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Neue Wirtschaftsdezernentin : Auf der Suche nach des Mainzers Kern

Neue Mainzer Wirtschaftsdezernentin: Manuela Matz, in ihrem Büro Bild: Michael Kretzer

Dass sie neue Mainzer Wirtschaftsdezernentin wird, hätte Manuela Matz wohl selbst nicht gedacht. Nun will sie das Zentrenkonzept verbessern und den Fastnachtern unter die Arme greifen.

          Mit der von ihrem Vorgänger aufgeworfenen Frage, was genau das „Mainz-Gefühl“ ausmache, wird sich nun die neue Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU) zu beschäftigen haben. Schließlich ist sie als hauptamtliche Beigeordnete seit dem 10. Dezember in dem aus sechs Personen bestehenden Stadtvorstand für die Außendarstellung der Kommune verantwortlich. Noch dazu soll sich die 54 Jahre alte Juristin als Liegenschaftsdezernentin fortan um weitere Unternehmensansiedlungen kümmern und die Stadt dabei bestmöglich verkaufen. Was nicht immer einfach ist, wenn man zum Beispiel sieht, dass das von den Mainzer Stadtwerken am Schillerplatz eröffnete Bürgerinformationszentrum zur geplanten Citybahn schlicht und einfach und auch ein bisschen provinziell „Babbel mit“ heißt; derweil eine ganz ähnliche Anlaufstelle im benachbarten Wiesbaden standesgemäß „Dialogbox“ getauft wurde.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Mit der Frage, was denn tatsächlich der „Mainzer Markenkern“ sei, werde sie sich sicher noch intensiv zu beschäftigen haben, sagte die in Bietigheim bei Karlsruhe geborene Unternehmerin vor wenigen Tagen im Gespräch mit dieser Zeitung. Im Oktober hat sie das von ihr gemeinsam mit Ehemann Dirk Loomans in Mainz gegründete und bis dahin auch selbstgeführte Beratungshaus für Informationssicherheit und Datenschutz an die weitaus größere KPMG verkauft. Nur deshalb war es ihr überhaupt möglich, quasi von einem Tag auf den anderen ins Rathaus zu wechseln. Dass die Stadt als attraktiver Universitäts- und Hochschulstandort wahrgenommen werde, sei schon einmal ganz gut, findet Matz. Dank einiger herausragender Unternehmen, wie der auf individualisierte Immuntherapien spezialisierten Biontech AG und des Pharmaunternehmens Novo Nordisk, habe Mainz in Verbindung mit der Universitätsmedizin zudem gerade auf dem „spannenden Markt Gesundheit“ einiges zu bieten.

          Mehr als Fastnacht und Fußball

          Grundsätzlich hält es Matz für positiv, dass die Stadt viele Facetten aufweise: von Fastnacht und Fußball über Gutenberg bis hin zum Wein. Wo man sich zusammen mit der Region Rheinhessen ja schon seit zehn Jahren zum illustren Kreis der „Great Wine Capitals“ zählen dürfe, einem exklusiven Netzwerk von weltweit zehn renommierten Weinanbaugebieten.

          Dass es zu viele Feste in der City gebe, mag die Mutter zweier erwachsener Kinder so pauschal nicht bestätigen. Gleichwohl sei es wichtig und richtig, darauf zu achten, dass einzelne Straßen oder Viertel nicht über die Maßen belastet würden. Immer umfangreichere Sicherheitsauflagen sind nach Ansicht der nicht zuletzt für das Ordnungswesen zuständigen Dezernentin ein wesentlicher Grund dafür, dass die „goldisch Fassenacht“ von Jahr zu Jahr teurer werde. Über die Finanzierung der mittlerweile mehr als 500. 000 Euro verschlingenden Straßenfastnacht werde nach der Kampagne 2019 sicher noch zu sprechen sein. Allerdings übernehme die Kommune auch bisher schon viele Aufgaben rund um den Rosenmontagszug: angefangen bei der Müllentsorgung bis hin zu den notwendigen Absperrungen. Leistungen, die sich laut Matz zusammengerechnet wohl auf einen Betrag von bald 250.000 Euro summieren. Für die Zukunft hoffe sie auf eine stärkere Einbindung der eigens neu geschaffenen Mainzer Fastnacht Genossenschaft. Vorstellbar sei auch die vor kurzem in dieser Zeitung geforderte Einführung eines „Narren-Soli“ in Höhe von etwa einem Euro, der auf jede während der Kampagne verkaufte Sitzungs- oder Ballkarte draufzuschlagen wäre; wenngleich ihr die doch ein wenig vorbelastete Bezeichnung „Soli“ nicht wirklich gut gefalle.

          „Fast schon wissenschaftlich“

          Als Neu-Mainzerin habe sie sich dieser Form der Brauchtumspflege vor nunmehr 18 Jahren gemeinsam mit ihrem Mann, einem Physiker, „fast schon wissenschaftlich“ genähert und sich damals nach und nach die Sitzungen von gut 20 verschiedenen Vereinen angeschaut. Längst ist die Rechtsanwältin, die zu Hause in Hechtsheim nebenbei zwei Hunde, vier Hühner und etliche Fische zu versorgen hat, nicht nur bei der Ranzengarde, den Dragonern ihres Stadtteils und der Fidelia Narrhalla aktiv, sondern gehört außerdem den Großen Räten des Karneval-Clubs Kastel und des Mainzer Carneval Clubs an.

          Irgendwie närrisch ist es auch bei dem für sie selbst überraschenden Wechsel ins Rathaus zugegangen. Denn eigentlich hatte die CDU-Bewerberin, die sich bis dahin vor allem um Mittelstandsthemen und um ihren Stadtteil kümmerte, bei der Wahl am 21. November kaum eine Chance auf den neu zu besetzenden Platz im Stadtvorstand. Schließlich hatten sich die Partner im Ampelbündnis längst darauf geeinigt, dass Amtsinhaber Christopher Sitte von der FDP weitere acht Jahre das Dezernat III führen sollte. Weil jener aber zwei Tage vor der geplanten Wiederwahl und ohne jede Vorwarnung einen Rückzieher machte, um in Zukunft in Frankfurt für einen Finanzdienstleister arbeiten zu können, war der Dreierkoalition über Nacht der Bewerber abhandengekommen und der Weg für Matz wider Erwarten frei.

          Nach einer zu dieser Situation passenden und offenbar denkbar knapp gehaltenen Amtsübergabe müssen sich alle Beteiligten erst einmal neu sortieren. Schließlich blieb die Mainzer CDU, die unter anderem Pläne für eine zusätzliche Rheinbrücke und einen weiteren Stadtteil hat, seit 2009 bei vielen wichtigen Fragen im Rathaus außen vor. Was sich mit Matz ja nun geändert hat. In anderen Fällen, wie dem seit Jahren umstrittenen Zentrenkonzept, das die Einzelhändler in der City vor übermächtiger Konkurrenz am Stadtrand bewahren soll, ist die CDU-Dezernentin künftig gar selbst gefordert, die von ihrer Union immer wieder geforderten „besseren Lösungen“ vorzulegen.

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