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Prominente Kurgäste : Wo der Sultan von Johore abgestiegen ist

Hoher Besuch: In der Villa Kaiser-Friedrich-Promenade 103 war 1905 der deutsche Botschafter in Washington, Hermann Speck von Sternburg, auf Heimatbesuch zu Gast Bild: Helmut Fricke

Ich weiß, was du im Sommer 1890 getan hast: Das Digitale Gästebuch erschließt die Welt der Bad Homburger Kurgäste mit wenigen Klicks. Illustre Besucher von 1834 bis 1918 lassen sich im Internet erforschen.

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          Wir können nicht sagen, was Specky nach Homburg geführt hat. Das Glücksspiel war es jedenfalls nicht, denn das Casino, das weitaus mehr Gäste anlockte als das saure Brunnenwasser, hatten die Preußen 1875 geschlossen. Vielleicht war es der Umstand, dass Ihre Majestät Kaiser Wilhelm II. regelmäßig seine Sommerresidenz im hiesigen Schloss aufsuchte und Manöver und berühmte Autorennen die Aufenthalte begleiteten. Offenbar gefiel es Specky in Homburg so gut, dass er von 1899 an immer wieder kam.

          Bernhard Biener
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Nach seinem Tod im Jahr 1908 hielt auch seine aus San Francisco stammende Frau Lilian dem Kurort die Treue. Specky hieß natürlich eigentlich anders, nämlich Hermann Freiherr Speck von Sternburg. Um den deutschen Adligen mit der flapsigen Kurzform ansprechen zu dürfen, musste man schon selbst Teddy genannt werden. Tatsächlich hatte der kaiserliche Botschafter in Washington seinen Spitznamen vom amerikanischen Präsidenten Theodore Roosevelt bekommen, mit dem er befreundet war.

          Nach den Orten der Kur und dem Digitalen Gebäudebuch steht mit den Homburger Kur- und Badelisten jetzt die dritte Datenbank zur Verfügung, um sich am heimischen Computer oder wo auch immer mit der Kurgeschichte der Stadt beschäftigen zu können. Ging es bisher um die Infrastruktur vom Badehaus bis zum Elektrizitätswerk und um die Baugeschichte und Eigentumsverhältnisse der Villen und Hotels, kommen jetzt die Menschen ins Spiel. Denn aus den Meldebüchern, die von den Inhabern der Unterkünfte geführt werden mussten, entstanden im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts regelmäßig gedruckte Kurlisten. Darin waren für einen bestimmten Zeitraum, meist eine Woche, alle Ankünfte mit Namen, Herkunftsort und Berufs- oder Standesbezeichnung aufgeführt.

          Eine halbe Millionen Namen

          Die Bücher waren damals das Who‘s Who für die internationale Gesellschaft in der Kurstadt. Denn jenseits der Linderung von Magenleiden und nervösen Zuständen spielte beim Spaziergang auf der Promenade, beim Ball oder nach dem Konzert eine ganz andere Verbindung die Hauptrolle: „Vitamin B“, wie Kai Umbach am Dienstag bei der Vorstellung der digitalisierten Gästelisten anmerkte.

          Er ist freier Mitarbeiter des Hessischen Landesamts für geschichtliche Landeskunde in Marburg, das schon die bisherigen Forschungsprojekte zur Kurgeschichte zusammen mit dem Stadtarchiv bearbeitet hat. Auch ein Heiratsmarkt seien die Kuraufenthalte gewesen, ergänzte die Bad Homburger Stadtarchivarin Astrid Krüger. Deshalb war wichtig zu wissen, wem man am Sauerbrunnen begegnen konnte.

          Vom vergilbten Band im Archiv bis zum bequemen Zugriff per Mausklick war es ein langer Weg. Vier Jahre lang haben Mitarbeiter des Landesamts 550.000 Namen mit fünf Millionen Einzelinformationen aus acht Jahrzehnten in Datenbanken eingegeben. Dabei haben sie Übertragungsfehler von den handschriftlichen Meldebüchern in die Kurlisten korrigiert, Namensschreibweisen überprüft und anschließend Verknüpfungen hergestellt. Gerade sie machen das Ergebnis zum Traum eines jeden Historikers: Wer zum Beispiel nach einem Namen sucht, bekommt eine Liste von Vorschlägen. Umbach zeigte die Möglichkeiten am Beispiel von Abu Bakar, Sultan von Johore auf der Malaysischen Halbinsel.

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