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Bad Soden : Hilfe aus Korea für die Sodenia-Therme

  • Aktualisiert am

Bei ihrer Suche im gesamten Rhein-Main-Gebiet nach einem stillgelegten Hallenbad ist eine koreanische Investorengruppe nach Vermittlung durch die gerade gegründete FrankfurtRheinMain Marketing of the Region GmbH nun in Bad Soden fündig geworden.

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          Die Koreaner wollen noch vor der Fußballweltmeisterschaft die Sodenia-Therme übernehmen und parallel zum traditionellen Sauna- und Thermalsolebadbetrieb eine auf das koreanische Publikum abgestimmte Wellness- und Freizeitwelt errichten.

          Wie Bürgermeister Norbert Altenkamp (CDU) und Rok-Won Ha, Rechtsvertreter der Betreiber-GmbH, erläuterten, soll ein mit der Stadtverordnetenversammlung in nichtöffentlichen Sitzungen abgestimmtes Rahmenkonzept nun schnellstmöglich in einen verbindlichen Vertrag münden. Der Betriebs- und Eigentumsübergang zu einem symbolischen Preis von einem Euro sei zum 15. März geplant. Nach einem moderaten Umbau, für den 750 000 Euro veranschlagt würden, könne die neugestaltete Therme dann zum 1. Mai mit der erweiterten Saunalandschaft inklusive eines Cafe-Bistros eröffnet werden.

          Schließung Ende 2007 geplant

          Die Suche nach einem Investor für die marode Sodenia-Therme hat eine mehr als fünfjährige Geschichte. Nicht nur muß das traditionelle Solebad jährlich von der Stadt mit bis zu 700 000 Euro bezuschußt werden, obendrein gilt die Technik als so veraltet, daß in der Vergangenheit regelmäßig aufwendige Reparaturen anfielen. Aufgrund der hohen Kosten und der desolaten Haushaltslage ist die Schließung der Therme zum 31. Dezember 2007 schon Beschlußlage der Stadtverordnetenversammlung. Altenkamp sprach deshalb von einer überraschenden Wende.

          Nach einer Mail von Landrat Berthold Gall (CDU), der die Anfrage der Rhein-Main-Marketing-Gesellschaft mit den Worten "Ist das was für euch?" schnell und unkonventionell am 11. November 2005 weitergeleitet habe, habe es schon am 10. Januar 2006 eine erste Begegnung von städtischen Vertretern und Investoren gegeben. Nun müßten nur noch Details besprochen werden.

          Werbung durch koreanische Journalisten

          Eile sei deshalb geboten, weil die koreanische Fußballmannschaft zumindest ein Spiel in Frankfurt bestreite, koreanische Journalisten deshalb in Frankfurt seien und nach Bad Soden eingeladen würden, um dann - so die Hoffnung der Betreiber - in ihrer Heimat Werbung für das flughafennahe Angebot der Sodenia Therme zu machen.

          Die Investoren, die Rechtsanwalt Ha zufolge allesamt in Korea lebten und dort Elektro- und Bauunternehmen, Reisebüros, Unternehmen der Gastronomie- und Hotelbranche betrieben, zielten als zusätzliche Besucher auf die zahlreichen koreanischen Familien, die im Rhein-Main-Gebiet lebten. Die gemessen an dem Projekt relativ kleine Investitionssumme erklärte der Rechtsanwalt mit den immensen Eigenleistungen, die die Teilhaber direkt erbrächten: So würden die Anlagentechnik und koreanische Saunen komplett aus Korea geliefert.

          Mit Shorts und T-Shirt in die Sauna

          Beim Thermen-Betrieb sei dann vorgesehen, die einzelnen Angebote ebenso wiederum an Selbständige in deren Eigenregie zu vergeben. Im Unterschied zum bisher eher auf den Kurgast und Kranken ausgerichteten Bad richte sich die Erweiterung an die rund 6000 Koreaner, die im Rhein-Main-Gebiet lebten. In einer koreanischen Sauna lägen die Temperaturen bei etwa 50 bis 60 Grad; sie würden von Gästen in Shorts und T-Shirt betreten und seien nicht nur für Erwachsene geeignet, sondern würden von der gesamten Familie besucht, die sich dort unterhalte und kleine Snacks und Getränke gereicht bekäme.

          Die koreanische Saunalandschaft werde durch Kosmetikerin, Friseure und spezielle Massagen ergänzt. Ein solches Angebot für Koreaner, die in der Fremde stets auch "ein Stück Heimat suchen", gebe es bisher im gesamten Rhein-Main-Gebiet nicht.

          Keine betriebsbedingten Kündigungen

          Altenkamp zufolge knüpft die Stadt einige Bedingungen an die Betriebsübernahme. So müßten Mitarbeiter soweit erforderlich übernommen werden. Betriebsbedingte Kündigungen des zwölf Personen umfassenden Personalstabs der Therme schloß der Bürgermeister aus. Beim Umbau dürfe die Statik des Gebäudes nicht angetastet werden.

          Die derzeit unter dem Gesellschaftsnamen "Taunusbad Management GmbH" firmierende Investorengruppe übernehme alle laufenden Versorgungs-, Wartungs- und Dienstleistungsverträge. Obendrein stelle die Stadt für die Einspeisung der Heilsole monatlich 1000 Euro in Rechnung.

          Den Bewohnern des benachbarten Hochhauses würden im Vertrag weiterhin vergünstigte Konditionen für den Besuch der Sodenia-Therme eingeräumt. Im Gegenzug stelle die Stadt dem Betreiber 100 Stellplätze im Parkhaus am Bahnhof zur Verfügung.

          Stadtverordnete müssen nicht zustimmen

          Eine Patronatserklärung oder eine zeitliche Festlegung der neuen Betreiber wird es nach Angaben Altenkamps nicht geben. Ebensowenig sei geplant, den ausgehandelten Vertrag abermals der Stadtverordnetenversammlung vorzulegen. Vielmehr verwies Rechtsanwalt Ha darauf, daß Verhandlungen in anderen Städten - so zum Beispiel in Schwalbach - letztlich an der mangelnden Kooperationsbereitschaft der Magistrate gescheitert seien.

          Die Investoren wollten unbedingt den Werbeeffekt der WM für ihre Belange nutzen, weshalb nun der Zeitdruck entstehe. Allerdings sei die Therme erst der erste Schritt des Investorenengagements. Falls sie Erfolg hätten, könnte man sich durchaus weitere Projekte in Bad Soden vorstellen.

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