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Bad Vilbel : Kaum Tassen, Gläser oder Gardinen bei Segmüller

Möbelriese Segmüller muss in Bad Vilbel ohne großes Randsortiment auskommen Bild: Cornelia Sick

Der Ausschuss der Regionalversammlung Rhein-Main empfiehlt, das neue Möbelhaus Segmüller in Bad Vilbel nur mit kleinem Randsortiment zuzulassen. Das Sortiment an Porzellan, Glas, Heimtextilien und Babyartikeln darf 800 Quadratmeter nicht überschreiten.

          Das bayerische Familienunternehmen Segmüller kann im Gewerbegebiet Quellenpark in Bad Vilbel ein Einrichtungshaus mit 45.000 Quadratmetern Verkaufsfläche bauen. Allerdings wird das Haus sein Angebot im Wesentlichen auf Möbel beschränken müssen. Das Sortiment an Porzellan, Glas, Heimtextilien und Babyartikeln darf 800 Quadratmeter nicht überschreiten. Das hat der Haupt- und Planungsausschuss der Regionalversammlung Südhessen mit den Stimmen von CDU, SPD und FDP beschlossen. Die Fraktion der Grünen lehnt das Möbelhaus selbst in der beantragten Dimension am Standort ab. Der Ausschuss-Empfehlung muss am nächsten Freitag die gesamte Regionalversammlung Südhessen zustimmen. Es handelt sich aber in aller Regel um einen eher formalen Akt: Die Entscheidung für die Zulassung Segmüllers mit einem sehr stark eingeschränkten Randsortiment ist praktisch gefallen.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für den FDP-Politiker Wolfgang Knoll ist die Entscheidung eine Frage der „Glaubwürdigkeit“. Diese „müssen wir bewahren“. Würde die Versammlung anders votieren, „leiden alle politischen Gruppen“, sagte der langjährige Fraktionschef der Liberalen in der Region. Denn die Regionalversammlung hatte erst im Dezember das regionale Einzelhandelskonzept beschlossen, in dem festgeschrieben wurde, dass bei solchen Märkten auf der grünen Wiese das sogenannte Randsortiment oder „zentrenrelevante Sortiment“ 800 Quadratmeter Verkaufsfläche nicht überschreiten darf. Die Stadt Bad Vilbel hatte aber im Auftrag von Segmüller zunächst 6000 Quadratmeter beantragt und dieses Sortiment im Januar als Kompromissangebot auf 4000 Quadratmeter reduziert.

          Strikt an eigene Vorgaben halten

          Ulrich Müller (SPD) lobte, dass sich die Regionalversammlung mit der Entscheidung für das begrenzte Randsortiment erstmals strikt an ihre eigenen Vorgaben halten wolle. Die Diskussionen um das Konzept und das konkrete Vorhaben in Bad Vilbel seien also nicht vergeblich gewesen, auch wenn die Versammlung in den vergangenen Jahren häufig den Eindruck vermittelt habe, dass „wir uns im Kreise drehen“.

          Das Einzelhandelskonzept war seit 2005 erarbeitet und erstmals im Februar 2008 von der Versammlung verabschiedet worden. In der Vergangenheit gab es jedoch immer wieder kleinere Abweichungen. Zuletzt hatte ein von Ikea gewünschtes großes Fachmarktzentrum in Hofheim-Wallau die 99 Vertreter von Städten und Kreisen in der Versammlung beschäftigt. Auch in diesem Fall zeigten sie sich ablehnend, mussten am Ende aber gar nicht gegen das Vorhaben votieren, da Ikea, gestützt auf einen alten Bebauungsplan, das neue Zentrum auf den vorhandenen Gebäuden errichten kann – ohne die Region zu befragen.

          Die Vorlage, im Fall Segmüller dem Einzelhandelskonzept zu folgen, hatte der Darmstädter Regierungspräsident Johannes Baron (FDP) als Geschäftsstelle der Regionalversammlung erarbeitet. Er teilte gestern mit, dass ein Möbelhaus in Bad Vilbel möglich sein müsse, doch zum Randsortiment gebe es durch das Konzept eine klare Aussage: „Wir wollen eine einheitliche Linie in der Region fahren.“

          100-Millionen-Investition

          Die Fraktion der Grünen interpretiert das Konzept weitergehend: Sie lehnte die Zustimmung auch für das Möbelhaus ab. Der Standort entspreche nicht den regionalplanerischen Vorgaben, dass Märkte eine Anbindung an Siedlungsgebiete benötigten und Gewerbeflächen auch als solche genutzt werden sollten.

          Die CDU ging im Ausschuss kaum auf den Konflikt um das Randsortiment ein. Kelkheims Bürgermeister Thomas Horn (CDU) gratulierte der Stadt Bad Vilbel, dass sie nun ein großes Einrichtungshaus ansiedeln dürfe. „Das stärkt Bad Vilbel.“ Schließlich wolle Segmüller rund 100 Millionen Euro investieren und 600 Arbeitsplätze schaffen.

          Eine Stellungnahme von Segmüller dazu, ob das Unternehmen unter den veränderten Bedingungen am Bauvorhaben festhält, war allerdings gestern nicht zu bekommen.

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