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Attentat von Hanau : Molltöne an den tollen Tagen

Elefantös: Rosenmontagszug in Seligenstadt (Archivbild) Bild: Wolfgang Eilmes

Hanau und Maintal sagen nach dem Attentat Fastnachtsumzüge ab, woanders wird dennoch gefeiert. Von einer Schweigeminute zu Beginn halten die Organisatoren in Mainz nichts.

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          Nach kurzer Schockstarre haben sich die meisten Städte in der Region dazu entschieden, ihre Fastnachtsumzüge laufen zu lassen: angefangen bei Mainz über Frankfurt und Wiesbaden bis hin zu Seligenstadt und Gernsheim. „Weil wir uns von Anschlägen und Terror und von Bedrohungen dieser Art nicht beirren lassen wollen“, äußerte der Bund Deutscher Karneval, die Interessengemeinschaft von bundesweit mehr als 5300 Vereinen und Zünften, in einer Reaktion auf die Mordanschläge von Hanau. Andernfalls würden solch „schändliche Aktionen“ die von den Verursachern gewünschte Wirkung entfalten. Verständnis gibt es unter den Narren aber dafür, dass in Hanau, wo am Mittwochabend zehn Menschen erschossen wurden und der mutmaßliche Täter sich offenbar selbst richtete, die Kampagne beendet wurde und der vierfarbbunte Festzug ausfällt.

          Markus Schug
          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Immer wieder stelle sich die Frage nach der angemessenen Reaktion auf Kriege, Naturkatastrophen und Unglücksfälle, durch die „unschuldige Menschen zu Opfern werden“, heißt es in der Stellungnahme des Bundesverbandes, der „sein tiefes Mitgefühl gegenüber den Angehörigen der Mordopfer“ aussprach. Dabei stünden gerade die Karnevalisten für Lebensfreude und Lebensbejahung. Sie wollten anderen helfen, Leid und Unglück besser zu verkraften.

          An das schreckliche Geschehen erinnern

          Von einer Schweigeminute zu Beginn ihres Rosenmontagszugs, zu dem abermals eine halbe Million Zuschauer erwartet werden, halten die Organisatoren in Mainz allerdings nichts. So etwas sei nicht praktikabel und passe besser zu anderen Anlässen wie dem Gottesdienst der Garden. In der bundesweit ausgestrahlten Fernsehsitzung aus dem Kurfürstlichen Schloss, das zumindest war der Stand am Freitagnachmittag, wolle man gleichfalls nicht schweigen, sondern bei aller Narretei auch an das schreckliche Geschehen mit elf Toten von Hanau erinnern.

          In Gelnhausen soll der traditionelle Umzug am Samstag von 14.11 Uhr an ebenso gefeiert werden wie in Gernsheim, wo das bunte Treiben schon drei Stunden früher beginnt. Die Absage für Hanau könne sie sehr gut verstehen, sagte Hildegard Bolenz vom Verein Gernsheimer Straßenfastnacht, der mit etwa 60 Zugnummern rechnet und auf sein bewährtes Sicherheitskonzept vertraut. Am Sonntag folgen Wiesbaden und Frankfurt, wo jeweils zigtausende Besucher an der Strecke erwartet werden, um den Garden, Musikformationen und Fahnenschwenkern zuzujubeln. Und für Hofheim, Flörsheim sowie Hattersheim gilt am Wochenende das Gleiche.

          Als direkte Nachbarn der Hanauer dürften in Seligenstadt und Mühlheim zwar etliche Karnevalisten mit gemischten Gefühlen in die „tollen Tage“ gestartet sein. Die Züge am Rosenmontag sollen nach Angaben der Organisationskomitees aber hier wie dort planmäßig über die Bühne gehen – wenngleich die Molltöne dominieren dürften. In Maintal dagegen wurde der für heute geplante Karnevalsumzug von der Stadt doch noch kurzfristig abgesagt. „Dass ein Bürger aus Maintal unter den Todesopfern ist, führt zu einer unmittelbare Betroffenheit unserer Stadtgesellschaft“, sagte Bürgermeisterin Monika Böttcher. „Rücksicht und Respekt gegenüber den Angehörigen und allen Menschen, die mittrauern, stehen jetzt im Vordergrund.“

          Schon am Freitagvormittag hatte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) wissen lassen, dass er keine Fastnachtstermine wahrnehmen werde; was auch für „Mainz bleibt Mainz“ gelte. Dagegen bekräftigten die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer und der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (beide SPD) ihre Sicht der Dinge. „Die Rechtsextremen wollen unser Leben und unsere Demokratie erschüttern. Diese Macht werden wir ihnen nicht geben“, sagte Dreyer. Als Zeichen der Trauer wollen sie und ihr Gefolge zur TV-Sitzung und an den „tollen Tagen“ ein schwarzes Band am Handgelenk tragen.

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