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Aschaffenburg : Meister der Staplerfahrer

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Ruhige Hände am Steuer: Stefanie Schuster beim Training Bild: F.A.Z. - Michael Kretzer

Auf dem Schloßplatz in Aschaffenburg tragen Staplerfahrer ihre Deutschen Meisterschaften aus. Die einzige Frau, die teilnehmen darf, kommt aus dem Kreis Miltenberg.

          Sie hat ganz bewußt tiefgestapelt. Mit einem Platz im Mittelfeld wäre sie schon zufrieden, meinte Stefanie Schuster kurz vor dem Start der Deutschen Meisterschaft im Staplerfahren. Aber das wird der Mehrheit des heimischen Publikums nicht reichen. Denn die Dreißigjährige ist nicht nur unter den 70 Fahrern, die es bis in die Endausscheidung auf dem Aschaffenburger Schloßplatz geschafft haben, die einzige Frau. Sie stammt aus Faulbach im Landkreis Miltenberg und vertritt das Rhein-Main-Gebiet, nachdem sie im Juni den Regionalwettbewerb in Aschaffenburg für sich entscheiden konnte.

          In ihrem Beruf als „Fachkraft für Lagerwirtschaft“ sei sie „Mädchen für alles“, erzählt sie. Auf dem Gabelstapler sitze sie nur manchmal. Aber das Fahren mache ihr großen Spaß. Schuster hat in den zurückliegenden neun Jahren keine Regionalausscheidung verpaßt. Dreimal wurde sie Zweite, bevor sie nun den ersten Platz belegte. Wenn man ganz vorn landen wolle, so Schuster, dürfe man auf keinen Fall nervös werden. Man brauche eine ruhige Hand, und es sei viel Glück im Spiel.

          „12.000 Unfälle pro Jahr“ bei Staplerfahrern

          Dies hängt mit der Art der Aufgaben zusammen, die an „Wetten, daß . . .?“ erinnern. So lautete die erste Herausforderung, die zu bewältigen war: „Auf dem linken Zinken eines Elektrostaplers ist ein Miniaturmodell befestigt. Der Ministapler soll eine Miniaturpalette am Kantholz aufnehmen und diese auf einem Miniatur-Lkw absetzen. Anschließend muß der Elektrostapler in die Ausgangsposition zurückgebracht werden. Ohne Pause - die Zeit läuft weiter -- geht es zu Fuß zu Abschnitt 2 und damit zur Aufgabe mit dem Schubstapler.“

          Stefanie Schuster aus Faulbach

          Emil Schneider von der Linde Material Handling wollte nicht verhehlen, daß die deutsche Meisterschaft eine Marketing-Aktion seiner Firma sei, verwies aber auch auf den ernsten Hintergrund. „12.000 meldepflichtige Unfälle pro Jahr sind eine Bilanz, die zum Handeln auffordert.“ Darum richteten die Hersteller und Lieferanten von Gabelstaplern seit einigen Jahren in Abstimmung mit den Berufsgenossenschaften zweitägige Schulungen für Staplerfahrer aus. In dem Aschaffenburger Werk der Linde Material Handling würden sogar Fahrlehrer ausgebildet.

          Lust am Geschicklichkeitsfahren

          Es sei erwiesen, daß von den 120.000 Menschen, die in Deutschland auf dem Gabelstapler unterwegs seien, diejenigen, die keine Ausbildung hätten, besonders häufig verunglückten. Die anderen hätten nach und nach Lust am Geschicklichkeitsfahren entwickelt. Vor diesem Hintergrund hätten die großen Händler schon vor mehr als zehn Jahren mit der Ausrichtung von regionalen Wettkämpfen für die ausgebildeten Fahrer begonnen. Da sei eine bundesweite Endausscheidung nur folgerichtig. Die erste habe im vergangenen Jahr aus Anlaß einer Fachmesse in Hannover stattgefunden. Die „Staplerstadt“ Aschaffenburg sei als Austragungsort aber noch besser geeignet.

          Daß die Linde-Gruppe ihre dort ansässige Tochter Material Handling verkaufen werde, beeinträchtige den Wettbewerb überhaupt nicht, sagte Schneider. Gestern verfolgten ihn mehrere hundert Zuschauer. Für den heutigen Finaltag werden noch mehr Fans erwartet. Die Entscheidung dürfte auf dem Parcours für den Dieselstapler fallen. Der „H30D“ muß eine Schikane durchfahren, dann eine Palette mit Getränkekisten aufnehmen und diese auf einer weiteren Palette wieder absetzen. Danach werden beide Paletten aufgenommen.

          Mit ihnen ist die Schikane rückwärts zu durchfahren. Anschließend werden die Paletten wieder abgesetzt, eine von ihnen wieder aufgenommen und auf den ursprünglichen Ablageplatz gestellt. „Der H30D wird anschließend wieder in die Ausgangsposition gebracht.“ Wer die Aufgabe versteht und den Parcours schafft, ohne daß die Bierkisten stapelweise herunterfallen, hat die besten Chancen, am Ende ganz vorn zu liegen. Am frühen Abend wird der Gewinner feststehen - oder die Gewinnerin.

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