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Babenhausen : Die Stadt, das Schloß und eine unendliche Geschichte

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Mehr als bei Belagerungen vor Jahrhunderten, als das Babenhäuser Schloß noch eine Burg war, das dann zu einem stark befestigten Wasserschloß umgebaut wurde, hat es jetzt neue Widrigkeiten zu bestehen.

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          Mehr als bei Belagerungen vor Jahrhunderten, als das Babenhäuser Schloß noch eine Burg war, das dann zu einem stark befestigten Wasserschloß umgebaut wurde, hat es jetzt neue Widrigkeiten zu bestehen. Denn es fehlt sogar das Geld, um den Winter über zu heizen. Bürgermeister und Stadtverordnetenversammlung haben jetzt einen lauten Hilfeschrei ausgestoßen und als Sündenbock die Hessische Landesbank (Helaba) ausgemacht. Sie wolle das Schloß, das im Laufe der Jahre zu einem großen geschlossenen Komplex mit Elementen aus Spätgotik, Renaissance und Barock gewachsen sei, mittelalterliche Wandmalereien und eine spätromanische Säulenhalle enthalte, seinem Schicksal überlassen. Das Geldinstitut verhalte sich frühkapitalistisch, so der Bürgermeister.

          Dabei ist die Helaba nicht der Eigentümer, nicht einmal Vermieter, sondern die größte Gläubigerbank, die in den vergangenen Jahren, wie ihr Sprecher sagte, "einen großen sechsstelligen Betrag" in den Erhalt fließen ließ. Das Schloß gehört derzeit eigentlich niemandem, denn Ende 2000 war der letzte Besitzer, ein renommierter Darmstädter Arzt, gestorben. Eugen Wolpert hatte viel Geld und Engagement in die Anlage gesteckt. Seitdem kümmert sich ein Nachlaßverwalter um das Objekt. Handwerksrechnungen sollen nicht bezahlt worden sein, die Banken fordern ihr Geld und sehen keinen Anlaß mehr, jährlich rund 15 000 Euro in die Energieversorgung zu stecken. Die Miete, die einige wenige Büros, die noch im Inneren arbeiten, einbringen und die nach Kürzungen auch noch geringer ausfällt, deckt seit langem nicht mehr die aktuellen Kosten. Die Helaba beklagt sich, daß getan werde, als ob ein Rechtsanspruch darauf bestehe, daß sie weiterhin für Rechnungen aufzukommen habe, die der Nachlaßverwalter Joachim Stumpf einreiche.

          Stumpf ist vom Gericht eingesetzt. Doch auch ihm gelingt es nicht, die Zukunft der Schloßanlage zu sichern. Alle Versuche seit 2001, neue Eigentümer und ein Nutzungskonzept zu finden, schlugen fehl und tragen zu der seit langem anhaltenden Ratlosigkeit bei. Zunächst hatte es Bestrebungen gegeben, daß die Stadt die gesamte Anlage kaufen und drei Viertel an eine andere Gesellschaft abgeben solle. Inzwischen hält die Stadt jeweils 500 000 Euro in ihrem Haushalt bereit, um bis zu 25 Prozent zu erwerben. Eine Koalition zerbrach, eine Bürgermeisterwahl hatte das Schloß zum Thema, doch voran ging nichts. Eine seltsames Kapitel war die Idee einer sogenannten "Europäischen Instandhaltungsuniversität" mit Sitz im Schloß und 1000 Studenten. Zuerst wollten die Versammlung von emeritierten Professoren das Schloß zu 100 Prozent erwerben, dann zu einem Viertel, dann wollten sie es zur Miete, schließlich unentgeltlich und dann gar nicht mehr. Sie setzten sich ohne Adresse ab und hinterließen in ihrem Büro im Schloß nur die von einer Brauerei überlassenen Möbel.

          Ein Nutzungskonzept für das Schloß blieb immer vage. Die Stadt wollte einige repräsentative Gebäudeteile wie Säulenhalle und Kapelle nutzen, es war die Rede von Wohnungen und Büros für Architekten oder Steuerberater sowie von gastronomischen Betrieben. Die Hauptgläubigerbank wolle stillhalten, wenn es Aussicht auf eine Entscheidung gebe, sagte Nachlaßverwalter Stumpf.

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