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Prominente Kurgäste : Wo der Sultan von Johore abgestiegen ist

Nicht eines der „Great Spas of Europe“

Der Eintrag zum Sultan zeigt, dass er Anfang September 1890 in Homburg ankam und im Royal Victoria Hotel abstieg. Man kann zudem weitere Aufenthalte von ihm aufrufen, sich aber auch anzeigen lassen, wer sich zur selben Zeit sowie kurz davor und danach in Homburg aufhielt. Denn womöglich hat der Sultan ja mit dem brasilianischen Gesandten Gabriel de Toledo Piza verhandelt, der in Ritter‘s Park-Hotel untergekommen war, oder beim Diner einen Plausch mit der italienischen Comtesse de Lardarel gehalten, die im September 1890 ebenfalls in der Stadt war.

Die Datenbank regt zum Stöbern an. Nicht nur, weil die ebenfalls in den Kurlisten zu findenden Anzeigen ein Kuriositätenkabinett der Angebote vom Birkenwasser-Haarpflegemittel bis zum Korsett sind. Sondern auch wegen der technischen Möglichkeiten. Auf einer dynamischen Karte sind zum Beispiel die Herkunftsorte der Homburger Kurgäste farbig markiert. Mit einem virtuellen Schieberegler lassen sich die Jahre von 1834 bis 1918 durchfahren und die Farbflächen verändern sich. Die meisten Besucher stammen anfangs aus der näheren Umgebung, die ersten aber schon aus London und Moskau. Je weiter die Zeit fortschreitet, desto mehr dehnen sich die Farbmarkierungen fast auf die ganze Welt aus – um dann gegen Ende des Ersten Weltkriegs bis auf wenige Ausnahmen auf das Gebiet des Deutschen Reiches zusammenzubrechen.

Die Karte funktioniert auch rückwärts: Man kann im Jahr 1910 auf New York klicken und bekommt die Liste mit allen 222 Kurgästen angezeigt, die von dort nach Homburg kamen. Die Gästelisten sind außerdem mit den anderen Datenbanken zur Kur verknüpft. Auf Hermann Speck von Sternburg stößt man etwa, wenn man sich für die prachtvolle Villa Kaiser-Friedrich-Promenade 103 interessiert und deshalb im Digitalen Gebäudebuch nachschlägt. Dort hat sich zu den Angaben über Eigentümer und bauliche Veränderungen die neue Rubrik „Gästeliste“ gesellt. Sie zeigt, dass sich der Botschafter aus Washington im August 1905 in der damaligen „Pension Kurpark Villa“ aufgehalten hat.

Für Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) ist das neue Angebot ein wichtiger Baustein für die Erforschung der Kurgeschichte. Die Grundlagen hatte die Stadt für die Bewerbung als Welterbe in Auftrag gegeben. Bad Homburg schied allerdings wie Wiesbaden 2016 noch in der Vorauswahl aus. Deshalb waren die beiden nicht dabei, als am vorigen Wochenende Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen von der Unesco als „Great Spas of Europe“ ausgewählt wurden. Aber mit den wissenschaftlichen Möglichkeiten der Kurstadt vor der Höhe kann nach Einschätzung von Holger Gräf, Projektleiter beim Hessischen Landesamt, niemand mithalten. „Andere haben den Welterbe-Titel, aber nur Bad Homburg hat diese Datenbank.“

Das Digitale Gästebuch ist unter der Internetadresse www.lagis-hessen.de/de/klhg erreichbar und später auch über die Seite des Bad Homburger Stadtarchivs zugänglich.

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