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Klinik droht das Aus : Landrat hat schon einen „Plan B“ für die Zeit nach Helios

Vor dem Aus: Helios-Klinik in Bad Schwalbach Bild: Michael Kretzer

Die Schließung der Helios-Klinik in Bad Schwalbach ist wohl nicht mehr abzuwenden. Der Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises denkt aber schon weiter.

          Noch ist die Helios-Klinik Bad Schwalbach in Betrieb, und wenn es nach Landrat Frank Kilian (parteilos) geht, soll das auch so bleiben. Doch die Einsicht wächst, dass die Schließung wohl nicht mehr abzuwenden ist. Der Landrat stellte deshalb auf einer Informationsveranstaltung vor 250 Bürgern in der Aula der Nikolaus-August-Otto-Schule einen „Plan B“ vor. Demnach soll die Verwaltung ermitteln, wie der Rettungsdienst im Landkreis neu aufgestellt werden muss, wenn die Intensivstation in Bad Schwalbach geschlossen ist. Außerdem soll ein Fachgutachten zur medizinischen Versorgung im Landkreis unter Berücksichtigung der neuen Lage in Auftrag gegeben werden. Auch will der Kreis gegebenenfalls nach einem neuen Betreiber für die Klinik suchen.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Das allerdings dürfte wenig aussichtsreich sein, da Helios und das Land sich offenbar schon einig sind, eine bestehende psychosomatische Klinik der Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden nach Bad Schwalbach zu verlegen. Die Klinik war früher in Schlangenbad angesiedelt. Nun soll sie in den Untertaunus zurückkehren, weil sie am derzeitigen Standort nicht bleiben kann und der Umzug obendrein günstiger ist, als in Wiesbaden einen Neubau zu errichten.

          Versorgung ambulanter Notfälle

          Auch Helios denkt schon über das Schließungsdatum hinaus. Regionalgeschäftsführerin Corinna Glenz, die im Saal noch einmal die prekäre Lage des Krankenhauses, die mangelnde Auslastung und rückläufige Patientenzahlen erläuterte, versicherte, dass das Medizinische Versorgungszentrum mit derzeit vier Praxen am bisherigen Standort erhalten bleibe und sogar ausgebaut werde. Dort sei die Versorgung ambulanter Notfälle möglich, ebenso könne es kleinere chirurgische Eingriffe geben. Die Krankenpflegeschule sei ebenso wenig gefährdet, auch nicht der hausärztliche Versorgungsdienst.

          In der Schulaula stieß das gleichwohl auf Unverständnis. Kritik aus dem Publikum zogen vor allem die Vertreter der Hessenagentur auf sich, deren Gutachten ergeben hatte, dass die Klinik verzichtbar ist, weil es in ausreichender Nähe genügend andere Krankenhäuser gebe. Die Vertreter der Hessenagentur verteidigten ihre Berechnungen vehement und wehrten sich gegen Angriffe des Landrats, der genau das bezweifelt und deshalb bald ein Gegengutachten vorlegen will.

          Das Land hat sich in dieser Sache ohnehin schon klar festgelegt, auch wenn es die Verantwortung allein bei Helios sieht, wie eine Sprecherin des Sozialministeriums am Tag nach der Veranstaltung noch einmal darlegte: „Das Land schließt keine Kliniken.“ Es sei aber seine Aufgabe, zu prüfen, ob die Versorgung der Menschen weiterhin sichergestellt sei. Dazu gebe es festgelegte Kriterien im Bundesrecht. Und die sprächen im Fall Bad Schwalbach „eine klare Sprache“.

          Auslastung bei nur 43 Prozent

          Die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung sei demnach auch künftig nicht gefährdet. Die Helios-Klinik in Bad Schwalbach sei „nach objektiven Kriterien“ nicht zwingend erforderlich. Daher müsse das Land die Entscheidung der Geschäftsführung akzeptieren. Das Bundesversicherungsamt habe schon entschieden, dass die Schließung der Helios-Klinik die Fördervoraussetzungen erfülle. Ein Bescheid des Landes dazu sei in Vorbereitung. Jenseits formaler Kriterien müsse anerkannt werden, dass die Auslastung der Klinik zuletzt bei nur noch 43 Prozent gelegen habe: „Die Einwohner des Rheingau-Taunus-Kreises nehmen das Krankenhaus zunehmend weniger in Anspruch.“ Zudem würden in der Klinik vorwiegend sehr leichte Fälle behandelt, die künftig mehr und mehr ambulant versorgt werden können.

          Für Helios versicherte Glenz, dass in den umliegenden Kliniken genügend Betten für die bislang in Bad Schwalbach versorgten Patienten zur Verfügung stünden. Die Auslastung in Idstein beispielsweise liege nur bei 60Prozent. In der Zuhörerschaft war der Unmut dennoch groß. Nicht nur über die künftig langen Wege in die nächste Klinik, sondern auch weil Helios offenbar seine Profite über das Wohl der Menschen stelle und weil der ländliche Raum entgegen der Lippenbekenntnisse der hessischen Politik immer mehr Infrastruktureinrichtungen verliere. Dass es das erklärte Ziel des Bundes ist, vermeintlich überflüssige Krankenhausbetten abzubauen und kleinere Kliniken zu schließen und dass er dafür sogar einen mit Milliardenbeträgen ausgestatteten Fonds aufgelegt hat, wollte in Bad Schwalbach niemand gerne hören.

           

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