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Bad Orb : „Toskana Therme“ soll Aufschwung bringen

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Mediterran: Ein Gast schwimmt im salzhaltigen Nass der neuen „Toskana-Therme” in Bad Orb und lauscht Unterwasser Bild: dpa

Die Not in der Kur-Stadt war groß. Weil ein Thermalbad in Bad Orb fehlte, gab es auch nicht die dringend benötigten Einnahmen aus dem Gesundheitstourismus. Nach geplatzten Plänen und politischen Querelen hat nun die Zukunft begonnen: Die Toskana Therme ist eröffnet.

          Bad Orb sitzt nicht mehr auf dem Trockenen. Seit Freitag gibt es dort wieder ein Schwimmbad. Das ist nicht unwichtig für die kleine, hoch verschuldete Kur-Stadt in der Mitte des Main-Kinzig-Kreises. Denn lange mussten sich Gäste dort fühlen wie in einer Kneipe, in der es nichts zu trinken gibt. Etwa dreieinhalb Jahre lang fehlte das sinnstiftende Element: ein großes Thermalbad - die „Toskana Therme“.

          Viele Gesundheitstouristen wollten darauf nicht verzichten. Die Gästezahlen verringerten und die wirtschaftlichen Sorgen vergrößerten sich. Jetzt schlägt das Herz wieder, die Frischzellenkur läuft. Und doch steht Bad Orb das Wasser bis zum Hals - bei Schulden von 35 Millionen Euro und neuen Verpflichtungen. Der neue Heilsbringer hat seinen Preis: 22,7 Millionen Euro kostet die Toskana Therme.

          Musik-Genuss unter Wasser

          Besucher sollen dort fortan außergewöhnliche Wohlfühl-Momente erleben. Einige Besonderheiten werden geboten: Beim Schwimmen lässt sich dort sogar unter Wasser Musik hören - so verspricht es das Liquid-Sound-Konzept. Das sei in Hessen einmalig, heißt es. Fünf der sechs Becken sind, wenn auch die allerletzten Arbeiten abgeschlossen sind, mit Bad Orber Sole gefüllt. Dem salzhaltigen Wasser wird eine wohltuende Wirkung zugesprochen. Für sportlich ambitioniertere Schwimmer wurde ein 20 mal zehn Meter großes Süßwasserbecken angelegt.

          So sieht das Thermalbad von innen am Schwimmbecken aus

          Im Wellness-Bereich stehen sechs Saunen zur Wahl. Auch dort gibt es etwas Besonderes: ein „Lektarium“. Hinter der Wortkreation verbirgt sich eine Sauna, die sehr trocken und mit 45 Grad nicht so heiß ist - man kann darin problemlos lesen. Sehenswert ist die futuristisch anmutende, geschwungene Dachkonstruktion aus 750 verschiedenen Holzelementen. Durch die große Glasfront gelangt der Blick in den Kur-Park.

          Konkurrenz durch Deluxe-Bad in Osthessen

          „Alles in allem ist es ein Bad der Premiumklasse geworden. Das Zusammenspiel aus Architektur, Ausstattung und Technik macht einen sehr hochwertigen Eindruck“, findet Kur-Direktor Jörg Steinhardt. Dass in Künzell bei Fulda gerade ein weiteres Deluxe-Bad gebaut wird und für Konkurrenz sorgen wird, stört ihn nicht: „Ich glaube nicht an Einbußen. Da können wir selbstbewusst sein.“

          Selbstbewusst wurden schon vor Jahre andere Pläne in Bad Orb verfolgt. Der frühere Bürgermeister und Kur-Geschäftsführer Wolfgang Storck (CDU) träumte von einem chinesischen Kur-Paradies - und scheiterte auf ganzer Linie. Der Bauantrag zum Asia-Wellness-Tempel war laut Landratsamt von Fehlern durchtränkt. Investoren zogen sich zurück, das Projekt platzte im Dezember 2006, eine Menge Geld wurde in den Sand gesetzt. Erst als Landrat Erich Pipa (SPD) an der Spitze die Federführung übernahm und Steinhardt Ende 2007 Storcks Nachfolge als Geschäftsführer antrat, ging es voran.

          Arbeitsplätze hängen am Gesundheitstourismus

          Nach der Eröffnung der Toskana Therme soll es auch wirtschaftlich wieder bergauf gehen mit Bad Orb. Etwa 70 Prozent der Arbeitsplätze hängen am Tourismus, wie Steinhardt sagt. In den dreieinhalb Jahre ohne Therme nach dem Abriss des maroden Leopold-Koch-Bades gingen die Übernachtungszahlen um 20 Prozent zurück. Viele Gästen wollten offenbar keine Umwege und sich mit dem Bus zur 15 Kilometer entfernten Therme nach Bad Soden-Salmünster fahren lassen.

          Bad Orb muss trotz aller Aufbruchstimmung nun aufpassen, dass es nicht absäuft - finanziell gesehen. 35 Millionen Euro Schulden drücken, der laufende Haushalt hat ein Minus von 5,3 Millionen Euro. Mit der Übergabe des Schwimmbades wird ein Baukostenzuschuss von 4,2 Millionen Euro fällig. Finanziert werde die Summe über Grundstücksverkäufe, sagt Steinhardt. Und in den nächsten 30 Jahren müssen rund 790.000 Euro pro Jahr gezahlt werden. Die neue Bürgermeisterin Helga Uhl (parteilos) - seit Mitte März im Amt - bekommt angesichts dieser Zahlen keine feuchten Hände. In der Krise liege der richtige Zeitpunkt für Investitionen. „Die Frage ist nicht, ob wir uns die Therme leisten können. Sondern, ob wir es uns leisten können, nicht in die Zukunft der Stadt zu investieren.“

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