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„Auflagenflut“ gegen Bauern : Die Muttersau wird zur Rarität

Praktisch, aber umstritten: Zum Schutz der Ferkel dürfen Zuchtsauen bis zu 35 Tage lang in sogenannten Abferkelbuchten gehalten werden. Bild: Helmut Fricke

Wegen neuer Platzvorgaben im Schweinestall geben auch in Hessen immer mehr Züchter auf. Sie können sich die Umsetzung der neuen Auflagen nicht leisten.

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          Wo kommen künftig die Ferkel her, aus denen erst Mastschweine und schließlich Schnitzel, Schinken und Nackensteaks aus regionaler Produktion werden sollen? Vom Hof von Bernd Winter in Nieder-Weisel am Nordrand der Wetterau jedenfalls nicht. „Für uns hat sich das Thema Schweinezucht erledigt“, sagt der Bauer. Neulich haben ihn amtliche Tierärzte besucht und seinen Stall in Augenschein genommen – und ihm dann gesagt, was er alles ändern soll. Nach dieser Visite stand für ihn fest: „Wir hören damit auf.“ Von ehedem 100 Zuchtsauen sind nur noch ein paar übrig. Bald schafft der Landwirt auch diesen Rest ab.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Winter zählt zu einer langen Reihe von Landwirten, die sich hierzulande von der Schweinezucht verabschieden. Gab es in Hessen nach Angaben des Bauernverbands vor knapp zehn Jahren noch 1450 Zuchtbetriebe, so ist die Zahl nunmehr unter die Marke von 700 gesunken. Tendenz weiter fallend. Etwas stabiler ist der Bestand an Zuchtsauen: Er ging seit 2010 von etwas mehr als 54.000 Tieren auf weniger als 40.000 zurück. Aber der Verband rechnet mit einem weiteren Rückgang. Der Fachverband der Schweinehalter warnt gar vor einem regelrechten Einbruch. Einer Umfrage unter Ferkelerzeugern zufolge will mehr als die Hälfte von ihnen in den nächsten zehn Jahren aufgeben. Jeder sechste Betrieb wolle schon in den nächsten beiden Jahren schließen. Als Grund führten die Bauern die „Auflagenflut“ an. Das ganz große Thema sind für sie die sogenannten Kastenstände.

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