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Anbau von Quinoa : Superfood aus dem Odenwald

  • -Aktualisiert am

Besonders unter „Foodies“ beliebt: Quinoa gilt als gesunde Eiweißquelle Bild: Katja Borowski

Kleine Körner: Quinoa, auch Inkareis genannt, hat seinen Ursprung in Südamerika und ist nicht nur dort ein beliebter Getreideersatz. Jetzt wird er auch auf heimischen Äckern im hessischen Odenwald angebaut.

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          Quinoa liegt gerade im Trend. Genau wie Süßkartoffeln, Nutzhanf und Goji-Beeren. Die einjährige krautige Pflanze, die eng mit unserer einheimischen Zuckerrübe und Roter Bete verwandt ist, in Südamerika schon seit 5000 Jahren als Grundnahrungsmittel gilt und für manche die große Hoffnung im Kampf gegen den Welthunger darstellt, wird immer beliebter und ist nicht mehr nur in innovativen Restaurants auf der Karte zu finden. Quinoa hat es längst in die Supermärkte geschafft und wird von vielen als gesundes Superfood gepriesen.

          In der Tat: Bei Eiweißen und essentiellen Aminosäuren, Mineralstoffen und Vitaminen können es die glutenfreien Samen locker mit gängigen Getreidearten aufnehmen. Außerdem sind sie sehr vielseitig: Ob herzhaft oder süß, roh oder gekocht, ob als Salat, Bratling, Süßspeise oder Bestandteil von Brot, Müsli, Keksen und glutenfreiem Bier: der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt, was zur Beliebtheit unter „Foodies“, Vegetariern, Veganern und Allergikern beiträgt.

          Der Haken: Die bei uns erhältlichen Quinoa-Produkte stammen vorwiegend aus Bolivien, Peru und Ecuador; haben also schon lange Transportwege hinter sich, bevor sie bei uns in die Läden kommen. Und der Boom hat Folgen für die Anbauländer: Durch die weltweite Nachfrage steigen auch dort die Preise, Großproduzenten verdrängen Kleinbauern, Monokulturen entstehen, und viele Einheimische können sich das einst günstige Grundnahrungsmittel kaum noch leisten, während sie es weiterhin für den Export produzieren.

          Wir machen das gemeinsam

          Die Wende könnte der Anbau hierzulande sein. Zumal die Pflanze mit verschiedenen Böden und Klimabedingungen sowie extremer Witterung zurechtkommt und wenig Wasser braucht. So wird Quinoa inzwischen sogar vereinzelt in Deutschland angebaut. Laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung sind 60 Betriebe in die Erzeugung eingestiegen. Auch in Hessen gibt es laut Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen bereits 15 Anbauer mit einer Fläche von insgesamt 21,4 Hektar.

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          Drei von ihnen leben im Odenwald: Mario Schuchmann, Johannes Böhm und Andreas Michel kommen aus Modau, Otzerg und Habitzheim, wo ihre Familien seit Generationen Land bewirtschaften. Auf Quinoa kamen die drei Jungbauern, als sie nach einem Nischenprodukt suchten. Und da sie sich kannten und immer wieder darüber austauschten, war irgendwann klar: Es wird Quinoa, und wir machen das gemeinsam.

          Nach ersten erfolgreichen Feldversuchen, die im Dezember 2017 in einer ersten kleinen Ernte gipfelten, sei die Sisyphusarbeit aber erst richtig losgegangen, erinnert sich Johannes Böhm. Das ansonsten anspruchslose Pseudogetreide musste aufwendig getrocknet werden, was im Dezember keine leichte Aufgabe sei und die Reaktivierung alter Getreidetrockner erfordert habe. Außerdem sei auch die Aufbereitung mühevoll gewesen, weil man Staub, Unkräuter, Reste von anderen Pflanzen und verfärbte Körner aussortieren musste.

          Ergänzung zu konventionellen Produkten

          „Vieles geht über das Probieren“, sagt Böhm, „denn für so etwas gibt es keinen Lehrplan, zumindest nicht in Deutschland.“ Auch wisse man vorher nie, wie sich der aktuelle Bestand entwickle und ob es am Ende für eine Ernte reiche. Trotzdem seien die drei zufrieden mit dem „Zukunftsprojekt“. Der Absatz steige jedes Jahr, vor allem in regionalen Unverpackt-Läden, und man habe sich inzwischen auch Wissen um die Kulturführung und die Aufbereitung angeeignet. Jeden Tag kämen neue Erkenntnisse dazu. Eine lautet: Jede Quinoa-Sorte schmeckt anders. Eine weitere: Erst beim „Polieren“ gehen die Bitterstoffe verloren, und die Optik verbessert sich.

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          In diesem Jahr haben es Böhm, Schuchmann und Michel mit zwei verschiedenen Quinoa-Sorten mit unterschiedlich langen Wachstumsperioden und somit mit zwei unterschiedlichen Erntezeitpunkten probiert. Und das auf insgesamt nur sechs Hektar. Eine Ernte ist schon eingefahren; die andere folgt noch. Am Ende wird der Ertrag wohl bei etwa 600 bis 800 Kilogramm Quinoa je Hektar liegen.

          Ob sich solcher regionaler Anbau des Superfoods langfristig auch wirtschaftlich lohnt, ist noch nicht abzusehen. Aber zumindest als Ergänzung zu konventionellen Produkten der Landwirtschaft könnte sich Quinoa möglicherweise etablieren. „Quinoa aus dem Odenwald“ jedenfalls hat inzwischen den Weg zu den Kunden gefunden: Es gibt die Packungen mit den senfkorngroßen Samen in etlichen Bauern- und Edeka-Läden in der Region zu kaufen. Außerdem in diversen Naturkostläden, Reformhäusern und Unverpackt-Läden. Die 500-Gramm-Packung kostet durchschnittlich 5,50 Euro, ist also um einiges teurer als herkömmliche Produkte in den Regalen. Dafür erhalten die Verbraucher aber auch ein gesundes regionales Produkt mit guter Ökobilanz.

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