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: Aschaffenburger Stadtrat für Tunnel unter den Gleisen

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Es ist beschlossene Sache: Die Stadtteilverbindung zwischen Damm und der Innenstadt wird ein Tunnel sein. Einstimmig hat der Aschaffenburger Stadtrat am Montag abend in einer Sondersitzung das Angebot ...

          Es ist beschlossene Sache: Die Stadtteilverbindung zwischen Damm und der Innenstadt wird ein Tunnel sein. Einstimmig hat der Aschaffenburger Stadtrat am Montag abend in einer Sondersitzung das Angebot der Deutschen Bahn angenommen, in etwa zehn Meter Entfernung zum jetzigen Tunnel eine neue Unterführung unter den großflächigen Gleisanlagen des Hauptbahnhof zu bauen. Diese soll, wie berichtet, sowohl die Gleise erschließen als auch einen geplanten Park-and-ride-Platz der Bahn auf der nördlichen, der Dammer Seite des Bahnhofs. Das 103 Meter lange unterirdische Bauwerk wird dann auch als neue Stadtteilverbindung, wie sie das großangelegte Stadtentwicklungsprojekt "Aschaffenburg 2008: Brückenschlag Damm-Innenstadt" als wesentlichen Eckpunkt vorsieht, genutzt werden können.

          Mit dieser Entscheidung rückt der Stadtrat von seinem vor knapp einem Jahr gefaßten Beschluß über den Bau einer Fußgängerbrücke mit der Doppelfunktion als Stadtteilverbindung und Gleiserschließung mittels Treppen und Aufzügen ab. Damals hatte ebenfalls ein Tunnelbau zur Disposition gestanden, allerdings zu wesentlich anderen Bedingungen. Die aktuelle Offerte der Bahn sieht keine Investitionskosten der Stadt vor. Dank des neuen Vorhabens der Bahn, eine Park-and-ride-Anlage auf der Nordseite anzulegen, sieht sich die Bahn - auch wegen der daraus entstehenden finanziellen Fördermöglichkeiten - nun in der Lage, einen durchgehenden Tunnel anzulegen. Die früheren Pläne hatten lediglich den Bau einer 60 Meter langen Unterführung zur Erschließung der Bahngleise vorgesehen, für den Rest hätte die Stadt aufkommen müssen. Beim jetzigen Projekt müßte sich die Stadt nur an den späteren Betriebskosten des Tunnels beteiligen und für den Erwerb der Fläche für den Parkplatz aufkommen. Das Angebot der Bahn umfaßt auch eine grundlegende Umgestaltung des Bahnhofsgebäudes sowie seines derzeit recht unattraktiven Vorplatzes.

          Raimund Paul, Regionalbereichsleiter Bayern der Bahn-Tochtergesellschaft "Station und Service", erläuterte den Stadträten das Projekt und stellte dessen Vorzüge heraus. Die Absicht der Bahn, den ICE-Halt im Hauptbahnhof bereits zum nächsten Fahrplanwechsel im Dezember wieder einzurichten, habe das Projekt in einem neuen Licht erscheinen lassen, sagte er. Noch im Januar sei seine Abteilung in dem Glauben gewesen, der ICE-Halt werde erst 2004 kommen. Um ihn zu ermöglichen, müßten zwei Bahnsteige umgebaut und die Bahnsteigkanten erhöht werden.

          Nach Auflagen des Eisenbahnbundesamtes dürfe man sich dabei nicht mehr wie bisher mit einfachen Holzkonstruktionen behelfen. Mindestens einer der beiden Bahnsteige müsse bis zum Dezember fertig sein. Könne die Bahn nicht bald mit dem grundlegenden Umbau beginnen, was nur mit dem Tunnel zu bewerkstelligen sei, wären sehr teure Provisorien nötig. Diese unnötigen Ausgaben wolle man unbedingt vermeiden. Der Tunnel werde der Stadt einen schnellen Bau der Stadtteilverbindung bescheren. Voraussichtlich schon Ende 2006 könne die Bahn der Stadt einen "gesamtüberarbeiteten Bahnhof" einschließlich Unterführung präsentieren. Das alles werde sich die Bahn rund 13,6 Millionen Euro kosten lassen. Die Entscheidung über den Steg hingegen sei erst in einem Jahr möglich. Mit einem Baubeginn sei dann nicht vor dem Jahr 2008 zu rechnen, mit der Fertigstellung nicht vor dem Jahr 2009.

          Außerdem warnte Paul vor "explodierenden Kosten" für eine Brücke durch weitere Sicherheitsauflagen des Eisenbahnbundesamtes. Wie berichtet, lagen die Schätzungen für den Brückenbau im vergangenen Jahr bei elf Millionen Euro, wovon die Stadt 2,4 Millionen Euro hätte übernehmen müssen. Auf der Stadtseite wird sich der Tunneleingang im Bahnhofsgebäude befinden, im Norden soll der Investor für das Gelände "Bahnhof Nord" die Gestaltung des Eingangs übernehmen. Hier will die Bahn laut Paul auf der Grundlage des Stadtratsbeschlusses schnellstmöglich eine Einigung erzielen.

          Wie der Bereichsleiter auf Nachfrage aus dem Stadtrat einräumte, hat der Vorstand der DBAG bisher zwar Zustimmung zu dem Vorhaben signalisiert, aber noch keinen Beschluß dazu unterschrieben. Auch dafür sei die Stadtratsentscheidung die Voraussetzung. Die vertragliche Zustimmung des Vorstands werde er schnellstmöglich einholen, kündigte Paul an. Der Tunnel solle so attraktiv wie möglich gestaltet werden. Vorgesehen seien eine Breite von mindestens sechs Metern, Verbreiterungen an den Aufgängen und Aufzügen, Tageslichteinfall, eine großzügigere Höhe als üblich sowie Videoüberwachung. Das alles solle dem Bauwerk den Charakter einer Passage verleihen, die kein Beklommenheitsgefühl aufkommen lasse.

          Oberbürgermeister Klaus Herzog (SPD) sprach von einer Jahrhundertentscheidung, wenn nach 130 Jahren des Bestehens des Aschaffenburger Hauptbahnhofs der Beschluß über eine Stadtteilverbindung gefaßt werde. Die Zustimmung der CSU-Fraktion erläuterte Fraktionsvorsitzender Peter Schweickard. Die hohen Erwartungen, die durch das Brückenbauvorhaben geweckt worden seien, ließen sich auch durch die großzügige Version eines Tunnels verwirklichen, meinte er. Wichtig sei es, daß sich die Stadt mit ihren Vorstellungen bei der Ausgestaltung des Bauwerks wiederfinde.

          Der Beschluß stelle eine große Chance dar, die Gesamtziele des Stadtentwicklungsprojekts "Brückenschlag" schnell zu verwirklichen, äußerte der SPD-Fraktionsvorsitzende Erich Henke. Die Verwaltung habe schnell und richtig auf das Bahnangebot reagiert. Zweifel an den von Paul entwickelten Zeitschienen für Brücken- und Tunnelbau brachte Grünen-Fraktionsvorsitzender Thomas Mütze an, fand aber wie seine Vorredner auch, daß die Finanzierungsvorteile nicht abgelehnt werden könnten. Auf eine baldige Festlegung der Planung für den nördlichen Tunnelkopf drängte Fritz Brönner für die Unabhängige Bürgervertretung (UBV), während FDP-Stadtrat Frank Stollberg darauf hinwies, daß die Liberalen von Anfang an den Tunnel für die attraktivere Lösung gehalten hätten. (lu)

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