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Uni-Entwicklung Covid-Online : Wie die Bürokratie eine Corona-App behindert

Forschergeist: Wissenschaftler arbeiten nicht nur an einem möglichen Impfstoff gegen das Coronavirus (Foto), Kollegen von ihnen haben auch eine App entwickelt Bild: Helmut Fricke

Das Uniklinikum Marburg hat eine Corona-App entwickelt und sieht sie als Blaupause für andere Landkreise. Ein Gesetz droht sich aber als Hemmnis bei dem Vorhaben zu erweisen, die Entwicklung bundesweit auszurollen.

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          Um es gleich klarzustellen: Mit der großen Lösung, der vieldiskutierten Tracking-App gegen das Coronavirus für Deutschland, hat Covid-Online nichts zu tun. Dennoch sehen die Marburger Schöpfer dieser Internet-App ihre Entwicklung als Blaupause für andere Kreise in Hessen und darüber hinaus. Bei den Schöpfern handelt es sich um Ärzte und Experten in Künstlicher Intelligenz an dem mittelhessischen Uniklinikum.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zwar steht ihre App erst seit gut einem Monat im Netz. Sie umfasst einen Fragebogen, an dessen Ende beunruhigte Patienten eine erste Einschätzung bekommen, ob sie sich mit dem Coronavirus infiziert haben könnten und was sie tun sollten. Auch wird das Angebot nur im Raum Marburg getestet. Doch strahlt Covid-Online schon jetzt über die mittelhessische Region hinaus aus. 14.000 Nutzer im Kreis Marburg-Biedenkopf und 700.000 anderswo in Deutschland haben sich darüber bislang Rat geholt.

          Diese Zahl hat die Entwickler selbst überrascht. Sylvia Heinis, kaufmännische Geschäftsführerin des Uniklinikums, nimmt unter anderem diese Zahlen als Ausweis, „dass wir etwas von großem Wert geschaffen haben“. Vor allem aber ermutigen die Ergebnisse im Klinikalltag die Ärzte und Entwickler. Die App verhindert eine Überlastung der Krankenhäuser und dient gleichzeitig den Patienten, wie Kardiologe Bernhard Schieffer erläutert. Nach dem persönlichen Gesundheits-Check empfiehlt die App je nach Fall, nur vorsorglich zu Hause zu bleiben, sich an den Hausarzt zu wenden oder mit einem in der Anwendung generierten Code in die Klinik zu gehen. Die überwiegende Mehrzahl der Nutzer fällt nach Worten von Entwickler Leander Melms in die erste Kategorie.

          Die App leite Patienten an die richtige Stelle. „Sie hat die Last der ersten Welle so gemildert, dass wir jetzt überlegen können, wie wir mit Hochrisikogruppen umgehen können“, hebt Schieffer hervor und spricht von einer riesigen Aufgabe. Denn zuletzt seien etwa Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten sowie Krebskranke vernachlässigt worden. Viele hätten sich aus Angst vor einer Corona-Infektion nicht in die Klinik getraut.

          „Wir tracken keine Patienten“

          Wer aber den Fragebogen durchlaufe und grünes Licht erhalte, könne gefahrlos in die Klinik gehen. Jedem Patienten lege Covid-Online das persönliche Risiko dar und gebe ihm einen Code an die Hand. „Wir tracken keine Patienten“, sagt der Kardiologe. Die App ersetze auch nicht den Arzt. Vielmehr gehe es um Eigenverantwortung der Nutzer. Um die Stärken von Covid-Online zur Geltung zu bringen, müssten App, Gesundheitsämter und Klinik kooperieren, so der Ärztliche Geschäftsführer Harald Renz.

          Martin Hirsch, Professor für Künstliche Intelligenz, hadert aber mit den rechtlichen Vorgaben. Covid-Online sei als Medizinprodukt anzusehen. Um die Entwicklung für andere Kreise nutzbar zu machen, müsse sie nach dem Medizinproduktegesetz in eine Risikoklasse einsortiert und zugelassen werden. Das sei aufwendig. Das Verfahren drohe zu einem „Super-Gau“ zu werden. „Dann prallen monatelange Antragsprozesse und digitale Schnelligkeit aufeinander.“

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