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Bad Soden : Dali mit Motiven aus der klassischen Mythologie

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Er ist bekannt als Sonderling, begnadeter Selbstdarsteller und Maler des Surrealen. Daß Salvatore Dali, der in diesem Jahr den hundertsten Geburtstag feiern würde, ein großer Handwerker seiner Kunst ...

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          Er ist bekannt als Sonderling, begnadeter Selbstdarsteller und Maler des Surrealen. Daß Salvatore Dali, der in diesem Jahr den hundertsten Geburtstag feiern würde, ein großer Handwerker seiner Kunst und ein in klassischer Literatur und Mythologie gebildeter Mann war, wird durch die Erinnerung an die öffentlichen, zumeist exzentrischen Auftritte des Genies oft vergessen. Dem "ernsthaften" Dali mit seinen Arbeiten vor 1977 ist deshalb nach den Worten von Lothar Stoll, Managing Director der Schweizer Art Consult GmbH, eine Ausstellung im Stadtmuseum gewidmet, die in Originalgraphiken und kompletten Zyklen Einblicke in die Symbolik, verschiedenen Techniken und die Vita des katalanischen Künstlers geben soll. Den Wert der Ausstellung bezifferte Stoll auf eine Million Euro.

          Schon zum viertenmal präsentiert sich Art Consult aus Verbundenheit zur Kurstadt Bad Soden im Stadtmuseum. Nach Chagall und Picasso ist nun diese Werkschau dem Katalanen gewidmet, der einem treuen Stammpublikum präsentiert werde. Stoll rechnet mit etwa 3000 Besuchern - dies liege zwar weit unter den Zahlen, die in den Großstädten wie Hamburg, Berlin oder Stuttgart erreicht würden, wo die Sammlung auch zu sehen gewesen sei, aber dafür sei Bad Soden eine besonders kunstsinnige Stadt. Auch gehöre eine Ausstellung in der Kurstadt für das Unternehmen schon als Jahresabschluß zur Tradition. Räumlichkeiten und Unterstützung seien hier eben gut.

          Was im Stadtmuseum gezeigt werde, sei von herausragender Qualität: "alles absolute Originale", hebt der Ausstellungsleiter hervor. Zu sehen sind zum Beispiel Farblithographien auf Lammhaut, die "Moses und Echnaton" zum Thema haben. "Pegasus und Ödipus" lautet der Titel eines Zyklus von Kaltnadelradierungen, die in ihrer filigranen Kunstfertigkeit Dalis Meisterschaft des handwerklichen Könnens unter Beweis stellen. Auch Dalis erste Lithographien werden präsentiert: Diese Technik habe der Künstler anfangs abgelehnt und sie "Schweinerei in Fett und Farbe" genannt, erläuterte Stoll.

          Erst der Verleger Foret habe Dali mit großer Überredungskunst dazu gebracht, den "Don Quichotte" zu illustrieren. Aber auch bei der Umsetzung dieses Themas verzichtete Dali nicht auf einen - im wahrsten Sinne des Wortes - Knalleffekt: Mit Tusche gefüllte Bleikugeln aus einem Vorderlader schoß er auf die Metallplatte, um einen gewünschten Effekt auf dem späteren Druck zu erzielen. Mit diesem Thema korrespondieren zwei originale Handzeichnungen, die in einer Vitrine gesondert zu sehen sind, weil sie allein rund 100000 Euro wert sind: Sie zeigen, wie Dali mit Kugelschreiber die Figur des Don Quichotte skizziert hatte.

          Der besondere, eigentümliche Humor des Künstlers kommt auch in der Arbeit "Castor und Pollux" zum Ausdruck - für die er zwei Popos von Babys mit Mehl bestreute und diesen Abdruck als Form benutzte, was heute noch sichtbar ist. Eine besondere Rarität stellt auch die seltene Arbeit Dalis, die Illustration eines Gedichtes aus dem Buch "Die gelben Landschaften von 1873" des Literaten Tristan Corbier dar. Die in jener Zeit obszön, esoterisch und gar verrückt anmutenden Verse setzt Dali in eine Symbolsprache aus Fetisch-Objekten, wie Krücken, Seeigeln, Ameisen oder Telefonen und Brotformen um, die nur vordergründig nichts miteinander zu tun haben. lat.

          Die Ausstellung ist bis einschließlich 2. Januar täglich außer montags von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet sieben Euro.

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