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Auftritt in Offenbach : Bürger demonstrieren gegen Salafisten Pierre Vogel

  • Aktualisiert am

Pierre Vogel spricht vor seinen Anhängern in Offenbach Bild: dpa

200 Menschen himmeln ihn an, doppelt so viele protestieren gegen ihn: Mit seinem Auftritt in Offenbach zieht Salafisten-Prediger Pierre Vogel deutlich weniger Zuhörer an als erwartet.

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          Begleitet von einem großen Polizeiaufgebot ist der umstrittene Salafisten-Prediger Pierre Vogel am Samstag in Offenbach aufgetreten. An der Kundgebung nahmen nach Polizeiangaben bis zu 200 Menschen teil. Ein Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und muslimischen Vereine hatte zu Protesten aufgerufen. Bis zum Abend blieb es friedlich.

          An der Gegendemonstration beteiligten sich nach Angaben der Polizei rund 300 Menschen, die Veranstalter selbst sprachen von 400. „Wir sind hier, weil wir zeigen wollen, dass in unserer Mitte kein Platz für Intoleranz ist“, sagte Omar El Manfalouty vom Bündnis „Bunt statt Braun“. Salafismus stehe für religiösen Fanatismus, für Frauenunterdrückung und Kriegsverherrlichung.

          Die Kundgebung der Salafisten begann mit Verzögerung. Vogel selbst erreichte den Versammlungsort fast drei Stunden zu spät. Zahlreiche Teilnehmer waren da bereits wieder gegangen, andere feierten ihn wie einen Popstar. Als der bekannte Konvertit aus einem weißen Smart steigt und zur Bühne läuft, zücken viele Anhänger ihre Smartphones. „Wow“, sagt eine Siebzehnjährige mit schwarzem Kopftuch, als Vogel direkt an ihr vorbeigeht. Sie schlägt die Hände vors Gesicht, kichert, strahlt ihre beiden Freundinnen an. „Ich finde toll, wie er predigt“, sagt das Mädchen. „Sehr für Jugendliche.

          Zu der Veranstaltung mit dem Titel „Scharia - barbarisch oder perfekt?“ sind deutlich weniger Zuhörer gekommen als erwartet. Die Veranstalter hatten mit rund 500 Teilnehmern gerechnet. Auch eine junge Mutter mit Kleinkind im Buggy ist über die geringe Beteiligung überrascht. Mit der aktuellen Debatte über die Rekrutierung junger Muslime für den Dschihad hat das ihrer Meinung nach nichts zu tun. Viele Jugendliche schätzten Vogel, weil er „cooler“ rede als die älteren Prediger.

          Vogel preist Scharia als Maßstab

          Vogel bezeichnet sich in seiner Rede selbstironisch als „Hassprediger auf Tour“. Der ehemalige Boxer aus dem Rheinland geht auf die Scharia ein, die islamische Rechtsprechung: „Wir brauchen einen Maßstab“, sagt er und fügt hinzu: „Prinzipiell ist dieser Maßstab die Scharia.“

          Die salafistische Szene im Rhein-Main-Gebiet sorgt derzeit für viele negative Schlagzeigen. So wurde unter anderem Anfang Mai ein Jugendhaus für mehrere Wochen geschlossen, nachdem radikale Muslime dort Mitarbeiter bedroht hatten. Vogel betont auf der Bühne, er würde die Geschichte gerne von dem „Bruder“ selbst hören. Er könne sich gut vorstellen, dass einiges „verdreht“ worden sei.

          Etwa 1200 Salafisten in Hessen

          Nach Einschätzung des Landesamtes für Verfassungsschutz versuchen salafistische Prediger wie Vogel in Hessen mit solchen Auftritten und anderen Aktionen Anhänger zu gewinnen. In Hessen schätzen die Sicherheitsbehörden die Zahl der Salafisten auf etwa 1200. Die Stadt Offenbach hatte die Veranstaltung nicht gewollt, sah aber nach eigener Darstellung keine Rechtsgrundlage, ein entsprechendes Versammlungsverbot auszusprechen.

          Am Ende der mehr als eineinhalbstündigen Rede von Pierre Vogel lichten sich die Reihen deutlich, die Zahl der Zuhörer hat sich halbiert. Schnell ruft der Prediger alle auf die Bühne, die zum Islam konvertieren wollen. Ein junger Mann tritt hervor, später gesellt sich noch eine Frau hinzu.

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