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Aus Wetterau und Vogelsberg : Elf Orte, eine Gartenschau

Grünland: Blick auf die Nidder bei Ortenberg Bild: Cornelia Sick

Elf Städte und Gemeinden aus Wetterau und Vogelsberg wollen sich interkommunal für die Landesgartenschau im Jahr 2027 bewerben. Das Großereignis soll ordentlich Werbung für die Gegend als Erholungsziel machen.

          3 Min.

          Elf Städte und Gemeinden aus der östlichen Wetterau und dem südlichen Vogelsberg wollen gemeinsam die Landesgartenschau im Jahr 2027 ausrichten. Nidda, Büdingen, Ortenberg, Ranstadt, Glauburg, Echzell, Limeshain, Hirzenhain, Gedern und Kefenrod aus dem Wetteraukreis sowie die Stadt Schotten aus dem Vogelsbergkreis haben jetzt für die Bewerbung gestimmt. Interesse an der Ausrichtung der Landesgartenschau 2027 hatten unter anderem das mittelhessische Dillenburg sowie die nordhessischen Städte Frankenberg und Schwalmstadt bekundet. Bis Mitte Dezember sollen der Landesregierung die Bewerbungen vorliegen. Das Kabinett entscheidet dann im nächsten Jahr, wer auf Fulda folgt, das 2023 die Landesgartenschau veranstaltet. Sollten die im Verein Oberhessen zusammengeschlossenen Städte und Gemeinden aus Wetterau und Vogelsberg den Zuschlag erhalten, wäre es die erste interkommunale Landesgartenschau in Hessen.

          Wolfram Ahlers

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Für die Bewerbung entschieden hatten sich die Kommunen aus dem Altkreis Büdingen auf der Grundlage einer Studie des Büros Planstatt Senner, das sich unter anderem bei der Ausarbeitung der interkommunalen Landesgartenschau im baden-württembergischen Remstal einen Namen gemacht hatte. An der Großveranstaltung im benachbarten Bundesland hatten sich 16 Städte und Gemeinden aus drei Landkreisen beteiligt; sie lockte rund zwei Millionen Besucher an. In der Studie für Wetterau und Vogelsberg geht es unter anderem um Expertisen zu Natur und Landschaft für Flächen, die für die Schau in Frage kommen. Weitere Aspekte sind Verkehrsanbindungen, Rad- und Wanderwege, welche die Kommunen und ihre Angebote miteinander verknüpfen, und nicht zuletzt finanzielle Gesichtspunkte, mit welchen Investitionen und Einnahmen kalkuliert werden könnte. Bei alldem soll die Planungshoheit jedoch bei den jeweiligen Kommunen für ihre Projekte verankert bleiben.

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          Werbung, wie gut es sich hier leben lässt

          Stattfinden soll in Wetterau und Vogelsberg eine Schau in anderem Format, was heißt, dass es keine klassischen Blumenschauen geben soll und Orte im Stil von zurechtgemachten Freizeitparks. Im Leitbild geht es vielmehr um die Präsentation einer vielfältigen und noch weitgehend intakten Kultur- und Naturlandschaft. So sollen Besucher Eindrücke mitnehmen von Natur- und Landschaftspflege in Tälern, von Flora und Fauna auf Hochebenen, in Auenlandschaften, sollen Einblicke bekommen in Land- und Forstwirtschaft, die diese Region seit Jahrhunderten prägen. Herausstellen wollen die Kommunen, was die Bewohner dieser Landschaft über Generationen an Sehenswertem geschaffen haben, von schmucken Stadtkernen, prächtigen Schlössern bis zu Gartenanlagen und Landschaftsparks.



          Somit steht das Format auch für Nachhaltigkeit, denn die Region will sich über die Schau hinaus als attraktives Ziel für Naherholung und Urlaub profilieren und Werbung machen, wie gut es sich hier leben lässt. Eine Landesgartenschau sozusagen als Motor für Strukturförderung, die Ökologie und Ökonomie gleichermaßen zugutekommt. Ein dezentrales Konzept, potentialgerecht, innovativ und umweltfreundlich, von dem alle Städte und Gemeinden dieser Gegend profitieren können, also auch die, welche an der Schau nicht direkt beteiligt sind, heißt es.

          20 Millionen Euro an Investitionen erforderlich

          Um die Effekte einer interkommunalen Landesgartenschau zu verdeutlichen, sind mögliche Besucherzahlen, daraus resultierend regionalwirtschaftliche Perspektiven sowie längerfristige Wirkungen dargelegt worden. Basierend auf Erfahrungen mit anderen Landesgartenschauen, hat man hinsichtlich der Gäste einen Radius von bis zu zwei Stunden Fahrtzeit zugrunde gelegt. Wenn es weniger gut läuft, wäre mit etwa 500.000 Besuchern zu rechnen. Wahrscheinlich seien um die 600.000, heißt es. Wenn die Städte und Gemeinden ein interessantes Begleitprogramm bieten, geschicktes Marketing betreiben und nicht zuletzt das Wetter mitspielt, könnten bis zu 715.000 Besucher kommen, so sagen die Prognosen.

          Berechnungen der Wirtschaftsförderung Wetterau, die das Projekt Landesgartenschau federführend begleitet, sind rund 20 Millionen Euro an Investitionen in den beteiligten Kommunen erforderlich. Wobei sie diese freilich nicht allein aufbringen müssten, weil für diese Ausgaben zwischen 40 und 60 Prozent Fördermittel zu erwarten seien. Zudem sind laut Wirtschaftsförderungsgesellschaft mit den Investitionen beträchtliche Impulse für die regionale Wirtschaft verbunden, von Landschafts- und Gartenbau über Bauwesen bis Handwerk. Das führe zu entsprechenden Einnahmen von Firmen und Einkommen von deren Beschäftigten, wovon wiederum die Kommunen durch höhere Steuereinnahmen profitieren könnten.

          Nach Studien zu bisherigen Gartenausstellungen geben Gäste im Schnitt etwa 40 Euro pro Tag aus. Das mittlere Besucherszenario zugrunde gelegt, „ist eine Steigerung in der Zeit der Gartenschau von über 24 Millionen Euro Bruttoumsatz durchaus realistisch“, sagt Bernd-Uwe Domes, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Wetterau. Hinzu kommen nach seiner Einschätzung weitere Einkünfte durch Verflechtungen mit Zulieferern und Dienstleistern. Der regionalwirtschaftliche Produktionswert dieser Gartenschau dürfte nach Schätzungen der Wirtschaftsförderungsgesellschaft also mindesten in einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag liegen. „Davon wird die Region Oberhessen über Jahrzehnte profitieren“, ist Domes überzeugt.

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