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Ausflugstipp: Teufelsmühle im Vogelsbergkreis : Als hätte der Teufel das Fachwerk gebaut

  • -Aktualisiert am

Ein Tag im Grünen: Am Wochenende soll gutes Wetter werden, da bietet sich ein Ausflug an. Bild: dpa

Am Wochenende gehören Regenschirm und Gummistiefel eingemottet: Es soll sonnig werden. Unser Tipp: Eine Wanderung zum historischen Fachwerkhaus „Teufelsmühle“ in Grebenhain.

          3 Min.

          Das konnte nur das Werk des Teufels sein - ein Fachwerkgebäude, so kunstvoll gefügt, dass dort der Leibhaftige menschlichen Hochmut in die Schranken gewiesen haben muss. Wer sonst hätte auch so eine außergewöhnlich reich und komplex ausgearbeitete Folge an hölzernen Rauten, Kreis- oder Andreaskreuzmotiven schaffen können, wenn nicht ein Baumeister mit übernatürlichen Fähigkeiten, zumal dort in einem abgelegenen Winkel des nordöstlichen Vogelsbergs. Tatsächlich gibt es für die „Teufelsmühle“ am Rande von Ilbeshausen-Hochwaldhausen, einem Teil der Gemeinde Grebenhain, kein vergleichbares Bauwerk. Nach zweijähriger Restaurierungsarbeit ist dieses seit 1904 unter Denkmalschutz stehende Balkenwunderwerk nun wieder in ganzer Schönheit zu betrachten.

          Wie und warum sich ein Müller dieses als Sichtfachwerkbau angelegte Haus errichtete, löste schon viele Spekulationen aus. Allein der Verzicht auf die früher wegen der rauhen klimatischen Bedingungen üblichen Schindeln muss den Nachbarn wie Gotteslästerung erschienen sein. Eine Erklärung könnte im ursprünglichen Besitz der zum hessischen Uradel gehörenden Freiherren von Riedesel liegen, die das Anwesen 1630 „Claes Tuveln zu Ilbeshausen“ zu Lehen gaben, mit der Auflage, es „in gutem Bau und Besserung zu halten“. Einem seiner Nachfolger muss dies nicht nur Pflicht, sondern auch Herausforderung gewesen sein, als er 1691 das Gebäude grundlegend erneuern ließ.

          Dafür wurde mit dem Baumeister Hans Muth aus Lauterbach ein Mann von überregionalem Ruf beauftragt. Dass er seine Lehr- und Wanderjahre auch in Thüringen verbrachte, könnte seinen Niederschlag in dem für Vogelsberg-Verhältnisse ungewöhnlichen Formenreichtum gefunden haben. Durch einen kleinen Vorsatz des Obergeschosses werden die umlaufenden Brüstungsfelder mit ihren geometrischen Formen noch stärker akzentuiert. Jede tragend-konstruktive Rolle der Balken scheint aufgehoben zugunsten einer ästhetisierenden Wirkung.

          Ob Baumeister Muth auch die mit Renaissance-Elementen wie Pilastern und angeschnittenen Rosetten aufwartende Eingangstür in den Bau integrierte oder dieses prachtvolle Portal erst später im historisierenden Stil entstand, harrt noch abschließender Untersuchungen. Oder war es doch der Teufel, der in der Umgebung von Ilbeshausen nicht zuletzt in ungewöhnlichen Felsformationen wie der steinernen Teufelskanzel fortlebt?

          Wegbeschreibung

          Beginn ist in dem auch mit dem Bus erreichbaren Hochwaldhausen, dem jüngsten Ortsteil der Großgemeinde Grebenhain. Im Zentrum der seit 1903 aus Kur- und Klinikeinrichtungen erwachsenen Siedlung liegt ein großer Parkplatz. Wahlweise lässt sich etwas ausgedehnter über die Uhuklippen beginnen oder kürzer: Dann geht man mit dem Zeichen rotes Kreuz in die nach dem Ortsgründer Jean Berlit benannte Straße und weiter über ihr Ende in den Wald und damit zum ungezähmten Schwarzen Fluss.

          Holt man weiter aus, läuft man die Waldstraße entlang und mit ihr rechts in Richtung Sportplatz (auch dort viel Parkraum). Noch vor dem Fußballfeld biegt man links mit dem Vogelsberg-Vulkanring in ein unscheinbares Pfädchen. Seine beiden hintereinandergestellten V kreuzen kurz darauf eine Straße und kommen nach Links-rechts-links-Abzweigen den Uhuklippen näher. Auf stattliche 500 Meter zieht sich die streckenweise wie ein erstarrter Wasserfall wirkende Felswand.

          Der Wanderweg ist elf, beziehungsweise mit Besuch der Teufelsmühle 14 Kilometer lang. Bilderstrecke

          Abermals wird zweimal abgebogen, dann fädeln wir uns rechts in den parallel zum Schwarzen Fluss verlaufenden Weg ein. Das leichte Hinan setzt man nun mit dem Bonifatiusweg fort. Zu beachten ist eigentlich nur der baldige Wechsel ans linksseitige Ufer, was nichts am Bergan durch ausnehmend dichte Vegetation ändert. Erst nach zwei Kilometern am sogenannten Flößerhaus, schwenken wir mit der fortan maßgeblichen Markierung roter Ring links ab und kurz darauf nochmals links.

          Nach Laubwaldungen überraschen nun verstärkt mächtige Fichten, die sich hier auf der Leeseite des Oberwaldes gut halten. Nur zweimal ändert das Zeichen beim allmählichen Hinab die Richtung: Auf einen Linksabzweig folgt einige hundert Meter weiter ein Rechtsschwenk. Lange geht es beschwingten Schrittes durch mächtige Baumbestände voran, bis nach gut zwei Kilometern eine Waldwiese ein Stoppsignal setzt. Hier biegen wir - vorbei an einer Schutzhütte - links ab in Richtung Hochwaldhausen; angezeigt ist auch ein Historischer Rundweg. Das so angenehm Hinabgelaufene muss nun wieder rückgebucht werden, ohne dass es zu steil würde.

          Der breite Forstweg endet oben an einer Kreuzung vor dem Spitzen Stein. Diese ausgedehnte Felsformation können wir mit dem wieder aufgetauchten Vulkanring quer durchmessen oder auch auf dem Hauptweg umgehen. Ausgangs der Basaltgruppe zeigt das doppelte V gegenüber in einen etwas verdeckten Weg, der sich aber bald weitet und - vorbei am Naturdenkmal der „Teufelskanzel“ - auf das bereits zwischen den Bäumen sichtbare Hochwaldhausen zuführt. Kurz vor den ersten Häusern knickt das Zeichen links über den Schwarzen Fluss ab und schließt die Runde nach dem Rechtsabzweig gen Waldausgang.

          Möchte man die Teufelsmühle in die Wanderrunde einbeziehen, verbleibt man links vom Bach zunächst bis zu der Klinik, dort rechts zum Wiesenweg und weiter durch die Lindenstraße hinaus in die Felder, wobei sich ein öffnender Blick über die Hochebene mit den vielen Ortsteilen Grebenhains auftut. In Höhe des Übergangs zum Vulkanradweg heißt es links zurück nach Ilbeshausen, wo dann auch gleich nach Queren des Bachs das frisch restaurierte Fachwerkgebäude der Teufelsmühle auftaucht.

          Anfahrt und Infos

          Wanderlänge: 11 (14) km

          Wanderkarte: Vogelsberg 4, Maßstab 1:25 000, Hessisches Landesvermessungsamt

          Fahrtverbindung: Ffm. Hbf. ab 8.26 Uhr, 9.26 Uhr; Wächtersbach (Bus 95) ab 9.20 Uhr, 10.20 Uhr; Grebenhain-Hochwaldhausen an 10.18 Uhr, 11.18 Uhr; ab 16.42 Uhr, 18.42 Uhr; Wächtersbach ab 17.46 Uhr, 19.46 Uhr.

          Einen Eindruck von der Teufelsmühle können Sie sich unter http://www.grebenhain.de/ verschaffen.

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