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Lacrosse im Schulsport : Auspowern wie die Ureinwohner

Die Schüler der Bischof-Neumann-Schule in Königstein freuen sich über die willkommene Abwechslung im Sportunterricht. Bild: Samira Schulz

An einem Königsteiner Gymnasium lernen Jugendliche jetzt eine schnelle Ballsportart und freuen sich über die Abwechslung. Lacrosse kommt aus Nordamerika, hat aber auch einen katholischen Bezug.

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          Die Sportstunde beginnt ganz normal. Treffen in der Halle, die Lehrerin ruft: „Wir gehen raus!“ Knapp 20 Schülerinnen und Schüler des ersten Oberstufenjahrs tragen Tore, Hütchen und Bälle auf den Sportplatz der Bischof-Neumann-Schule. Nur die Schläger, die Sportlehrerin Marion Schrod-Heine aus dem Geräteraum geholt hat, sehen ungewöhnlich aus: ein langer schwarzer Griff mit einem beigefarbenen Netz am Ende. Ein bisschen wie ein unten geschlossener Mini-Basketballkorb an einer Mischung aus Hockey- und Tennisschläger. Seit Kurzem lernen die Königsteiner Gymnasiasten im Sportunterricht nicht nur die üblichen Ballsportarten, sondern auch: Lacrosse.

          Florentine Fritzen
          Korrespondentin im Hochtaunuskreis

          Auf dem roten Sportplatzbelag stehen sich immer zwei Jugendliche gegenüber und passen einander zum Aufwärmen einen Tennisball zu. Der wird aus dem Schläger mit beiden Armen wie aus einem Katapult geschleudert – und der andere fängt. Eigentlich geht Lacrosse mit Hartgummibällen, aber die nimmt Schrod-Heine nicht, falls jemand einen abkriegt. Die Schläger in Schwarz und Neongelb sind etwas länger als einen Meter und heißen Sticks.

          Geschick wichtiger als Kraft

          Die Schülerinnen und Schüler sind im ersten Oberstufenjahr, was an dem G8-Gymnasium in katholischer Trägerschaft der zehnten Klasse entspricht. Die Lehrerin, die auch die Schulhockey-Mannschaft betreut, beobachtet. Gute Hockey- und Tennisspieler haben einen Vorteil wegen des Ballgefühls. Aber Jungs haben keinen gegenüber Mädchen, denn es geht mehr um Geschick als um Kraft. Auch das Fangen lasse sich erstaunlich schnell lernen, berichtet die Lehrerin.

          Als Nächstes trainieren die Schüler, aufs Tor zu zielen. Die Mädchen tragen Kapuzenpullis und Leggings, die Jungen Shorts und Shirts. In einer Übung greifen immer vier an, drei verteidigen, einer ist Torwart. Nach dem Angriff rückt das nächste Viererteam nach, sodass jeder schnell wieder dran ist. Beim Lacrosse, sagt die Lehrerin, könnten sich die Jugendlichen auspowern. Das sei gerade am Ende der Corona-Zeit wichtig.

          Die Schläger warten auf ihren Einsatz.
          Die Schläger warten auf ihren Einsatz. : Bild: Samira Schulz

          Der Name des Spiels kommt aus seiner Geschichte, und wie lang diese ist, lässt sich sogar in einem Lucky-Luke-Comic studieren. Im Band „Martha Pfahl“ spielt Lucky Kid mit Indianerkindern Lacrosse – ein Kampfspiel der Ureinwohner an der Ostküste des heutigen Kanadas und der USA. Die Schläger erinnerten französische Missionare an Bischofsstäbe, und die heißen auf Französisch „La Crosse“.

          Der katholische Bezug war aber nicht der Grund, warum Schrod-Heine den bis heute hauptsächlich in Nordamerika verbreiteten Sport an die Bischof-Neumann-Schule holte. Vielmehr begann es damit, dass sie ein privates Foto sah: Eine Freundin, ebenfalls Sportlehrerin, spielte in der Freizeit neuerdings Lacrosse. Schrod-Heine nahm Kontakt zum Deutschen Lacrosse Verband auf. Der hielt einen Workshop an der Schule, alle sechs Sportlehrerinnen und Sportlehrer machten mit. Die Schulvariante lässt sich gut in gemischten Teams spielen und auch in kleinen Mannschaften, schon zu dritt.

          Nach den Übungen macht der Kurs ein echtes Spiel. Die Mannschaften werden gewählt, „zuerst die Mädchen“. Wie beim Eishockey ist es erlaubt, auch hinter das Tor zu rennen, aber es gibt einen mit Hütchen markierten Kreis rundherum, in den nur der Torwart darf. Im Korb am Schläger darf ein Ball über den gesamten Platz getragen werden, aber die anderen dürfen dagegen schlagen, um ihn zu bekommen.

          Wer den Ball am Boden mit seinem Korb bedeckt, „covert“ ihn: Die anderen treten zurück, der Spieler schaufelt den Ball mit Schwung in den eigenen Stick. Den Ball anzufassen ist verboten. Die Jugendlichen nennen Lacrosse eine willkommene Abwechslung. „Wir waren ehrlich gesagt überrascht“, sagt ein Mädchen, „eher positiv überrascht.“ Seit der fünften Klasse hätten sich gefühlt immer wieder Einheiten von Basketball, Handball und Fußball wiederholt.

          „Meinungsverschiedenheiten ausgefochten“

          An Lacrosse gefällt mehreren Schülerinnen, dass alle dasselbe Niveau hätten, weil noch niemand Erfahrung mit der Sportart hatte. Die Schule ist die einzige im Hochtaunuskreis, die sie anbietet. Viele machten in der Freizeit Sport – Schwimmen, Downhill-Fahren zum Beispiel. Da sei Lacrosse eine gute Ergänzung. Das sieht auch Schrod-Heine so, weil Lacrosse die Koordination schule. Ein Junge hat kürzlich im Sporttheorie-Unterricht ein Referat über Lacrosse gehalten. Die indianischen Stämme hätten es Baggataway genannt, erinnert er sich. „Sie haben damit Meinungsverschiedenheiten ausgefochten, dabei sind auch Leute umgekommen.“

          Im Profi-Lacrosse spielen die Männer mit Gitterhelmen. Dabei geht es auch körperlich zur Sache. Die am Frauen-Lacrosse orientierte Schulvariante funktioniert ohne Körperkontakt, sodass die Jugendlichen keine Schutzausrüstung brauchen. Nur ein Schüler nennt das Schul-Lacrosse daher „etwas langweilig“. Andere finden es „schon ziemlich cool“, Schulsport mit einer ganz neuen Ausrüstung zu machen.

          Den Klassensatz von 30 Sticks hat der Verein der Freunde und Förderer des Gymnasiums finanziert, wie auch den Workshop-Nachmittag der Sportlehrer. Nächste Woche endet die Unterrichtseinheit für den Kurs mit einem Abschlussturnier auf dem Fußballplatz in Königstein. Wie im professionellen Lacrosse treten dann zehn gegen zehn Spieler an. Die Sportlehrerin freut sich darauf. „Das Schöne am Lacrosse ist, dass alle immer in Bewegung sind.“

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