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Bad Homburg : Prägend für das Bild seiner Heimatstadt

Die Ausstellung in Form eines Rundgangs im ersten Stock des Bad Homburger Schlosses zeigt, wie Jacobi zwei Räume zum Gelben Salon zusammengefasst hat. Er hatte den Empfangssaal „auf Allerhöchsten Befehl im Style Louis XVI. auszustatten“. Die Kunsthistorikerin Petra Tücks hat die Entwürfe dafür auf Karten ziehen lassen. Damit können Besucher die Zeichnungen Jacobis in die Hand nehmen und die Übereinstimmung mit den tatsächlich verwirklichten Ornamenten prüfen. Einen Vergleich ermöglichen auch zwei fast identische Bilderpaare. Sie zeigen jeweils den Homburger Landgraf Friedrich V. (1748–1820) und Landgräfin Caroline. Die Originale hatten sich im Besitz von Jacobi befunden. Er ließ 1905 durch Hermann Verwiebe Kopien anfertigen. Die Originale schenkte er dem Kaiser für den Gelben Salon, die Kopien behielt er selbst.

Dem Baumeister begegnet man noch heute auf Schritt und Tritt

Die Verbindung zum Kaiser beförderte natürlich Jacobis Ansehen in der Stadt Homburg, für die er sich aber auch in zahlreichen Positionen – vom Lehrer in der von ihm mitbegründeten Handwerksschule bis zum Feuerwehrhauptmann – engagierte. Seinem Einfluss auf die Stadtgestaltung widmet sich eine zweite Ausstellung in der Stadtbibliothek. Die Architektin Ruxandra-Maria Jotzu hat dafür exemplarische Kapitel gewählt. „Verwandlungen“ etwa zeigt an Entwürfen und Fotos, wie Jacobi im Bestand gearbeitet und zahlreiche der alten, zweigeschossigen Häuser zu repräsentativen Bauten umgestaltet hat. Stilistisch ging er dabei durch mittelalterlich anmutendes Fachwerk und angesetzte Türmchen oft hinter den Baustil der Originalhäuser zurück. Die Marktlauben sind ein Beispiel für den nostalgischen Charakter vieler Entwürfe.

Das Kaiser-Wilhelms-Bad ist das noch immer in alter Pracht zu bewundernde repräsentative Hauptwerk Jacobis. Doch in manchen Hinterhöfen finden sich auch Kutscherhäuser oder ehemalige Ställe, die von ihm entworfen wurden. Diese Häuser der zweiten Reihe sind unter dem Titel „Im Hintergrund“ zusammengefasst. Für alle Religionsgemeinschaften ist der Baumeister tätig gewesen. Das Schiff der evangelischen Kirche in Gonzenheim, die katholische Friedhofskapelle am Gluckensteinweg oder die Trauerhalle des jüdischen Friedhofs sind sein Werk. Neu hat ihm Jotzu die Ruhestätte der Familie des Hoffotografen Voigt auf dem evangelischen Friedhof zugeschrieben. Auch die Ausstellung in der Stadtbibliothek stellt, etwa für die Villa Hammelmann an der Louisenstraße, Entwurf und gebaute Wirklichkeit gegenüber.

Demnächst erscheint ein Stadtplan Bad Homburgs, in dem nur die wichtigsten Jacobi-Bauten eingezeichnet sind. Die Legende weist 53 Einträge auf. So begegnet man dem Baumeister noch heute auf Schritt und Tritt. Den Zeitgenossen ragte ein Werk jedoch hervor. Die Zeitungsmeldung über seinen Tod am 24. September 1910 würdigte Louis Jacobi als „Wiedererbauer der Saalburg“.

Beide Ausstellungen dauern bis zum 31. Oktober. Das Landgräfliche Schloss ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr zugänglich. Die Stadtbibliothek, Dorotheenstraße 20-24, ist dienstags, mittwochs und freitags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags von 11 bis 18 Uhr und samstags von 11 bis 14 Uhr geöffnet.

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