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Ausbau der A3 : Eine Brücke geht auf Abstand

Umleitung: Die Kauppenbrücke bei Waldaschaff wird verlegt, um die Anwohner vom Verkehrslärm zu entlasten Bild: Rainer Wohlfahrt

Die Kauppenbrücke im Südosten von Aschaffenburg soll um 300 Meter von der Gemeinde Waldaschaff weggerückt werden, um die Lärmbelastung für 4000 Einwohner zu senken. Das Bauwerk ist Teil der Autobahn 3. Jetzt haben die Bauarbeiten begonnen.

          Auf eine kluge Initiative konstruktiver Bürger haben Politiker von CSU und SPD gestern ein Projekt zurückgeführt, das zunächst als Illusion galt: Im Zuge des Ausbaus der Autobahn 3 im Südosten von Aschaffenburg wird die Kauppenbrücke um 300 Meter von der Gemeinde Waldaschaff weggerückt. So soll die Lärmbelastung für 4000 Einwohner gesenkt werden.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Das 488 Meter lange Bauwerk ist Teil eines 7,3 Kilometer langen Abschnitts, der bis zum Jahr 2011 für knapp 75 Millionen Euro von vier auf sechs Spuren verbreitert werden soll. Er reicht von der Einhausung bei Hösbach beinahe bis zur Anschlussstelle Weibersbrunn. Gestern begannen die Bauarbeiten mit dem symbolischen Ersten Spatenstich.

          Als „Verkehrsschlagader für Europa“ bezeichnete Jürgen Heike (CSU), der Staatssekretär im bayerischen Innenministerium, die Autobahn. Innerhalb Bayerns reicht sie von der hessischen Landesgrenze bis nach Erlangen. Über weite Strecken weist sie nur vier Spuren auf. Mit durchschnittlich 65 000 Fahrzeugen am Tag ist die Magistrale nicht nur heute schon total überlastet. Für das Jahr 2020 wird mit einem Anstieg auf 84 000 Wagen gerechnet. Der außergewöhnlich hohe Anteil von Lastwagen kommt erschwerend hinzu. Er liegt bei etwa 20 Prozent.

          Bis heute keine einzige Klage eingereicht

          Heike lobte den unterfränkischen Regierungspräsidenten, Paul Beinhofer. Seine Behörde habe allein in den zurückliegenden Monaten für den Ausbau der Autobahn elf Planfeststellungsbeschlüsse gefasst. Sie seien juristisch so ausgereift, dass bis heute gegen keinen einzigen eine Klage eingereicht worden sei. Heike zeigte sich zuversichtlich, dass es in der ersten Hälfte des nächsten Jahres für die Strecke von Aschaffenburg bis zum Autobahnkreuz Biebelried Baurecht geben werde. Allerdings würde der Ausbau der etwa 100 Kilometer langen Strecke den Bund fast eine Milliarde Euro kosten. Das Geld ist nicht da.

          Karin Roth (SPD), Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, warb darum gestern abermals für die Erhöhung der Lastwagenmaut zum 1. Januar 2009. Nur mit diesen zusätzlichen Einnahmen könne der Bund seine Autobahnen finanzieren. Den Freistaat forderte sie auf, seinen Widerstand gegen die Pläne des Verkehrsministeriums aufzugeben und sie im Bundesrat passieren zu lassen.

          Wie Heike, so wandte sich auch Roth direkt an die etwa 300 Bürger aus Waldaschaff, die zu dem offiziellen Beginn der Bauarbeiten gekommen waren. Die SPD-Politikerin berichtete, dass der Waldaschaffer Bürgermeister Marcus Grimm (CSU) ihr vor Jahren bei einem Termin in Berlin ein Modell geschenkt habe, das im Kindergarten der Gemeinde gebastelt worden sei und bis heute in ihrem Büro stehe. Es zeige die Autobahn und kleine Jungen und Mädchen, die ganz in der Nähe spielen müssten. Der Anblick habe sie immer wieder an das Anliegen Waldaschaffs erinnert.

          Bürgerinitiative: Waldaschaff fordert die Verlegung der A 3

          Dort gründete sich vor zirka sechs Jahren die Bürgerinitiative „Waldaschaff fordert die Verlegung der A 3“. Wenn die Autobahn ohnehin verbreitert werden müsse, dann könne man die Trasse doch auch ein Stück weit von der Ortschaft abrücken. Dies war die Idee der Bürger.

          Die Beamten waren alles andere als begeistert. Doch dem Waldaschaffer Tiefbauingenieur Herbert Albert gelang es im Dezember 2002, den Innenminister Günther Beckstein (CSU) zu überzeugen. Das geplante Brückenbauwerk selbst schlägt mit 25 Millionen Euro zu Buche. Dass eine bloße Verbreiterung der alten Brücke sehr viel preisgünstiger gewesen wäre, ist nicht gesagt. Sie hätte „unter Verkehr“ verwirklicht werden müssen und die Sperrung von Fahrbahnen, also kilometerlange Staus, bedeutet. Jetzt wird im Süden der bestehenden Talbrücke eine neue gebaut. Sobald sie fertig und in den künftigen Trassenverlauf eingefügt worden ist, wird die alte abgerissen.

          Der Freistaat sei der Gemeinde sehr weit entgegengekommen, sagte Albert gestern. Und Erich Balling, einer seiner langjährigen Mitstreiter, kündigte an, am 28. September den inzwischen zum Ministerpräsidenten aufgestiegenen CSU-Politiker zu wählen. Dass der Erste Spatenstich rein zufällig so kurz vor den Landtagswahlen stattfinde, glauben die Leute von der Bürgerinitiative nicht. Im Gegenteil: „Das ist in Bayern so“, sagen sie. „Erst gibt es ein freudiges Ereignis, und ein paar Wochen später wird gewählt.“

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