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Bad Homburg : Großes Tennis nur im Kurpark

Im Zeichen des Schlägers: Marktstände an einem der drei „Foto-Points“ für das Tennisturnier Bad Homburg Open Bild: Frank Röth

Zur Wimbledon-Vorbereitung treffen sich die Top-Spielerinnen in der Kurstadt Bad Homburg. Aber das Begleitprogramm muss wegen der Pandemie begrenzt bleiben.

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          Die junge Frau mit dem großen Tennisrucksack und ihr grau gelockter Begleiter mit der Kappe sind keine auffällige Erscheinung. Im legeren Sportdress gehen sie am Morgen die Kisseleffstraße hinunter Richtung Kurpark. Dort kämpfen von Sonntag an zwar Weltklasse-Spielerinnen wie Angelique Kerber, Simona Halep, Petra Kvitová, Wiktoryja Asaranka und Sloane Stephens bei den Bad Homburg Open um Weltranglistenpunkte und das Preisgeld, bevor es gleich im Anschluss weiter nach Wimbledon geht.

          Bernhard Biener
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Aber die vom Turnier nicht belegten Sandplätze des Tennisclubs Bad Homburg werden auch jetzt von dessen Mitgliedern genutzt. Vielleicht hätte man sich die vermeintliche Amateurspielerin dennoch genauer anschauen sollen: Denn wie sich herausstellt, hat sie eine Zugangsberechtigung, der Sicherheitsmann lässt sie an der gesperrten Straße passieren. Und haben sie und ihr mutmaßlicher Trainer nicht Englisch miteinander gesprochen?

          Es ist die Chance auf Zufallsbegegnungen mit den Stars, die ein Ereignis wie das erstmals in Bad Homburg ausgetragene WTA-Turnier für Freunde des Sports zu einer reizvollen Angelegenheit macht. Außer der Leistung auf dem Platz natürlich. Lange war nicht klar, ob wegen der Pandemie überhaupt Zuschauer auf dem Turniergelände, auf dem der Centre Court mehr als 3500 fasst, dabei sein können. Erst seit Anfang des Monats steht fest, dass 600 am Tag zugelassen werden. Viele Fans, die im Vorjahr ein Ticket gekauft haben, mussten auf 2022 vertröstet werden, sofern sie nicht das Geld zurückhaben wollten.

          Die Einschränkung führt dazu, dass man außerhalb des Kurparks wenig vom Turnier merkt. Selbst der Verkehr ist kaum beeinträchtigt, weil die überschaubare Zuschauerzahl keine größeren Umleitungen oder einen Pendelbusverkehr erforderlich macht. Was natürlich den Ärger im Kleinen nicht ausschließt. „So ein Aufwand für ein bisschen Tennis“, schimpft eine Frau mit Walkingstöcken, als sie am Paul-Ehrlich-Weg wegen der vielen Transporter auf die Straße ausweichen muss. Dort wird gerade das Catering angeliefert.

          Citymanagerin Tatjana Baric hatte sich mit den Kolleginnen vom Stadtmarketing einiges überlegt, um Tennisatmosphäre in die Innenstadt zu tragen. Die Übertragung von Spielen auf Großleinwand, Late-Night-Shopping, ein „Aperitivo-Markt“ zum lockeren Ausklingen des Tages: Der Name Wimbledon regt die Phantasie an. „Wir waren schon 2020 weit in der Planung vorangekommen“, sagt Baric. Dann musste das Turnier ganz abgesagt werden. Und bewusst größere Menschenmengen anzulocken, lässt auch jetzt der Kampf gegen das Virus nicht zu.

          Die Stoff-Aufsteller mit Tennismotiven muss man suchen

          Aber es gibt einen ersten Aufschlag – um im Bild zu bleiben: Turnierfahnen künden am Rathaus und vor dem Kurhaus neben jenen in Bad Homburger Blau-Weiß von dem großen Sportereignis. Die von der Stadt für die Geschäfte bereitgestellten Stoff-Aufsteller mit Tennismotiven muss man hingegen suchen. Im Louisen-Center und in den Louisen-Arkaden steht je einer, und in Letzteren ist sogar eine kleine Ausstellung auf bedruckten Bahnen zu sehen, die einen Grund für den Zuschlag des Turniers vor Augen führt. Ein Holzstich Tennis spielender Damen im Jahr 1885, ein 1904 entstandenes Gemälde Sport treibender Kurgäste und Farbaufnahmen des Fed-Cup-Turniers von 1973 künden von der längsten Tennisgeschichte in Deutschland.

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          Auf den Plätzen entlang der Fußgängerzone gibt es drei „Foto-Points“, an denen man sich in eine lebensgroße Barbie-Geschenkpackung stellen oder mit einem fest montierten Tennisschläger im Hechtsprung fotografieren lassen kann. Hauptsache, das Bild landet schnell im Internet. An diesem Freitag sind die grünen Toto-Wände wegen der Marktstände nicht so gut zu sehen. Dafür ist viel Betrieb in der Fußgängerzone, wo man mittlerweile trotz der Schilder im Freien keine Maske mehr tragen muss.

          Ein bisschen Werbung für Bad Homburg

          Dass die Kunden zurückkehren, ist auch für Eberhard Schmidt-Gronenberg, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Bad Homburg und Inhaber des Modehauses Halbach, derzeit die wichtigste Nachricht. „Die Leute haben Nachholbedarf.“ Dass sich das Tennisturnier direkt auf den Umsatz auswirke, sei gerade in diesem Jahr unrealistisch, meint er. „Aber es ist ein super Imageträger und wird sich langfristig bemerkbar machen.“ In dem Sportkanal, in dem die Spiele übertragen werden, falle schon jetzt ständig der Name Bad Homburg. „Im Schlepptau des Turniers sorgt das für eine gute Werbung.“ Wenn es im nächsten Jahr ohne Einschränkungen stattfinden könne, sehe alles noch einmal ganz anders aus.

          Das erwartet auch Uwe Eyles. Er ist Vorsitzender des Bad Homburger Tennisclubs, der jetzt einen Rasenplatz nach Wimbledon-Standard hat. Für den täglichen Spielbetrieb ist es wichtiger, Ersatz für die weggefallenen Sandplätze gefunden zu haben. Denn die Verträge der Bad Homburg Open laufen für fünf Jahre. Eyles bedauert die Beschränkung der Zuschauerzahl. „Aber das ist besser als nichts.“ 2022 werde das Turnier hoffentlich unter Volllast laufen können. „Dann wird auch außerhalb der Courts noch viel mehr los sein.“

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