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Das Amt des Bürgermeisters : „Wenn man nicht aufpasst, frisst es einen auf“

Freut sich auf die Freiheit: Schwalbacher Bürgermeisterin Christiane Augsburger Bild: Marcus Kaufhold

Bürgermeister sind oft Zielscheiben des Unmuts und der Aggression. Der Respekt vor dem Amt sei verloren gegangen, meint Christiane Augsburger, Bürgermeisterin im hessischen Schwalbach. Nun zieht sie sich zurück.

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          Als Christiane Augsburger (SPD) im vergangenen Sommer vor ihrem völlig demolierten Dienstwagen stand, hat ihr das nach eigenem Bekunden den letzten Kick gegeben. Dass die beliebte Schwalbacher Bürgermeisterin mit nur 59 Jahren nicht mehr zur Wiederwahl im nächsten Jahr antritt, überraschte alle politisch Interessierten im Main-Taunus-Kreis. Viel wurde spekuliert, ihr eine Krankheit oder eine neue, lukrativere Aufgabe angedichtet. Doch nach 18 Jahren im hauptamtlichen Magistrat, zwölf davon als Bürgermeisterin, will Augsburger einfach nicht mehr.

          Heike Lattka

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          Auch ihr Kronberger Amtskollege Klaus Temmen (parteilos) kündigte seinen Rückzug an. Der Vierundsechzigjährige wird ebenso nicht mehr antreten. Offen sprach er in seiner Stellungnahme aus, was andere nur denken: „Das Amt fordert alles, lässt kaum Platz für anderes, dominiert den Tagesablauf und dies Woche für Woche, Monat für Monat und Jahr für Jahr. Wenn man nicht aufpasst, frisst es einen auf“, schrieb er. Das Bürgermeisteramt hat sich verändert und verlangt dem kommunalen Spitzenpersonal immer mehr ab. Wenn ein Amtsinhaber in einer ruhigen Stunde einmal eine Work-Life-Balance erstellt, merkt er schnell, dass das Privatleben zu kurz kommt.

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