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Astronomie : Licht sehen, das älter ist als die Erde

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Der Ausblick ist imposant. Im Norden der Taunus, im Süden die Fachwerkhäuser von Trebur, in der Ferne die Skyline von Frankfurt. Und dennoch hat Joachim Ohlert kaum Augen für die Reize der näheren Umgebung.

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          Der Ausblick ist imposant. Im Norden der Taunus, im Süden die Fachwerkhäuser von Trebur, in der Ferne die Skyline von Frankfurt. Und dennoch hat Joachim Ohlert kaum Augen für die Reize der näheren Umgebung. Er widmet sich lieber dem Himmel, den Sternen und den Planeten. Ohlert ist wissenschaftlicher Leiter der Astronomie Stiftung Trebur.

          Der Physiker repräsentiert damit das eine der beiden Standbeine der Stiftung, die vor etwa zehn Jahren ins Leben gerufen wurde. Das andere sind öffentliche Seminare für interessierte Laien. In der stiftungseigenen Sternwarte werden einmal in der Woche Führungen und Himmelsbeobachtungen angeboten. Hinzu kommen Volkshochschulkurse im eigenen, angeschlossenen Schulungsraum. Doch öffentliche Veranstaltungen stehen bei der Stiftung nicht mehr nur alleine auf der Tagesordnung. In Trebur wird inzwischen auch Wissenschaft betrieben.

          Daher hat die Stiftung auch den Namen Volkssternwarte abgelegt und in eine bessere Ausstattung investiert. Das Teleskop, das jetzt in der Kuppel steht, genügt den Ansprüchen der Wissenschaft. Etwa 750000 Mark hat das Gerät 1997 gekostet, wovon allein 200000 Mark auf den eigens in Sankt Petersburg angefertigten Hohlspiegel entfielen. Er ist das Herzstück des Teleskops und ermöglicht mit einem Durchmesser von 1,2 Metern, auch kleinste Lichtmengen aus den entferntesten Galaxien zu sammeln. Hinzu kommen Motoren, ein Reibradgetriebe und eine ebenfalls teure Computerausstattung inklusive elektronischer Sternenkarten.

          So ausgerüstet, kann das nach dem Stiftungsgründer Michael Adrion benannte Observatorium auch in internationalen Forschungsprogrammen mithalten. Das Teleskop ist eines der größten, das in Europa öffentlich zugänglich ist. Diese Ausstattung, zusammen mit dem Know-how von Ohlert und seinen Mitarbeitern, hat dafür gesorgt, daß Trebur in der Astronomie mittlerweile auch international ein Begriff ist. Das Observatorium ist dem Projekt "whole earth blazar telescope" angeschlossen. Dieser Verbund von etwa 20 Einrichtungen rund um die Welt ermöglicht es, Sternenbetrachtungen rund um die Uhr durchzuführen. Da Beobachtungen nur in der Nacht möglich sind und somit die Tage unproduktiv bleiben würden, nutzt das Netzwerk den Umstand, daß irgendwo auf der Welt immer Nacht ist. So können von der Erde aus Satellitenbeobachtungen, die von den Tageszeiten unabhängig sind, ununterbrochen unterstützt und ergänzt werden.

          Zu solchen Anlässen geht es in Trebur um Quasare oder andere weniger populäre Themen, die auf Ohlert aber dennoch eine verständliche Faszination ausüben. Allein der Gedanke, in sein Teleskop zu schauen und Licht zu sehen, das sich vor mehreren Millionen Jahren auf den Weg gemacht hat, beeindruckt den Hochschulprofessor. Und seit er sein Hobby, das er schon als Kind hatte, zur Berufung gemacht hat, kann er dieser Faszination in Trebur mit vielen Gleichgesinnten nachgehen.

          Dazu gehört Manfred Liedtke. Von Haus aus ist er Designer, die Astronomie hat aber auch ihn schon als Kind gefesselt. Nun gibt auch er Kurse und Seminare im Observatorium und führt einmal in der Woche Besucher durch die Einrichtung.

          Dabei begegnet er auch immer wieder den Vorurteilen über die Astronomie, die aufzuklären sich die Stiftung zum Auftrag gemacht hat. Zum Beispiel, daß es eine gute Idee sei, bei Vollmond in die Warte zu kommen, um den Erdtrabanten zu sehen. Der erscheint, von der Sonne angestrahlt, aber nur als leuchtende Scheibe. Die Kraterlandschaften und andere Details sind nur zu sehen, wenn es auf dem Mond neben Licht auch Schatten gibt. Auch funkelnde Sterne sind für die Astronomen wenig erfreulich. Was für verliebte Augen an einem klaren Abend romantisch wirken mag, kann die Astronomen zur Verzweiflung bringen. Denn das Funkeln, das durch Luftbewegungen in der Atmosphäre erzeugt wird, macht präzise Beobachtungen unmöglich.

          Die Sternwarte ist Ziel für schätzungsweise 2000 Besucher im Jahr. Genau wie für Johannes Ohlert, der dort nicht nur seiner Leidenschaft für die Sterne, sondern auch seiner Tätigkeit als Wissenschaftler nachkommen kann. Daniel Woitoll

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