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Aschaffenburg : „Es gibt keinen Hass in unserer Stadt“

  • -Aktualisiert am

Im Gebet: Am Samstag hatten die Mitglieder der Ditib-Gemeinde in Aschaffenburg prominente Gäste zu Besuch. Bild: Marcus Kaufhold

Zum Ende des Ramadan besucht Aschaffenburgs Oberbürgermeister Klaus Herzog die Ditib-Moschee.

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          Die umstrittenen Äußerungen des Bundesbank-Vorstands Thilo Sarrazin empfindet Mehmet Uyar, Vorsitzender der islamischen Ditib-Gemeinde in Aschaffenburg, als Quatsch. Zugleich fürchtet er jedoch, dass sie der Integration und dem sozialen Frieden schadeten. „Man muss sich gegenseitig akzeptieren und respektieren“, verlangt er, fordert aber gleichzeitig, dass sich Muslime und Ausländer stärker einbringen und integrieren sollten.

          Die Ditib-Gemeinde ist mit 380 Mitgliedern die größte muslimische Gruppierung in Aschaffenburg. Samstagabend hatte der Verein anlässlich des bevorstehenden Endes des muslimischen Fastenmonats Ramadan Oberbürgermeister Klaus Herzog (SPD) sowie Vertreter der Kirchen und Sozialverbände in der Kocatepe-Moschee zu Gast. Die Gemeinde bemüht sich seit Jahren um die Öffnung nach außen. Auch der Imam Ahmet Ali Kurt betonte kurz nach seinem Amtsantritt gegenüber der Presse, die Integration insbesondere der Jugendlichen sei eines seiner wichtigsten Ziele.

          Gutes Verhältnis zwischen Deutschen und Ausländern

          Nach Einbruch der Dämmerung gab Imam Kurt am Samstagabend das Zeichen zum Fastenbrechen. Es wurde gebetet und anschließend genossen Frauen, Männer und Kinder ein üppiges Abendmahl, bevor der Imam das Wort ergriff. Er kritisierte die „Habgier“ der Menschen, die nur an materiellen Dingen interessiert seien. Das Fasten könne helfen, zu sich selbst zu finden, barmherzig zu sein und zu teilen.

          Nach Darstellung des Oberbürgermeisters leben die rund 150.000 Menschen in Aschaffenburg und den Nachbargemeinden friedlich zusammen. „Es gibt keinen Hass und keine Polarisierung in unserer Stadt“, sagte er und lobte das gute Verhältnis zwischen Deutschen und Ausländern. Herzog bat seine Gastgeber, sich dafür einzusetzen, dass alle Kinder einen Schulabschluss erreichen und eine Ausbildung machen. „Denn unser Ziel ist es, dass kein Kind verlorengeht“, sagte er. Herzog meinte außerdem, es sei wünschenswert, wenn auch türkische Betriebe ausbilden würden.

          Gerne den Hinterhof verlassen

          Der stellvertretende katholische Dekan Wolfgang Kempf, der erstmals an einem Fastenbrechen teilnahm, sprach von einer wichtigen Begegnung, die dazu diene, Berührungsängste abzubauen. Er zitierte den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, der zu Beginn des Ramadan erklärt hatte, die katholische Kirche schaue mit großer Sympathie auf die Treue, mit der die Muslime ihre religiösen Traditionen begingen.

          Wie viele andere Gotteshäuser ist auch die Kocatepe-Moschee in einem ehemaligen Fabrikgebäude im Westen der Stadt untergebracht. Uyar würde den Hinterhof gerne verlassen und auch ein Minarett bauen. „Das wünscht sich doch jeder Muslim“, sagte er. Der Vorsitzende betonte jedoch auch, man dürfe dies nicht erzwingen. „Denn wir wollen Frieden“, sagte er.

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