https://www.faz.net/-gzg-167s6

Bad Soden : Endgültiges Aus für die Sodenia-Therme

  • -Aktualisiert am

In der Sodenia-Therme konnten Gäste bisher auf heißen Steinplatten entspannen Bild: Cornelia Sick

Mit großer Mehrheit stimmen die Stadtverordneten der Schließung des Sole-Bades in Bad Soden zu. Zuletzt fiel ein jährliches Defizit von 700.000 Euro an. Die weitere Nutzung des Gebäudes ist ungewiss.

          2 Min.

          Als den koreanischen Betreibern der asiatischen Sauna und Sole-Therme vor knapp eineinhalb Jahren der Strom abgedreht wurde, reagierten die Nutzer mit Verärgerung. 1500 Unterschriften kamen in Windeseile zusammen, mit denen die Notwendigkeit des Erhalts untermauert werde sollte. Am Mittwochabend haben die Bad Sodener Stadtverordneten den Schlussstrich gezogen: Einer Wiedereröffnung des Bades lehnten CDU, SPD, FDP und Grüne aus finanziellen Erwägungen rundweg ab – allein die Vertreter der Vereinigung „Die Freien Bürger/Für unsere Stadt“ forderten unter Beifall der Zuhörer, die Kosten einer Modernisierung abermals schätzen zu lassen.

          Heike Lattka

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          Der Stadtverordnete Heiner Kappel (DfB/FuS) warnte vor einer „allzu saloppen“ Entscheidung. Er verlangte eine „ehrliche“ Kostenaufstellung, die er bisher vermisse. Die Technik sei nicht so überaltert, wie die Rathausmehrheit glauben machen wolle. Er sprach vom Alleinstellungsmerkmal Sole und von Gastronomen, die seit der Schließung des Bades über Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent klagten. Die Zahlen seien „alle auf Sand gebaut“, wischte er vorliegende Untersuchungsergebnisse beiseite und erhob die Stimme: „Sie alle sind Schuld, wenn wir eine einfällige Schlafstadt werden.“

          Sanierungsbemühungen gescheitert

          Gegen solche Vorwürfe verwahrte sich zuerst die FDP-Stadtverordnete Brigitte Hewel: Es seien mannigfaltige Versuche unternommen worden, gemeinsam mit den umliegenden Kommunen und mit dem Main-Taunus-Kreis die Sanierung zu ermöglichen – aber dies sei nicht gelungen. Ein Thermen-Neubau, der angesichts des maroden Zustands des Gebäudes notwendig wäre, lasse sich in dieser Situation nicht finanzieren. Deshalb sei die Entscheidung notwendig – und dies wisse auch Kappel.

          Hewel regte an, ein alternatives Nutzungskonzept zu erarbeiten. Vorstellbar sei eine Erweiterung des Ärztezentrums oder eine Reha-Versorgung für ambulante Patientenbehandlung. Die Immobilie müsse jedenfalls in alle Diskussionen über Stadtentwicklung einbezogen werden.

          Auf den einstimmigen Beschluss der Thermalsolebad-Kommission vor fünf Jahren, der auch Kappel beigewohnt habe, verwies die Grünen-Fraktionsvorsitzende Waltraud Krebsbach-Heß. Schon damals sei die Schließung allen Beteiligten unausweichlich erschienen. Die Kommune könne weder die Sanierung noch die immensen Folgekosten finanzieren.

          Jährliches Defizit von 700.000 Euro

          Die Entscheidung für die Schließung mache sich keiner leicht, verwahrte sich der SPD-Fraktionsvorsitzende Karl Thumser gegen Kappels Angriffe. Ein jährliches Defizit von 700.000 Euro könne die Stadt nicht verkraften. Hinzu kämen Investitionen in die Sanierung, die nach Schätzungen 4,5 Millionen Euro koste, wobei dieser Betrag heute sicher nicht mehr ausreiche. Alles andere als die Schließung „wäre von uns verantwortungslos“, sagte Thumser.

          Auch Kappel müsse den Tatsachen ins Auge schauen, sagte der CDU-Vorsitzende Frank Blasch. Das Ende des Sole-Bades bedeute nicht das Ende der Solenutzung, die in den medizinischen Abteilungen des Medico Palais immer noch Anwendung finde. Zufrieden über den Beschluss zeigte sich Bürgermeister Norbert Altenkamp (CDU): Es sei unfair, „ hoffnungsheischend“ mit den Gefühlen der Bürger zu spielen, wie es Kappel versucht habe. Mit dem Beschluss würden Fakten geschaffen, die den Magistrat handlungsfähig machten. Zunächst werde der Erbengemeinschaft Hermann eine Frist gesetzt, bis wann sie das Ankaufsrecht ausüben könne. Dann könnten in Gesprächen mit den Mietern des Hochhauses an der Therme Gespräche über die künftige Nutzung geführt werden. Damit gehe es nach 16 Monaten Stillstand “endlich voran“.

          Weitere Themen

          Politik aus dem Horrorkabinett

          Heute in Rhein-Main : Politik aus dem Horrorkabinett

          Janine Wissler ist zu einer der beiden neuen Bundesvorsitzenden der Linken gewählt worden. Volker Bouffier ist für eine Lockerung der Impfreihenfolge. Die F.A.Z.-Hauptwache blickt auf die Themen des Tages.

          Topmeldungen

          Menschen gehen am Sonntag bei Sonnenschein am Rheinufer in Düsseldorf spazieren.

          Vor Beratungen : Öffnen beim Anblick der dritten Welle?

          Deutschland steht vor einer neuen Pandemie-Welle. Die Politik sucht eine Gratwanderung zwischen Vorsicht und Lockerungen. Sind regionale Strategien und Schnelltests die Lösung?
          Einer Ärztin wird am Freitag in der Hauptstadt von Paraguay der russische Impfstoff Sputnik V verabreicht.

          Sputnik V : Einer der gefragtesten Impfstoffe der Welt

          Allein vergangene Woche haben fünf weitere Länder Russlands Corona-Impfstoff zugelassen. Auch ein EU-Land hat das Vakzin schon registriert. War die Skepsis des Westens unangebracht?
          Am Boden und vor dem Absturz: Schalke 04 zerstört sich selbst.

          Selbstzerstörung in Bundesliga : Vergifteter Boden bei Schalke 04

          Die Rauswurforgie ist die jüngste Wendung einer sagenhaften Geschichte der Selbstzerstörung. Dass drei Spieler, die erst kurz im Klub sind, so etwas anzetteln können, zeigt, wie kontaminiert die Schalker Erde ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.