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Baden in der Corona-Krise : Schwimmen im Kreisverkehr

Nun beginnt die Hallensaison – wie hier im Lindenaubad in Großauheim. Bild: Rainer Wohlfahrt

Die ungewöhnliche Sommersaison in den Schwimmbädern bringt ein höheres Defizit. In der Halle wird es nun erst recht kompliziert.

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          Im April sah es noch so aus, als ob die Freibadsaison in den beiden Schwimmbädern der Stadt Hanau ganz ausfallen würde. Das wäre eine bittere Pille für all die gewesen, die ihren Sommerurlaub an sonnigen Stränden wegen der Corona-Pandemie ausfallen lassen mussten. Dann entschlossen sich die städtischen Bäderbetriebe doch noch, die Becken und Liegewiesen im Heinrich-Fischer-Bad in der Innenstadt und im Lindenaubad im Stadtteil Großauheim wieder zugänglich zu machen. Allerdings war die Saison deutlich verkürzt. So fing sie erst mit Beginn der Sommerferien unter vielfachen Einschränkungen an.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Am vergangenen Wochenende ging dann die ungewöhnlichste Freibadsaison seit der Eröffnung des Heinrich-Fischer-Freibads 1959 mit einem kräftigen zusätzlichen Defizit zu Ende. Jedes Jahr steuert die Stadt ohnehin rund drei Millionen Euro für den Betrieb ihrer beiden Bäder bei. Vor allem für den Schul- und den Vereinssport, aber auch für die Freizeitaktivitäten breiter Bevölkerungsschichten will die Stadt sich die Bäder trotz des erheblichen Zuschussbedarfs dauerhaft leisten.

          Ein Ersatz durch ein privates Spaßbad mit hohen Eintrittsgeldern kommt für die Kommunalpolitik nicht in Frage. Bürgermeister Axel Weiss-Thiel (SPD) spricht von einer „einigermaßen zufriedenstellenden“ Sommersaison. Bei dieser Einschätzung bezieht der „Bäderdezernent“ allerdings die verkürzte Dauer der Freibadöffnung und die beschränkte Besucherzahl wegen der Pandemie mit ein. So entstand ein zusätzliches Minus zwischen 200.000 und 300.000 Euro. Das belaste die Hanau Bäder GmbH erheblich. Genaue Zahlen gebe es erst, wenn der Jahresabschluss der Gesellschaft vorliege.

          Immerhin seien vor allem im August fast genauso viele Badegäste ins Heinrich-Fischer-Bad wie im Vorjahr gekommen, obwohl die Zahl der Besucher begrenzt worden sei. Das sei dem heißen Wetter geschuldet, aber auch der coronabedingten Aufteilung in zwei Besuchszeitfenster pro Tag. Allerdings seien im Lindenau-Bad weniger Gäste gezählt worden, viele hätten wohl fälschlicherweise vermutetet, sie würden ohnehin kein Ticket mehr ergattern. Die Vergabe ausschließlich über Online-Eintrittskarten und die begrenzte Besucherzahl im Heinrich-Fischer-Bad habe zu einer „familiäreren, ruhigeren Atmosphäre als in den Vorjahren bei Hochbetrieb mit 3000 bis 4000 Badegästen“ geführt, beobachtete Geschäftsführer Weier.

          Buchungen über das Internet und keine Dauerkarten

          Die Buchung der Eintrittskarten über das Internet war eine Neuerung, an die sich die Dauergäste erst einmal gewöhnen mussten. Die Dauerkarten waren wegen Corona auf Eis gelegt worden, Schwimmen durfte nur noch, wer sich im Netz für eine bestimmte Uhrzeit und Dauer eine Karte reserviert hatte. Für manchen älteren Menschen war das nicht immer einfach, doch laut Bäder-Geschäftsführer Uwe Weier war das Online-Ticketing durchaus eine gute Lösung, die in der Wintersaison und im kommenden Frühjahr sowie Sommer beibehalten werde.

          Vom heutigen Dienstag an, dem ersten Tag der Hallenbadesaison, können die Eintrittskarten aber auch wieder an der Kasse gekauft werden. Für Schwimmhalle und Sauna gilt weiterhin, dass Mehrfach- und Jahreskarten sowie Flatrates nicht gelten. Wegen der Corona-Abstands- und -Hygieneregeln sei die gleichzeitige Anwesenheit von maximal 140 Badegästen in der Schwimmhalle möglich. Schulklassen, Gruppen und Vereinsmitglieder seien in diese Rechnung einbezogen. In der Sauna sei die maximale Gästezahl auf 25 Besucher im gebuchten Zeitfenster begrenzt.

          Zu bestimmten Zeiten werden die Eintrittspreise, die im Frühjahr um rund fünf Prozent angehoben wurden, reduziert. Laut Weier gibt es dienstags bis freitags von 6.30 bis 8 Uhr einen Frühtarif von 2,60 Euro für Erwachsene, ermäßigt 1,30 Euro. Das gilt auch für den Abendtarif dienstags von 17.30 Uhr bis zur Schließung um 22 Uhr sowie donnerstags von 17.30 Uhr bis zur Schließung um 19 Uhr. Der Früh- und Abendtarif kann nicht über das Internet gebucht, sondern nur an der Kasse gewählt werden. Der Einzeltarif beträgt weiterhin 4,50 Euro für Erwachsene und ermäßigt 2,60 Euro.

          Maskenpflicht nur an der Kasse und in den Umkleiden

          Saunanächte und andere Veranstaltungen der Hanau Bäder GmbH werden derzeit nicht angeboten. Schwimm- und Gymnastikkurse des Aqua-Fitness-Clubs dürfen aber unter Einhalten der Corona-Regeln stattfinden. Schul- und Vereinsschwimmen findet ebenfalls statt.

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          Damit die Abstandsregeln eingehalten werden können, ist das Schwimmen im Kreisverkehr auf einer und teilweise auch auf mehreren Bahnen möglich. An der Kasse und in den Umkleiden besteht Maskenpflicht, nicht aber auf dem Weg zum Becken, in der Sauna und im Becken.

          Einen Badebetrieb wie in den vergangenen Jahren gewohnt wird es in Hanau auch ungeachtet der Corona-Einschränkungen so bald nicht geben. Wegen der Sanierung des Lindenau-Hallenbads samt Cafeteria ist dieses Bad bereits geschlossen. Die Sanierung soll bis zum Jahr 2022 abgeschlossen sein. Danach soll das unter Denkmalschutz stehende Heinrich-Fischer-Bad voraussichtlich in den Jahren 2023 und 2024 umfassend saniert werden. Insgesamt sind Investitionen von Stadt und Land in Höhe von rund 12 Millionen Euro vorgesehen.

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