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Nahverkehrsplan vorgestellt : „Hessen-Express“ für Rhein-Main

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Neue Bahnen: Im Regional- und S-Bahn-Verkehr werden viele moderne Fahrzeuge eingesetzt, doch der Hauptbahnhof Frankfurt müsste dringend erweitert werden. Bild: Fricke, Helmut

Das Bus- und Bahnnetz im Rhein-Main-Gebiet soll ausgebaut werden, denn die Schienenwege sind voll ausgelastet. Auch ein „Hessen-Express“ ist geplant.

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          Ein Hessen-Express soll jede Stunde für eine schnelle Verbindung zwischen Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt sorgen. Und eine Schnellbus-Linie könnte einen Ring um das Rhein-Main-Gebiet bilden, womit Verbindungen an Stellen entstünden, an denen keine Züge fahren können. Der neue regionale Nahverkehrsplan, den Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) und der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) als Aufsichtsratsvorsitzender des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) am Dienstag in Wiesbaden vorgestellt haben, enthält mit diesen beiden Projekten auch zwei Visionen, die nicht so schnell verwirklicht werden dürften.

          Doch der Plan ist keineswegs nur ein „Wunschprogramm“, wie RMV-Geschäftsführer Knut Ringat hervorhob. Diese „Bibel des Nahverkehrs“ gibt konkret an, welche Vorhaben in den nächsten fünf bis zehn Jahren verwirklicht werden sollen: zum Beispiel der Abschluss der Tarifreform bis etwa 2016, an deren Ende sich die Höhe des Fahrgeldes strikt nach der zurückgelegten Strecke berechnet – zumindest wenn der Fahrgast ein Handy-Ticket kauft. Mit den berüchtigten Tarifsprüngen, wie sie etwa auf einer Fahrt von Offenbach nach Frankfurt auftreten, hätte es dann ein Ende. Allerdings darf die Tarifreform laut Ringat nicht zu Einnahmeausfällen führen.

          Nahverkehr an Bevölkerungsentwicklung anpassen

          Der Nahverkehrsplan, der laut Minister Al-Wazir den Rahmen für den Zug- und Busverkehr bis 2020 und darüber hinaus vorgibt, verschweigt keineswegs die Probleme, mit denen der öffentliche Personenverkehr konfrontiert ist. Eines der schwierigsten ist die demographische Entwicklung: Die ländlichen Regionen entvölkern sich zusehends, dort geht vor allem auch die Zahl der Schüler zurück und damit der Schülerverkehr, der einen wichtigen Teil des öffentlichen Nahverkehrs ausmacht. Hier müssen nach Meinung des Ministers neue Modelle der Personenbeförderung gefunden werden.

          Ganz anders ist die Bevölkerungsentwicklung im Ballungsraum Rhein-Main. Die Einwohnerzahl Frankfurts etwa wächst jedes Jahr um die Größenordnung einer Kleinstadt, wie Oberbürgermeister Feldmann feststellte. Diese Menschen müssten dorthin gelangen können, wo sie hinwollten oder hinmüssten.

          Regionaler Nahverkehrsplan: Der Ausbau der Zugverbindungen in Rhein-Main, zur Vergrößerung bitte anklicken.

          Das größte Verkehrsproblem der Rhein-Main-Region besteht indes darin, dass die Kapazitäten des Schienennetzes ausgereizt sind. „Wir brauchen zusätzliche Infrastruktur“, sagte RMV-Chef Ringat. Im Nahverkehrsplan sind jene großen Infrastrukturprojekte aufgeführt, mit denen die Schienenstrecken verlängert und die Engpässe beseitigt werden sollen.

          Auf gutem Weg ist der Bau der S-Bahn-Station Gateway Gardens, mit der der neue Flughafenstadtteil an den öffentlichen Nahverkehr angebunden werden soll. Sie könnte 2019 eröffnet werden. Minister Al-Wazir nannte den Anschluss des Bürostadtteils an die S-Bahn unverzichtbar. Fortschritte machen auch die Nordmainische S-Bahn und der viergleisige Ausbau der Strecke von Frankfurt-West nach Bad Vilbel und Friedberg.

          Strukturell unterfinanzierter öffentlicher Nahverkehr

          Für die zwei Abschnitte der Nordmainischen S-Bahn außerhalb Frankfurts läuft die Planfeststellung, für den Frankfurter Abschnitt sind jetzt die Planungsunterlagen eingereicht. Der Ausbau nach Bad Vilbel hängt noch an einem Erschütterungsgutachten, das die Bahn beibringen muss. Ansonsten könnten die Arbeiten 2017 oder 2018 beginnen.

          Für die Regionaltangente West, die in einer großen Schleife von Bad Homburg beziehungsweise von Heddernheim aus den Frankfurter Westen umrunden und zum Flughafen beziehungsweise nach Neu-Isenburg führen soll, ist immerhin die Vorplanung fertig. Das Land bekennt sich laut Minister Al-Wazir zu dem Vorhaben und will der Planungsgesellschaft beitreten. Noch in weiter Ferne liegt dagegen eine Anbindung des geplanten Terminals 3 des Frankfurter Flughafens an den Schienenverkehr.

          Wie alle Bundesländer hat auch Hessen damit zu kämpfen, dass der öffentliche Nahverkehr strukturell unterfinanziert ist. 7,5 Milliarden Euro vom Bund stünden jetzt im Jahr zur Verfügung, sagte der Minister; nötig seien aber 8,5 Milliarden. Berlin plane keine höheren Zuschüsse, und auch die bisherige jährliche Dynamisierung um 1,5 Prozent solle wegfallen, klagte Al-Wazir. Seine Forderung an den Bund lautet: „Wir brauchen eine auskömmliche Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs.“

          Oberbürgermeister Feldmann verwies auf erfolgreiche Neuerungen beim RMV wie das Semesterticket, die Clevercard für Schüler und Azubis sowie günstige Sonderfahrkarten an Weihnachten. Sie sollen nach seiner Ansicht beibehalten und weiterentwickelt werden.

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