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Aufforstung und Tiere : Holzgatter als Überlebenshilfe

  • -Aktualisiert am

Umhegt: Schutz für Neupflanzungen im Heidenroder Wald Bild: Gemeinde Heiderod

Hessens waldreichste Gemeinde bewirtschaftet ihren Forst selbst. Die neue Freiheit beginnt mit direkt einer Herausforderung. Denn damit die Aufforstung erfolgreich verläuft, müssen die Bäume vor hungrigen Tieren geschützt werden.

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          Der Aufwand ist gewaltig. Damit in dem von Trockenheit und Borkenkäfern stark geschädigten Heidenroder Kommunalwald neue Bäume wachsen können, müssen sie vor dem hungrigen Reh- und Rotwild geschützt werden. Sonst wäre jede Aufforstung vergebliche Liebesmühe. Also lässt Bürgermeister Volker Diefenbach (SPD) derzeit Lärchenstämme für Holzgatter zurechtsägen. Auf rund 300 Hektar Waldfläche sollen insgesamt mehr als 4000 solcher Gatter errichtet werden, um jeweils zwölf mal zwölf Meter große Aufforstungsinseln zu schützen. Diese werden als unregelmäßiges Schachbrettmuster auf den Aufforstungsflächen angelegt. Genau dort, wo der Borkenkäfer die Fichte dahingerafft hat. 14 solcher Gatter werden je Hektar gebaut. Das entspricht etwa einer Aufforstungszone von 20 Prozent der Schadfläche. „Initialpflanzung“ nennt der gelernte Förster Diefenbach diese Methode, die ihr Vorbild in Rheinland-Pfalz hat.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Auf den übrigen 80 Prozent soll und muss sich der Wald schon aus Kostengründen selbst helfen. Ob und wie das gelingt, wird spannend zu beobachten sein. Diefenbach erwartet, dass sich zunächst Pioniergehölze wie die Birke breitmachen. Auf höher gelegenen Waldstandorten könnte sich auch die Fichte erholen. Aber das ist Spekulation. Vorteil der Gatter aus Lärchenholz ist, dass sie nach etwa zwei Jahrzehnten, wenn die von ihnen geschützten Jungbäume keinen Schutz mehr brauchen, von selbst verfaulen und nicht wie Drahtzäune mühsam entsorgt werden müssen.

          Die neue Selbstständigkeit

          Die Förderung der Wiederbewaldung ist jetzt ureigene kommunale Aufgabe, denn Heidenrod hatte zum 1. April die Betreuung durch den Landesbetrieb Hessenforst gekündigt und ein Gemeindeforstamt gegründet. Für Hessenforst ist das ein Verlust, denn hinter Frankfurt (5700 Hektar) und Wiesbaden (5600 Hektar) ist Heidenrod der drittgrößte Waldbesitzer Hessens. Es hätte auch andere Optionen wie die Verpflichtung eines privaten Dienstleisters gegeben, doch dafür konnte sich keine der politischen Fraktionen in Heidenrod erwärmen. Die Gemeinde hat für die neue Selbständigkeit zwei der drei Revierförster von Hessenforst übernommen: Ralf Schmidt, der in eineinhalb Jahren ohnehin in Pension geht, wurde von Hessenforst für diese Zeit nur ausgeliehen, während Timo Manthey jetzt Angestellter der Gemeinde ist. Der 4600 Hektar große Kommunalwald, der sich über 19 Ortsteile erstreckt, wurde in ein östliches und eine westliches Forstrevier aufgeteilt. Jeweils fünf Waldarbeiter unterstützten die beiden Revierförster.

          Die Kündigung von Hessenforst ging sogar ein wenig schneller, als eigentlich vorgesehen war. Aber der Landesbetrieb legte Heidenrod trotz dessen großer Bedeutung für den Erhalt des Forstamtes Bad Schwalbach keine Steine in den Weg, und „wir wollten so schnell wie möglich raus“, sagt Diefenbach. Das hatte vor allem finanzielle Gründe, weil sich Hessenforst aus Sicht der Gemeinde die Aufarbeitung der Waldschäden allzu üppig bezahlen ließ. Denn der Landesbetrieb stellte der Gemeinde einen Pauschalbetrag je Kubikmeter Holz in Rechnung. Das war für Heidenrod insofern finanziell schmerzlich, weil durch die Schäden viel Holz angefallen ist, die Holzpreise aber im Keller und manche Absatzwege verstopft waren.

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