlig ausblendet. An diesem Punkt endete dann auch die Macht eines jeden Verkehrsministers, wie Rüdesheim schmerzlich zur Kenntnis nehmen musste.

          Der Bahntunnel war tot. Doch das Eisenbahnkreuzungsgesetz gebietet angesichts der Verkehrssituation die Beseitigung der Schranke, mit der 2029 ein Großteil der Besucher der Bundesgartenschau noch unliebsame Bekanntschaft machen wird. Denn diese Schranke wird vermutlich über Jahrzehnte nicht verschwinden, obwohl der Bund eine billigere Lösung als den aus Kostengründen verworfenen Bahntunnel untersuchen lässt.

          Entlastung von Rüdesheim

          Inzwischen zeigt sich, dass die erhoffte kleine Lösung zu heutigen Baukosten für den Bund sogar teurer werden könnte, als ihn vor 20 Jahren sein Anteil am großen Tunnel gekostet hätte. Schon zeichnet sich ab, dass auch die Suche nach einem günstigeren Weg zur Entlastung von Rüdesheim in einer Sackgasse endet. Jene, die nun nach einer Entlastungsstrecke weitab von Rheingau und Mittelrheintal rufen, um die täglich 400 Güterzüge aus dem Rheintal herauszuholen, erliegen der Illusion eines Befreiungsschlags.

          Dieser wird nicht kommen in einem Land, das mit der Reparatur von Autobahnbrücken offenbar schon über sein Leistungsvermögen hinaus gefordert ist. Für Rüdesheim ist das eine Tragödie.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

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