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Mobilität im ländlichen Raum : Anruftaxi und Bürgerbus ergänzen den Nahverkehr

  • -Aktualisiert am

Ehrenamt auf Rädern: Thomas Schneider fährt in seiner Freizeit den Bürgerbus in Ober-Ramstadt Bild: Cornelia Sick

Städte und Gemeinden im Rhein-Main-Gebiet verfeinern den innerörtlichen Nahverkehr mit Hilfe zentraler Steuerung und Abrechnung. Damit erhöhen sie die Mobilität innerhalb der Kommunen.

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          Sammeltaxen oder Busse, die nicht „Luft transportieren“, sondern ausschließlich dann fahren, wenn Bürger sie auch benötigen, sind zwar keine neue Erfindung, doch in Südhessen hat man diese Idee jetzt verfeinert und erreicht eine deutliche Kostensenkung für die Kommunen. Mühltal, Ober-Ramstadt und Groß-Zimmern – Roßdorf prüft noch – richteten nicht nur sogenannte bedarfsorientierte Mobilitätsangebote ein, sondern steuern die Fahrten von einer Zentrale aus und rechnen dann auch die Kosten exakt ab. Auf den Straßen fährt nun das Anrufsammeltaxi eines privaten Unternehmens oder ein von Ehrenamtlichen gesteuerter Bürgerbus. Solche Lösungen könnten auch in anderen ländlichen Gebieten hilfreich sein, selbst in städtischen Vierteln mit wenig Nahverkehr und in denen besonders viele alte Menschen leben.

          Weil die Kommunen ihren Bürgern ein Nahverkehrsangebot bereitstellen wollen, entwickelten sie unterschiedliche Systeme jenseits des überörtlichen Linienverkehrs: Es gibt das Taxi mit festen Haltepunkten, das nach starrem Fahrplan oder auf Anforderung fährt, ferner den Anrufbus mit und ohne Linienbindung. In den meisten Orten mit Sammeltaxi gilt, dass wegen der Voranmeldung spontane Fahrten kaum möglich sind.

          Die Probleme für die Städte und Gemeinden sind bekannt. Kinder und Jugendliche, die in der unmittelbaren Umgebung keine Freunde oder Mitschüler haben, sind auf auf das „Taxi Mama“ angewiesen. Verbrauchermärkte ziehen an die Ortsränder, die Menschen aber wohnen in den Zentren oder in Wohngebieten ohne Einkaufsmöglichkeiten. Dann sind Bahnhöfe oft weit entfernt von den Wohnungen, abgelegene Ortsteile bleiben vom öffentlichen Nahverkehr völlig abgehängt, Ärzte sind schwer zu erreichen, soziales Leben mit zentralen Veranstaltungen findet nicht im engeren Wohnumfeldes statt. Und nicht alle haben ein Auto zur Verfügung.

          Bei Zonenwechsel sind 50 Cent mehr fällig

          Die Gemeinde Mühltal ist innerhalb des Midkom-Projektes („Mobiltät in den Kommunen“) am weitesten. Seit Juli ist ein Midkom-Taxi unterwegs, das eine bessere Verbindung zwischen den sechs Ortsteilen, von denen einige im Odenwald liegen, gewährleistet. Zudem fährt seit November donnerstags nachmittags der, wie die Gemeinde stolz vermeldet, „erste rein bedarfsorientierte Bürgerbus Deutschlands“. Alle Fahrer arbeiten ehrenamtlich, als Transportfahrzeug dient der gemeindeeigene Kleinbus.

          Wer mit Taxi oder Bus fahren möchte, muss sich eine halbe Stunde vorher in der Zentrale anmelden. Nun kann es sich ergeben, dass zur gleichen Zeit auch andere Einwohner ihre Wünsche äußern. Dann fahren Taxi oder Bus auch Umwege und andere Haltestellen an, nehmen Fahrgäste auf und setzt sie schließlich an den gewünschten Punkten ab. In Mühltal gibt es zwei Fahrt-Zonen, wer sich in einer bewegt, zahlt zwei Euro, wer die Zone wechselt 2,50 Euro. Nach Bedarf halten die Wagen auch für gehbehinderte Menschen an deren Häusern.

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