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Bad Homburger Stadtentwicklung : Bürgerbeteiligung erwünscht

Bad Homburg hat einen Plan: Die Stadt will jugendfreundlicher, vernetzter und nachhaltiger werden. Im Zuge dessen soll auch das Schwimmbad verlegt werden. Bild: dpa

Bad Homburg hat einen Plan: Jünger, dynamischer und nachhaltiger werden. Bei der Gestaltung des Stadtentwicklungskonzepts sind auch die Bürger gefragt.

          Entsteht in Bahnhofsnähe ein neues Wohn- und Büroquartier? Soll das Seedammbad an anderer Stelle neu gebaut werden? Werden Autofahrer, die von der Autobahn kommen, irgendwann nicht nur an den Baumreihen der Pappelallee entlangfahren, sondern auch an Bürogebäuden zu beiden Seiten der Straße?

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Fast genau ein Jahr nach der ersten Großveranstaltung im Kurhaus ist dort das Bad Homburger Stadtentwicklungskonzept am Mittwochabend mit der Präsentation eines Leitbilds zu einem ersten Abschluss gekommen. Nachdem Ideen gesammelt, Vorschläge gewichtet, Strategien entwickelt und Schlüsselprojekte festgelegt wurden, gibt das sogenannte Regiebuch nun den Rahmen für die künftige Stadtentwicklung vor. Es bleibt nicht in allgemeinen Empfehlungen stecken: Die Zuhörer erfuhren von konkreten Ideen, die bisher weder in der Öffentlichkeit noch der Politik diskutiert worden sind.

          Allgemeine fromme Wünsche

          Am Anfang steht die Feststellung, dass Bad Homburg im Spannungsfeld zwischen der Kurstadt mit Tradition als Landgrafensitz und kaiserliche Sommerresidenz und dem modernen Wirtschaftsstandort und Sitz zweier Dax-Unternehmen steht. Danach geben „Grundsätze für eine nachhaltige Stadtentwicklung“ vor, worauf die Entscheidungsträger künftig achten sollen. Dazu zählen flächen- und ressourcenschonende Siedlungskonzepte, die Orientierung am öffentlichen Nahverkehr und vorhandenen Strukturen, die Vernetzung der Freiräume und Grünzüge und die soziale Durchmischung.

          Die Konturen der Stadt sollen kompakt bleiben und die Stadteingänge akzentuiert werden. Die „zehn Leitziele für 2030 und darüber hinaus“ lesen sich wie allgemeine fromme Wünsche, etwa eine jugendfreundliche Stadt zu werden, das Radfahren zu fördern oder erschwinglichen Wohnraum zu schaffen.

          Dass sich dahinter handfeste Vorschläge verbergen, zeigten Svenja Knuffke und Stefan Kornmann vom begleitenden Büro Albert Speer & Partner an den 16 sogenannten „Vertiefungen“. An ihnen soll nach dem vorläufigen Ende des Stadtentwicklungsprozesses weitergearbeitet werden. Ein „ganzheitliches Mobilitätskonzept“ steht dabei an erster Stelle, denn eine Verbesserung des Radwegenetzes gehörte zu den besonders häufig genannten Vorschlägen.

          Das heutige Mercedes-Gelände in der Nähe des Bahnhofs wurde beim Stadtenwicklungskonzept als Potentialfläche vorgestellt.

          Beim Gestaltungskonzept für die Innenstadt soll das Kurhausumfeld eine besondere Rolle spielen. Denn das Kurhaus ist sanierungsbedürftig, und auch ein Neubau könnte das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie sein. In diesem Fall wäre es naheliegend, eine Sichtbeziehung vom Vorplatz zum Kurpark zu ermöglichen, schlug Kornmann vor. Zum Beispiel durch ein gläsernes Foyer.

          Neuer Ort für Seedammbad

          Saniert werden muss auch das Seedammbad. Dass aber auch dort ein Neubau wirtschaftlicher sein könnte, dürfte die meisten Zuhörer überrascht haben. Erst recht die Überlegung, ihn in diesem Fall nicht wieder am Rand des Kurparks zu errichten, sondern einen anderen Standort zu suchen.

          Was eine „Akzentuierung der Stadteingänge“ bedeuten könnte, machte Kornmann an der Pappelallee deutlich, an deren stadteinwärts gesehen linker Seite Fresenius gerade einen Neubau errichtet. Auf der gegenüberliegenden Seite sei Platz für repräsentative Bauten von Dienstleistungsunternehmen – die wiederum als Lärmschutz für ein Wohngebiet dahinter dienen könnten.

          Die Verbindung von Wohnen und Arbeiten ließe sich nach Worten Knuffkes am Marienbader Platz und dem dahinterliegenden Karree zwischen Hessenring und Frölingstraße verwirklichen. Das dortige Mercedes-Autohaus hat eine Fläche im Oberurseler Gewerbegebiet An den drei Hasen ins Auge gefasst, so dass sich die Chance für einen „neuen Stadtbaustein“ ergäbe, so Knuffke.

          Bürgerbeteiligung erwünscht

          Zumal man sich dort trauen könne, höher als vier Stockwerke zu bauen. Einen Vorschlag hatte die Expertin auch für den Bornberg, ein seit Jahrzehnten diskutiertes Baugebiet auf den Feldern am Stadtteil Gonzenheim. Es könne als „Klimaquartier“ Modellcharakter haben, zumal die Nähe zur U-Bahn eine Reduzierung des Autoverkehrs ermögliche. Nicht mehr unter den Vorschlägen findet sich ein Baugebiet am Südring in Ober-Eschbach, gegen das sich im Frühjahr schnell Protest geregt und gegen das sich nicht zuletzt Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) ausgesprochen hatte.

          Als Konstante des Stadtentwicklungsprozesses erwies sich auch beim fünften und letzten Stadtforum das Interesse der Bürger, die nicht alle auf den 400 Stühlen Platz fanden. Hetjes zeigte sich davon beeindruckt und kündigte an, das Regiebuch werde auch als gedruckte Version vorgelegt. Der Leiter der Stadtplanung, Holger Heinze, gab die nächste Aufgabe vor: ein Beteiligungsverfahren zu schaffen, um mit den Bürgern an den zu vertiefenden Projekten weiterzuarbeiten.

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