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Bad Homburg : Prägend für das Bild seiner Heimatstadt

Die Marktlauben hat Jacobi nostalgisch mit Fachwerk umgestaltet Bild: Jens Gyarmaty

Zu seinem 100. Todestag erinnert die Stadt Bad Homburg an den Baumeister Louis Jacobi und dessen Werke. Zeitgenossen würdigten vor allem seinen Einsatz für den Wiederaufbau der Saalburg.

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          Ihre Majestät beliebten zu baden. Die Suche nach dem Platz für die Wanne gestaltete sich allerdings als aufwendiges Verfahren. Davon zeugen die roten, flachen Kringel, die auf dem Grundrissplan des Schlossflügels in einem halben Dutzend Räumen zu finden sind. Ein jeder steht für eine Wanne. Vor allem für das Badezimmer Seiner Majestät im Archivflügel sind zahlreiche Entwürfe überliefert, die Wilhelm II. höchstselbst immer wieder verändern ließ. Am Ende prangten dort nicht die hellen Fliesen, die sich der Architekt Louis Jacobi vorgestellt hatte. Sondern Delfter Kacheln mit blauen Motiven, die das Berliner Hofbaudepot noch übrig hatte und die der Kaiser so liebte. Einige Kacheln blieben erhalten, das Badezimmer nicht. Es musste 1924 weichen, als das Finanzamt ins ehemalige Landgrafenschloss in Bad Homburg einzog.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Wer mit dem letzten deutschen Kaiser zusammenarbeitete, musste auf dessen Einspruch gefasst sein, insbesondere in Architekturdingen. Doch dem Homburger Baurat Jacobi erwies sich Wilhelm II. meist eher als Ermöglicher denn als Verhinderer. Zum 100. Todestag Jacobis ist der ungewöhnlichen Beziehung zwischen „dem abgehobenen Herrscher und dem Provinzbaumeister“ eine Ausstellung im Bad Homburger Schloss gewidmet. So beschreibt der Direktor der hessischen Schlösserverwaltung, Karl Weber, die Stellung der beiden. Um so bemerkenswerter sei das enge Verhältnis gewesen.

          Ein Telefonschrank für ungestörtes Telefonieren

          Wilhelm lag viel an Homburg, das er zu seiner Sommerresidenz machte. Dazu ließ er das Schloss modernisieren, womit Jacobi von 1892 an als Bauleiter betraut war. Beide waren von moderner Technik begeistert, und so wurden elektrische Leitungen gelegt oder in die eingangs erwähnten Bäder moderne Wasseraufbereitungsanlagen eingebaut. Auch der berühmte Telefonschrank, in dem die Kaiserin ob der schlechten Verbindung lautstark, aber ungestört mit Berlin telefonieren konnte, ist ein Werk Jacobis.

          Schon mit Wilhelms Mutter Victoria, damals noch Kronprinzessin, kam der Homburger Architekt 1870 in Kontakt. Nach ihren Vorgaben entwarf er eine Lazarettbaracke mit modernen hygienischen Standards, die 1873 bei der Weltausstellung in Wien mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde. Sie stand auf dem Exerzierplatz hinter der Kaserne, dem heutigen Finanzamt. Der elf Jahre alte Wilhelm erlebte zu jener Zeit, wie die Homburger „unter Führung des alten Jacobi“ nach „großen Siegesnachrichten“ der Kronprinzessin huldigten. Die Szene rief der Kaiser bei seiner letzten Rede in der Sommerresidenz, am 10. Februar 1918, in Erinnerung.

          „Das Geld dazu schaffe ich“

          Mit Jacobi teilte er auch die Begeisterung für Altertümer. Schon 1870 besuchte er die Ausgrabungen der Saalburg, und 1878 griff er dort sogar selbst zur Schaufel. Dem Prinzen soll die Suche dabei mit eigens vergrabenen Fundstücken etwas erleichtert worden sein.

          Als Jacobi 1897 im Selbstverlag ein Buch über das Römerkastell veröffentlichte, wurde auch der Kaiser wieder auf die Saalburg aufmerksam. Bei einem Festbankett in Wiesbaden verkündete er den Entschluss zum Wiederaufbau. Schon im Jahr zuvor soll er sich entsprechend geäußert haben. Jacobi hatte das Haupttor aus Anlass eines Naturforscherkongresses in Frankfurt aus Holz und Leinwand rekonstruieren lassen. Der Kaiser zeigte sich angetan und fragte, warum man das Tor nicht dauerhaft wiederherstelle. Jacobi führte die hohen Kosten an, doch ein zeitgenössisches Buch über den „Kaiser und die Kunst“ zitiert Wilhelm: „Das Geld dazu schaffe ich.“

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