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Ausflugsziele in Hessen : Wo das Besucherchaos ausbleiben dürfte

Hat schöne Winterwanderwege: der Wald im Spessart Bild: dpa

Die Wälder im Spessart eignen sich wenig zum Ski- und Schlittenfahren, Besucheranstürme wie auf dem Feldberg im Taunus bleiben aus. Trotzdem ist er im Winter ein beliebtes Ausflugsziel.

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          Wenn die ersten Flocken fallen, zieht es die Menschen in den Schnee. Das gilt für die Pandemiezeit mit ihren Einschränkungen ganz besonders. Auch der Spessart ist, egal ob auf hessischer oder bayerischer Seite, ein beliebtes Ausflugsziel. Mit Zuständen wie sie am vergangenen Wochenende teilweise in der Rhön, im hohen Vogelsberg oder im Taunus herrschten, ist dort aber nicht zu rechnen. Auch wenn es in den verbleibenden Wintermonaten noch mehr Schnee geben sollte. Zwar war am vergangenen Wochenende mancher Parkplatz in und am Spessartrand nach der Beobachtung von Besuchern überdurchschnittlich frequentiert, doch hatte der Main-Kinzig-Kreis nach seinen Angaben bisher nicht mit überlaufenen Ausflugszielen zu kämpfen, auch nicht im Spessart.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Ein Chaos wie in anderen Naturgebieten gilt es nach den Worten von Bernhard Mosbacher, Geschäftsführer der Tourismus und Marketing Gesellschaft des Landkreises, unbedingt zu vermeiden. Deshalb rät er den wenigen Spessart-Gemeinden mit Loipen, auf das Spuren zu verzichten.

          Mosbacher kennt das Geschehen im Taunus aus eigenem Erleben, er wohnt dort. Unter der Woche aber ist er seit rund vier Jahren damit befasst, den Tourismus im Kreis und im Spessart mit Projekten, Initiativen und Werbung voranzutreiben, wobei ein Schwerpunkt bei den Tagesgästen liegt. Deshalb fühlt es sich für ihn merkwürdig an, wenn er den Spessart als Ausflugsziel in diesen Tagen nicht besonders empfehlen und keine Geheimtipps geben will, wo genau man bei wenig Schnee mit dem Schlitten einen Abhang hinunterfahren oder mit den Langlaufskiern unterwegs sein könnte.

          Ruhige und erschlossene Wege zum Winterwandern

          Aber wenn sich die Infektionslage entspannt, dann biete sich der Spessart im Winter vor allem für Wanderer an. Vor allem wer sich ein Stück weit von der Autobahn entferne, finde im inneren Teil des Mittelgebirges ruhige und gut erschlossene Wege zum Winterwandern. Als Skisportgebiet eigne sich der Spessart bei all seinen Vorzügen wenig, es fehlten ein höherer Berg und hohe Lagen.

          Schon während des ersten Lockdowns im Frühjahr war der Spessart ein beliebtes Tagesausflugsziel für die Menschen im Rhein-Main-Gebiet. Vor allem die vielfältigen Möglichkeiten zum Wandern, Radfahren und Mountain-Biken zogen die Leute an, um ihre Freizeit aktiv in der frischen Luft und ohne Ansteckungsgefahr zu gestalten. Zwar konnten die geschlossenen Gastronomiebetriebe und anderen touristischen Einrichtungen von diesen Besuchern nicht direkt profitieren, doch hofft man, dass die Menschen, die den Spessart neu entdeckten, in besseren Zeiten wiederkommen.

          Erste Buchungen für Ferienwohnungn

          Im Sommer waren vor allem die Ferienwohnungen begehrt. Dieser Trend wird sich nach den Erwartungen Mosbachers im Frühjahr fortsetzten. Schon gebe es die ersten Buchungen für Ferienhäuser und Wohnungen, vor allem für neue und besonders attraktive Anlagen.

          Verstärkt investieren will der Kreis in den Ausbau vorhandener Angebote wie die „Spessartspuren“, das sind drei bis sechs Kilometer lange Wanderstrecken unter einem bestimmten Motto. Die Mountainbike-Route „Spessart 8“ wird weiter ausgebaut, während Campingplätze und Wohnmobilstandorte erweitert und attraktiver gestaltet werden sollen.

          „Restartkampagne“ für den Spessarttoursimus

          Vorgesehen für das Frühjahr ist zudem eine „Restartkampagne“ für den Spessarttourismus, eine breit angelegte Marketingaktion mit den Schwerpunkten Wandern und Radfahren. Mosbacher hofft, dass sich dann auch wieder Gastronomen über Besucher freuen dürfen. Doch sicher sei trotz aller Bemühungen, dass nicht alle Lokale, Restaurants und kleinere Herbergen die Krise überstehen werden. Auch wenn der Kreis bei den Gäste- und Übernachtungszahlen voraussichtlich über dem Hessentrend liegen werde, könne man die Bilanz für 2020 „abschreiben“, unter anderem auch deshalb, weil die Kurbetriebe in Bad Orb und Bad Soden-Salmünster mit großen Einbußen zu kämpfen hätten.

          Auf der bayerischen Seite des Spessarts, der eng mit dem hessischen Teil zusammenarbeitet, bietet sich ein ähnliches Bild. Nach Angaben von Michael Seiterle vom Tourismusverband Spessart-Mainland, der fast 80 Mitgliedsgemeinden auf der bayerischen und hessischen Spessartseite unter einem Dach vereint, gab es bisher keine überlaufenen Wanderwege oder überfüllte Parkplätze. Die Bilanz für die Zeit von März bis September fällt auch hier ernüchternd aus. Zu verkraften sind Umsatzausfälle in Höhe von rund 213 Millionen Euro, die sich aus dem Rückgang der Übernachtungszahlen ergibt sowie durch weniger Tagesausflügler und Geschäftsreisende. Derzeit nehme das Interesse an Unterkünften für die kommende Reisesaison aber zu. Der Trend zum Urlaub im eigenen Land und zu naturnahen Aktivitäten macht sich laut Seiterle deutlich bemerkbar.

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