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Ausstellung über Sterben : „Drüben ist jeder irgendwann“

Einblicke: Die Schau kombiniert Gemälde und Texte übers Sterben. Bild: Rainer Wohlfahrt

Die Hospizhilfe der Hanauer Luther-Stiftung will das Sterben offen thematisieren. Für eine ungewöhnliche Ausstellung hat sie einen bekannten Liedermacher und einen Maler gewonnen.

          Leer steht ein Stuhl am Ufer des Meeres. Der Mensch, der darauf einmal gesessen hat, ist fort. Für sein Bild wählte der Maler Anselm Prester ganz zarte Pastelltöne. Sie passen zu den Zeilen, die unter dem Gemälde stehen: „Drüben ist Ruhe. Drüben ist Frieden. Drüben sind alle gleich. Drüben ist jeder irgendwann. Drüben kommt jeder sicher an.“

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Die Sätze stammen von dem Liedermacher Rolf Zuckowski. Er ist zwar vor allem für seine fröhlichen Kinderlieder bekannt, doch schrieb Zuckowski auch viele einfühlsame Liedtexte für Erwachsene. Noch vor wenigen Wochen kannten sich die beiden Künstler nicht, doch jetzt gestalten sie gemeinsam ein Projekt des Ambulanten Hospizdienstes der Hanauer Martin-Luther-Stiftung.

          Das Thema soll aus dem Schatten geholt werden

          Zusammengebracht hat die beiden deren Leiterin Kerstin Slowik, unter deren Federführung vor gut zehn Jahren der Hospizdienst der Stiftung aufgebaut wurde. Heute besteht er aus rund 50 geschulten ehrenamtlichen Kräften und drei festangestellten Mitarbeitern. Etwa 400 sterbende Menschen im Main-Kinzig-Kreis haben sie nach Angaben von Thorsten Hitzel, Vorstandvorsitzender der seit 130Jahren bestehenden Stiftung der Altenpflege, bisher begleitet.

          Die Begleitung Sterbender und ihrer Angehörigen ist laut Slowik eine sehr ernste und schwere Angelegenheit. Doch gebe es auch eine leichte Seite, Sterben habe stets auch mit dem Leben zu tun.

          Die Idee der Diakonin und Sozialpädagogin war es, „das Thema aus dem Schatten zu holen“, wie es Hitzel ausdrückt. In den Sinn kam ihr ein Projekt, zu dem die einfühlsamen Bilder des Inselmalers Anselm Prester genau passen würden. Den Künstler kennt Slowik schon seit Kindertagen, als sie während der Ferien mit ihren Eltern auf der Insel Langeoog an seinen Malkursen teilnahm. Anselm sei sofort einverstanden gewesen. Mit dem Sänger Zuckowski war Slowik noch nicht bekannt. Sie fragte bei ihm an, ob sie Textstellen aus seinen Liedern für ihr Vorhaben verwenden dürfe. Irgendwann hatte sie dann seine Zusage auf dem Anrufbeantworter.

          Finanzielle Unterstützung von der Diakonie Hessen

          Zuckowski sei sofort Feuer und Flamme gewesen, an dem Projekt teilzunehmen, das inzwischen auch einen Namen hatte. „Gemeinsam gehen“ nannte Slowik ihr Vorhaben, anlehnend an ein Bild Anselm Presters, das zwei alte Menschen zeigt, wie sie in Harmonie am Strand entlangwandern. Im April trafen sich die drei auf Langeoog und entwickelten das Konzept. Finanzielle Unterstützung leistete die Diakonie Hessen.

          An diesem Sonntag soll das Ergebnis öffentlich zu sehen sein. Beim Gottesdienst in der Johanneskirche an der Frankfurter Landstraße in Hanau wird die Ausstellung um 10.30 Uhr mit 13 Schautafeln, Bildern und Texten eröffnet. Dort bleibt sie drei Wochen lang und soll Thema sein im Gemeindeleben, etwa in Gruppenstunden und Besprechungen. Mitarbeiter des Hospizdienstes stehen zu bestimmten Zeiten für den persönlichen Austausch in der Kirche bereit. Gesprochen werden soll nicht nur über Sterbebegleitung, sondern auch über weitere Stationen des Abschiednehmens und über die Werte, die Menschen in ihrem Leben in den Mittelpunkt stellen. Anschließend wird die Ausstellung an Pflegeeinrichtungen, Kirchengemeinden, Hospize und andere Sozialdienste gegen einen Unkostenbeitrag ausgeliehen. Zum Projekt gehören Begleitheft, Gästebuch und Materialien für die Öffentlichkeitsarbeit. Für die Kirchen gibt es außerdem den Entwurf eines Gottesdienstes, der sich an der biblischen Geschichte der Emmaus-Jünger im Lukasevangelium orientiert. Zwei Jünger sind in Trauer um den toten Jesus unterwegs und erfahren Begleitung, ohne zu realisieren, dass der so schmerzlich Vermisste an ihrer Seite ist.

          Am 16. Juni wird die Ausstellung beim Nordhessischen Hospizforum der Diakonie Hessen in Hofgeismar gezeigt. Anselm Prester und Rolf Zuckowski werden dann dabei sein. Anschließend geht die Ausstellung auf die Insel Langeoog.

          Informationen unter Telefon 06181/2902146.

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