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Bad Homburg : Bahnhofsviertel als Dorado für Investoren

Bild: F.A.Z.

Der vom Magistrat beschlossene Rahmenplan für den Bad Homburger Entwicklungsschwerpunkt lässt alte Wünsche wahr werden. „Bis der gesamte Plan verwirklicht ist, kann es ein Jahrzehnt dauern“, gibt das Stadtoberhaupt aber zu bedenken.

          Das Rathaus bleibt stehen. Das seit Jahrzehnten versprochene Kino- und Diskoangebot für Jugendliche ist zumindest ebenso eingezeichnet wie ein Horex-Museum. Und mittelfristig könnten die Stadtverordneten in einem neuen „Forum“ neben der ehemaligen Bundesschuldenverwaltung tagen: Nimmt man die privaten Gewerbebauten hinzu, bedeutet die vom Magistrat jetzt beschlossene Variante des städtebaulichen Rahmenplans für das Bahnhofsumfeld Investitionen in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrags. Die Grundsatzentscheidung, ob ein Neubau günstiger wäre als eine Grundsanierung des 30 Jahre alten Rathauses, hat das Gremium zugunsten des bestehenden Baus getroffen. Die Sanierung sei mit 22 Millionen Euro weniger kostspielig als ein je nach Energiestandard 33 Millionen bis 39 Millionen Euro teurer Neubau, sagte gestern Oberbürgermeister Michael Korwisi (Die Grünen).

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Die oberen vier Bürogeschosse des Rathauses sollen seinen Worten nach bis auf den Rohbau freigelegt werden. „Auch die Fassade wird hinterher anders aussehen“, versprach Korwisi „als alter Bad Homburger“. Bei der Entscheidung habe eine wichtige Rolle gespielt, dass die Nutzung bei einer Gebäudeaufgabe unklar sei. Die Scharnierfunktion der Rathaus-Ladengalerie zwischen Louisenstraße und Bahnhof könnte eventuell wegfallen. „Diese ist aber besonders wichtig“, sagte Korwisi.

          Platz für weitere Gebäude

          Die Verhältnisse blieben allerdings auch bei einer Sanierung beengt. Deshalb solle die frühere Schuldenverwaltung an der Bahnhofstraße mehrere Fachbereiche aufnehmen. Korwisi könnte sich das unter Denkmalschutz stehende Bürogebäude aus den fünfziger Jahren als „Technisches Rathaus“ für die Bauverwaltung sowie die Kulturabteilung vorstellen. Das Stadtarchiv soll dort ohnehin einziehen.

          Schon nach 30 Jahren ein Sanierungsfall: Rathaus in Bad Homburg

          Auf dem Gelände der einstigen Schuldenverwaltung, das der Stadt ebenso gehört wie der Bahnhof selbst, ist Platz für weitere Gebäude. Anstelle des nicht geschützten, jüngeren Anbaus sieht der Entwurf den Bau eines Forums vor, der Sitzungssaal, Fraktionsräume und im Untergeschoss Lagerräume für das Stadtarchiv aufnehmen könnte. Dies betrachtet der Oberbürgermeister aber eher als mittelfristiges Vorhaben. Wo sich heute noch das Tresorgebäude der Schuldenverwaltung befindet, ist ein „Eventcenter“ für Kino, Veranstaltungssaal oder Gastronomie eingezeichnet.

          Auch die noch größere Fläche der Bad Homburger Post ist jetzt in städtischem Eigentum. Das Gebäude soll abgerissen werden. An der zum Bahnhofsplatz gelegenen Grundstücksseite ist mit „Jugend“ der Ort für ein „Move&Groove-Center“ markiert. Was alles dazugehören könnte - Disko, Skaterhalle, Kletterhalle, Übungsräume für Musikgruppen -, ist noch der Phantasie der Kommunalpolitiker überlassen. Der Platz reiche, um dort auch wieder die Post unterzubringen, sagte Korwisi. Sie solle möglichst an dieser zentralen Stelle bleiben. Direkt dahinter könnte ein Parkhaus mit 500 Plätzen stehen, um tagsüber von Pendlern und abends von Besuchern der neuen Attraktionen genutzt zu werden. Eine Optionsfläche ist noch unbeplant, und stadtauswärts schließt sich ein Areal der Basler Versicherungen an, die schon länger über den Bau eines Hotels, vielleicht ergänzt um Büros und Parkhaus, nachdenken.

          „Bis zur Verwirklichung kann es ein Jahrzehnt dauern“

          Für die Sanierung des Bahnhofs ist der Bauantrag schon eingereicht worden, und der Vorplatz sollte nach Ansicht des Oberbürgermeisters bis 2013 ebenfalls fertig werden. Dort soll es keine oberirdischen Parkplätze mehr geben, dafür ein Fahrradparkhaus für 200 Zweiräder. Konkreter wird es auch im neuen Gewerbegebiet auf der Bahnhofssüdseite: Neues Element ist ein Parkhaus für 420 bis 450 Autos in der Senke neben der Horexbrücke. Für die andere Seite des Güterbahnhofs, dessen Sanierung begonnen hat, gibt es erste Entwürfe für ein Museum. Es soll an die einst in der Nähe produzierten Horex-Motorräder erinnern und könnte nach Worten Korwisis von der Lautenschläger Güterbahnhof GbR privat gebaut werden, an der auch Peter Löw beteiligt ist. Die Stadt wäre dann Mieter der Museumsräume. Korwisi rechnet damit, dass das anschließende Gewerbegebiet Süd in den nächsten zwei Jahren vermarktet ist. Neben dem alten Lokschuppen sei ein neues Bürogebäude geplant, für das man auf den Bauantrag warte. Einen Mieter gebe es.

          Manche der Projekte - Bahnhof und Güterbahnhof, Rathaus und Lokschuppen - sollen binnen zwei bis drei Jahren abgewickelt werden. „Bis der gesamte Rahmenplan verwirklicht ist, kann es ein Jahrzehnt dauern“, sagte Korwisi.

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