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Angesichts boomenden Luftverkehrs : Forderung nach früherem Schallschutz

Volle Dröhnung: Landeanflug über Flörsheim. Bild: Frank Röth

Angesichts des starken Wachstums des Flugverkehrs in Frankfurt soll auch der Lärmschutz schneller als vorgesehen verbessert werden. Darauf will der Vorsitzende der Fluglärmkommission, Thomas Jühe, dringen.

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          Angesichts des starken Wachstums des Flugverkehrs in Frankfurt soll auch der Lärmschutz schneller als vorgesehen verbessert werden. Darauf will der Vorsitzende der Fluglärmkommission, Thomas Jühe, dringen. Dem Gremium gehören unter anderen Vertreter der Anrainerkommunen des Flughafens, der Landesregierung, des Flughafenbetreibers Fraport und von Fluggesellschaften an. Insbesondere die neuen Nachtschutzzonen im Umland des Flughafens, die nach Inbetriebnahme der neuen Landebahn auszuweisen sind, müssten deutlich früher als vom Gesetz verlangt wirksam werden, sagte Jühe im Gespräch mit dieser Zeitung gefordert.

          Helmut Schwan

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Er kündigte an, man werde das bei der Anhörung zu der von der Landesregierung geplanten Verordnung zur Sprache bringen. Die Anhörung wird nach der Sommerpause stattfinden. Jühe ist Bürgermeister von Raunheim, einer der am stärksten unter Fluglärm leidenden Kommunen in Deutschland. Im Gesetz ist dem Flughafenbetreiber eine Frist von sechs Jahren eingeräumt worden, Geld zur Verfügung zu stellen, um Schallschutzfenster oder Wand- und Dachdämmungen in überflogenen Wohngebieten zu finanzieren. Jühe sieht durchaus Möglichkeiten für das hessische Verkehrsministerium, Fraport anzuhalten, schon wesentlich früher als in der zu finanzieren. Er verweist zudem auf die in der Genehmigung zum Flughafenausbau, dem Planfeststellungsbeschluss, ausdrücklich vorbehaltenen Auflagen für den Fall, dass die Folgen des Ausbaus die Region stärker belasten sollten als in den Prognosen angenommen. Auch Hessens Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) sieht darin einen Hebel, auf solche Entwicklungen zu reagieren.

          100 bis 140 Millionen Euro Kosten

          Jühe kennt als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Fluglärmkommissionen in Deutschland die Überlegungen, die zur Novellierung des Fluglärmgesetzes und zu den langen Übergangsfristen geführt hatten, bis ins Detail. Er sieht eine wesentliche Diskrepanz zwischen den Verhältnissen nach Inbetriebnahme der neuen Nordwest-Landebahn und den Annahmen während der Beratungen. Während des Gesetzgebungsverfahrens sei man davon ausgegangen, nach einer Erweiterung eines Flughafens werde die Belastung für die Anwohner erst allmählich steigen und im entsprechenden Tempo könnten auch die Schutzprogramme angepasst werden. Mit der neuen Landebahn seien jedoch gewisse Gebiete, etwa in Flörsheim, vom ersten Tag an enormen Immissionen ausgesetzt. Es wäre absurd, von den Menschen zu verlangen, sie müssten sich bis 2017 gedulden, ehe sie nachts wieder einigermaßen zur Ruhe kommen könnten, sagt Jühe.

          Die Landesregierung wird nach Worten von Verkehrsminister Posch den Flughafenbetreiber, der das Schutzprogramm zu finanzieren hat, „nachdrücklich bitten“, gerade in Kommunen, die vom 21. Oktober an neu und besonders stark durch Lärm belastet sein werden, möglichst früh zu beginnen. Die Kosten des Programms des sogenannten passiven Schallschutzes werden auf 100 bis 140 Millionen Euro geschätzt. Ein Großteil wird Fraport voraussichtlich über Start- und Landeentgelte von ihren Kunden, den Fluggesellschaften, wieder hereinzuholen. Diese Tarife, auch darin sind der SPD-Politiker Jühe und der Liberale Posch sich einig, seien ein gutes Instrument, den Einsatz von leisem Fluggerät zu belohnen.

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