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: Ansätze zur Prävention von Kriminalität auf dem Hessentag vorgestellt

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Zur ersten Präventionsmesse im Land sind auf dem Hessentag in Bad Arolsen die Vertreter des Landespräventionsrates und zahlreicher kommunaler Präventionsräte zusammengekommen. Die Veranstaltung stand unter Federführung des Justizministeriums und wurde vom Landeskriminalamt (LKA) unterstützt.

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          Zur ersten Präventionsmesse im Land sind auf dem Hessentag in Bad Arolsen die Vertreter des Landespräventionsrates und zahlreicher kommunaler Präventionsräte zusammengekommen. Die Veranstaltung stand unter Federführung des Justizministeriums und wurde vom Landeskriminalamt (LKA) unterstützt. Franz Zöller, Hauptsachgebietsleiter Prävention beim LKA, zeigte sich im Gespräch mit dieser Zeitung überzeugt, daß Prävention Erfolg habe, dieser aber nicht oder allenfalls schwer zu messen sei. Auch vollzögen sich Verhaltensänderungen der Menschen durch Prävention langsam.

          Als Erfolg wertete Zöller den Rückgang bei Wohnungseinbrüchen. Es sei mit Hilfe der Polizei und der Präventionsräte gelungen, ein Bewußtsein für mehr Sicherheit zu schaffen. Zahlreiche Bürger haben sich nach Beobachtung von Zöller sicherere Fenster und Türen mit "höherer Überwindungszeit" für die Täter in Haus oder Wohnung einbauen lassen. Die Polizei gebe vielfältige Anstöße zur Prävention, etwa in Zusammenarbeit mit Kindern und Eltern oder den Schulen. In Bad Arolsen informierten sich vor allem Senioren und Schulklassen über Prävention.

          Einer der Partner auf der Präventionsmesse ist die Stadt Korbach, deren Präventionsrat das Motto "Gucken statt Ducken" ausgegeben hat. Damit das Hingucken erleichtert wird, sind in Korbach zum Beispiel die Wartehäuschen an den Bus- und Bahnstationen heute aus Glas. Hecken wurden zurückgeschnitten, um den Blick freizugeben. Im Gestrüpp kann kein Diebesgut mehr abgelegt werden, finden keine Dealer Unterschlupf.

          Gudrun Limperg, Rektorin der Humboldtschule in Korbach, einer Grundschule mit Förderstufe für 500 Schüler, berichtete, daß ihr Haus vor sechs Jahren die Präventionsarbeit nach dem Konzept von Dan Olweus begonnen habe. Die Kinder würden gestärkt, ihnen zugleich aber auch Grenzen gesetzt. Typisch für Situationen, in denen sich an einer Schule aus Überschwang heraus Gewalt entwickeln könne, sei der erste Schneefall im Jahr. Selbstverständlich begännen die Kinder eine Schneeballschlacht, die aber Grenzen haben müsse. Dann seien alle Lehrer gefordert hinzusehen.

          Die Schule habe sich in diesen sechs Jahren verändert, sagte Limperg: "Wer jetzt zu uns kommt, sagt, daß wir ein anderes, friedliches Schulklima haben." Das System funktioniere jedoch nur, wenn Schule und Eltern ihren Erziehungsauftrag gemeinsam wahrnähmen. In der Schule gelten heute drei Regeln: Bei Rangeleien ist Schluß, wenn einer der Beteiligten "Hör auf" sagt; es werden keine Schimpfwörter gebraucht, da diese andere verletzen, kränken oder beleidigen können; in der Schule gehen die Kinder langsam und leise, sie laufen und sie schreien nicht. Den Kindern wird die Freiheit gegeben zu entscheiden, ob sie in den Pausen im Klassenzimmer bleiben, ins Haus oder auf den Hof gehen wollen.

          Als erstes hätten die Eltern davon überzeugt werden müssen, daß der Grundsatz "Wenn Dir einer was tut, dann schlag zurück" nicht mehr gelte. Es sei wie beim Fußball. Für einen Regelverstoß gebe es die gelbe Karte, für das Nachtreten die rote. Das Kräftemessen unter Kindern sei normal und damit erlaubt. Gewalt sei, wenn ein Starker einen Schwächeren schlage.

          "Ringmaster" heißt ein Informationssystem, das in England schon verbreitet ist, aber auch in Dietzenbach-Rödermark und in Bensheim für Sicherheit sorgt. Sein Entwickler, Hamdi Helms aus Walldorf, beschrieb es in Arolsen als computerunterstütztes Warnsystem. In dieses können sich Bürger oder Geschäftsleute freiwillig per Formular oder besser über Internet als Teilnehmer einmelden. Wird nun aus einem Wohngebiet oder aus einer Einkaufsstraße von aufmerksamen Bürgern, Geschäftsleuten oder Passanten der Polizei eine Straftat oder etwas Verdächtiges gemeldet, bewertet die Polizei die Meldung und entscheidet, ob und nach welchen Kriterien selektiert sie diese über das Ringmaster-System weitergibt.

          Bei den Einwohnern, die nach Auffassung der Polizei informiert werden sollten, klingelt dann das Telefon mit der Durchsage, daß eine sogenannte Drückerkolonne, eine Gruppe Ladendiebe oder Einbrecher unterwegs seien. Über Ringmaster kann die Polizei aber auch nach verschwundenen Kindern oder entlaufenen Hunden fahnden. Aus Rödermark wurden schon Erfolge gemeldet. Zum Beispiel wurde ein per Haftbefehl gesuchter Straftäter gestellt, der in einer Drückerkolonne arbeitete.

          Helms sagte, die Installation seines Ringmasters koste in kleinen Orten wie Rödermark oder Bensheim etwa 15000 Euro. Freilich ist der Software-Entwickler nicht nur auf dem Hessentag, sondern auch im Internet unter www.ringmaster.de zu finden. (cpm)

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